Automobil 02.09.2011, 12:07 Uhr

Getriebe-Innovation bietet Autokäufern die Wahl

Hersteller wie Audi und Daimler entwickeln und produzieren ihre Getriebe selbst. Für einige Modelle wird das komplexe Maschinenelement von Zulieferern wie ZF oder Getrag bezogen. Audi geht einen Schritt weiter. Unter „Effizienzsteigerung“ werden fünf unterschiedliche, eigene Getriebelösungen angeboten. Die Auswahl durch den Autokäufer soll den Pkw-Absatz weiter beleben.

„Audi hat sein Portfolio an Getriebetechnologien breit gefächert. Unser Angebot beeinflusst mittlerweile Fahrzeugkaufentscheidungen“, sagte Ralf Kischkat, Entwicklungsleiter Getriebeelektronik bei Audi, den VDI nachrichten. Das Programm des Ingolstädter Pkw-Herstellers umfasse Handschaltungen, Stufenlos- und Wandlerautomaten, Doppelkupplungs- und Rennsportgetriebe. Jedes Übersetzungssystem steht laut Kischkat gleichzeitig für eine Baureihe, so gibt es für den Wandlerautomat aktuell sechs unterschiedliche Ausführungen. Beim Einbau wird nach quer oder längs, front oder quattro differenziert.

„Der Kunde kann immer den für seine Zwecke optimalen Antrieb wählen und so spürbar verbrauchsreduziert fahren“, erklärte Kischkat die Audi-Philosophie. Diese Angebote leisteten auf unterschiedliche Weise einen wichtigen Beitrag zu noch mehr Effizienz.

Autohersteller verbessern elektronische Vernetzung ihrer Getriebe

Der Hersteller bietet auf den Einsatzzweck angepasste, automatische Schaltlösungen unter Berücksichtigung von unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten an. Weitere realisierte Pluspunkte hinsichtlich des Verbrauchs sind laut Kischkat eine vergrößerte Spreizung, die Reduzierung der inneren Reibung, die Nutzung der Motorabwärme zur Verkürzung der Warmlaufphase und die mögliche Motorabschaltung im Stand, das Start-Stopp-System.

Verbessert wurde zudem die elektronische Vernetzung, so Kischkat. Das heißt, mithilfe von Informationen von anderen Sensoren oder Steuergeräten, etwa dem Navigationssystem, können unnötiges Schalten, Beschleunigen und Bremsen vermieden werden. In diesem Zusammenhang verweist Kischkat auf den Audi A8, wo das Navigationsgerät dem Getriebe eine bevorstehende Kurve anzeigt. „Wenn der Fahrer dann den Fuß vom Gas nimmt bzw. bremst, werden so unnötige Schaltvorgänge vermieden. Wenn er nach der Kurve wieder Gas gibt, fährt er vorausschauend im passenden Gang.“

Die bei Audi und im VW-Konzern angebotenen Aggregate sind in erster Linie die Wandlerautomaten mit der Bezeichnung Tiptronic, die stufenlosen Automaten Multitronic und die Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic (DSG bei VW).

Zur Tiptronic-Lösung meinte Kischkat gegenüber den VDI nachrichten: „Die großen Stärken der klassischen 6– und 8-Stufen-Wandlerautomaten sind der Schalt- und Anfahrkomfort sowie das Kraftstoffsparpotenzial.“ Beispielsweise wurde durch den neuen 8-Gangautomat der Kraftstoffbedarf gegenüber dem Vorgängermodell um zirka 5 % gesenkt, so Kischkat. Die Modifizierung des Dämpfungssystems im Drehmomentwandler trägt mit dazu bei und bewirkt zusätzlich eine Komfortsteigerung.

Beim stufenlosen Mulitronic-System wird mithilfe einer adaptiven Kennfeldsteuerung stets der optimale Drehzahlbereich genutzt, was bis zu 3 % Verbrauchsreduzierung bringe.

Beim Audi A3 sorgt das S-Tronic-Getriebe für mehr Effizienz

Der gute Wirkungsgrad beim S-Tronic-Aggregat wird mit einer intelligenten Steuerung für die verbrauchsgünstige Fahrweise im Automatikmodus erzielt, so Kischkat. Dies bedeute, da sich die Übersetzungen für jeden Gang individuell anpassen lassen, dass sich in den einzelnen Märkten für jedes Fahrzeugmodell, für jede Motorisierung und für die unterschiedlichen Fahrprofile eine Getriebelösung mit spürbarem Energiespareffekt realisieren lasse. Für Kischkat ist diese Lösung eine besondere Innovation.

Beim Audi A3 konnte die Effizienz weiter gesteigert werden, sagte Kischkat. Bei diesem Modell kommen S-Tronic-Getriebe mit sieben Gängen und Trockenkupplung (Kupplungen laufen nicht im Ölbad) zum Einsatz. Hier treibt nicht der Verbrennungsmotor permanent die getriebeinterne Ölpumpe an. Ein Elektromotor füllt einen Speicher nur dann mit neuem Öl, wenn es benötigt wird.  

Von G. Zimmermann/Wolfgang Pester

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