Automobilbau 11.06.1999, 17:21 Uhr

Ford fährt mit dem Focus aus dem Tal der Tränen

9,5 %) sichern.

Das progressive „New-Edge-Design“ des Focus mit Kamm-Heck und den in die Heck-Säulen implantierten Leuch–ten hat bei den als konservativ geltenden Ford-Käufern offensichtlich nicht den von vielen Fachleuten prophezeiten Kulturschock ausgelöst – im Gegenteil: Der Anteil des Dreitürers mit dem unkonventionellen Heckabschluß liegt inzwischen sogar um 50 % höher als beim vergleichsweise biederen Vorgänger Escort. Der wird übrigens für die Hardliner unter den Ford-Kunden als „Escort Classic“ in Stufenheck- und Kombi-Version noch etwa zwei Jahre lang weitergebaut.
Überraschenderweise liegt der markant gestylte Focus mit insgesamt 33 % Zulas-sungenanteil über dem der eher konservativ daherkommenden viertürigen Stufenhecklimousine, die – zusammen mit der Kombiversion „Turnier“ – erst im Februar dieses Jahres nachgeschoben wurde. Mit vier Karosserie- und fünf Motorvarianten ist die neue Modellreihe damit komplett.
Meistgekauftes Modell ist erwartungsgemäß mit 53 % Anteil der Turnier. „Der Erfolg des Focus im deutschen Markt bestätigt, daß wir mit der Neupositionierung unserer Marke auf dem richtigen Weg sind“, freut sich der seit November vorigen Jahres amtierende neue Vorstandsvorsitzende Rolf Zimmermann. „Wir gewinnen viele neue Kunden, ohne traditionelle Ford-Käufer zu verlieren“, erklärte der Kölner Ford-Chef gegenüber den VDI nachrichten.
Die jüngsten Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) bestätigen, daß der Focus auf der Straße des Erfolgs rollt: Mit 16 797 Einheiten belegte er im März dieses Jahres nicht nur den dritten Rang der deutschen Neuzulassungen, sondern erzielte auch das beste Ergebnis eines Ford-Modells seit 1991. Auch schob sich der Focus mit 34 774 Neuzulassungen im ersten Quartal dieses Jahres vor die Mercedes A-Klasse von DaimlerChrysler, von der 25 890 Pkw neu zugelassen worden sind. Den deutschen Ford-Händlern liegen inzwischen über 70 000 Bestellungen vor, in Europa sind es sogar über 250 000. Um die starke Nachfrage zu befriedigen, wurde der Produktionsausstoß im Werk Saarlouis im Februar auf 1700 Einheiten pro Tag hochgefahren. Der Focus setzt bei Ford derzeit den positiven Akzent.
Der Eroberungsanteil des Focus an Käufern, die vormals Besitzer von Fremdfabrikaten waren und nun auf ihn umgestiegen sind, liegt mit etwa 40 % recht hoch. Ford-Werke-Chef Zimmermann sieht darin einen Erfolg der auch bei der Mondeo-Baureihe praktizierten Ein-Preis-Strategie: Viertürer, Fünftürer und Kombi haben bei gleicher Ausstattung jeweils den gleichen Preis. Bei den Focus-Käufern dominiert derzeit die luxuriöse Ausstattungsvariante „Ghia“ mit 45 % Anteil, gefolgt von der sportlichen Version „Trend“ mit 35 %.
Für das laufende Jahr hält Duncan Rooke, Vorstand Marketing und Verkauf in Köln, ein Absatzziel von 370 000 bis 375 000 Ford-Pkw und -Nutzfahrzeugen für realistisch. Auftrieb erhofft er sich nicht nur vom Focus, sondern auch vom Fiesta, der nach den Werksferien einem Facelifting unterzogen wird. „Wir haben einen großen zufriedenen Kundenstamm in Deutschland, so daß ich einen Marktanteil im zweistelligen Bereich durchaus in greifbarer Nähe sehe“, gibt sich Rooke zuversichtlich. „Langfristig halte ich sogar einen Marktanteil in der Größenordnung von 12 % für angemessen. Er wird allerdings nicht über Nacht zu erreichen sein.“ Wohl wahr, fiel doch der Absatz von Fiesta (- 54,4 %), Mondeo (- 51,5 %) und Ka (- 38,5 %) im ersten Quartal 1999, verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, in den Keller. Der Optimismus des deutschen Ford-Managements erinnert daher etwas an das laute Pfeifen im Wald.
Das New-Edge-Design von Ka, Puma, Cougar und nunmehr Focus polarisiert – und das soll es auch. „Mir ist lieber, die Leute diskutieren über unser Design, als daß sie es langweilig finden“, bringt der Vertriebsvorstand die hauseigene Philosophie auf den Punkt. Vorstandsvorsitzender Zimmermann spricht gar von einer „Marken-DNA“: „Wir brauchen ein klar erkennbares, typisches Erscheinungsbild, so daß künftig schon ein Zwölfjähriger jedes Ford-Modell auf Anhieb unserer Marke zuordnet.“
Altgedienten Autokennern fallen bei diesen Worten historische Parallelen ein. Auch der Ford 17 M (P 3) von 1960 – im Volksmund „Badewanne“ genannt – erregte damals wegen seines ungewöhnlichen Designs enormes Aufsehen. Während bei den Wettbewerbern noch die kantige Trapezlinie als topmodern galt, überraschte Ford mit der sogenannten „Linie der Vernunft“. Am 17 M war alles rundlich: Kofferraum, Rückleuchten, Kotflügel, Motorhaube und Frontscheinwerfer. Technisch war die „Badewanne“ ihren Konkurrenten ebenfalls voraus.
Wegen ihres für die damalige Zeit niedrigen cW-Wertes von 0,40 und der systematischen Gewichtseinsparung verbrauchte die Badewanne trotz des unverändert übernommenen Motors auf Anhieb 1 l Kraftstoff auf 100 km weniger als der eckige und 85 kg schwerere Vorgänger. Das wartungsfreie Fahrwerk – erstmals ohne Schmiernippel – galt als ebenso richtungweisend wie die leicht gekrümmten Seitenscheiben. Nicht zu vergessen die Heckleuchten der auch damals schon „Turnier“ genannten Kombiversion: Sie waren in die Dachkante integriert.
Zeitsprung in die Gegenwart: Vor wenigen Tagen stellte Ford in Sacramento/Kalifornien erstmals ein voll funktionsfähiges Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb vor, den „P 2000“. Die vollwertige Familienlimousine, äußerlich dem Mondeo ähnelnd, wiegt weniger als 1450 kg und wird von einem 74 kW starken Elektromotor angetrieben. Der P 2000 beschleunigt in 12 s von 0 auf 100 km/h und läuft deutlich über 100 km/h. Eine Wasserstoff-Tankfüllung ermöglicht einen Aktionsradius von mehreren hundert Kilometern.
Präsentiert wurde der Ford P 2000 gemeinsam mit dem „Necar 4“ von DaimlerChrysler anläßlich des Großversuchs „California Fuel Cell Partnership – Driving for the Future“, den der Sonnenstaat jetzt startete. Neben Ford, DaimlerChrysler und dem Brennstoffzellenhersteller Ballard beteiligen sich an diesem Zukunftsprojekt auch die Mineralölkonzerne Arco, Shell und Texaco.
Mit dem Brennstoffzellen-Pkw kann Ford gut Promotion machen und zeigen, daß das Unternehmen auf allen technologischen Gebieten des Automobilbaus von morgen en vogue ist. Heute muß sich jedoch der Focus am Markt durchsetzen. Das Zeug dazu hat er allemal – aber auch die stärkste Konkurrenten: den Opel Astra und den VW Golf.
HANS W. MAYER/WOP
Der Ford Focus kommt in die Gänge: Seit die Modellreihe mit dem Kombi „Turnier“ (re.) ab Februar in vier Karosserie- und fünf Motorvarianten angeboten wird, steigt der Neuzulassungsanteil des Focus. Mit 53 % der vorliegenden rund 250 000 Bestellungen in Europa ist der Turnier der Bestseller seiner Baureihe.
Am schnittigen Frontdesign ist der Focus sofort zu erkennen. Mit dem Focus will die Marke Ford wieder bergauf fahren und erneut einen zweistelligen Anteil bei den Neuzulassungen in Deutschland erreichen. Der Ford 17 M (P3), im Volksmund „Badewanne“ genannt, sorgte 1960 wegen seines ungewöhnlichen Designs für Furore.

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Versuchsingenieur für Betreuung von Teilsystemplätzen (m/w/d) Garching bei München, München
in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Systemingenieur modellbasierte Entwicklung (MBSE) (m/w/d) Garching bei München, Leipzig, Erlangen, Berlin
Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in (m/divers/w) für den Bereich Unfallanalyse Berlin
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
Eisenbahn-Bundesamt-Firmenlogo
Eisenbahn-Bundesamt Ingenieurin / Ingenieur oder Physikerin / Physiker (Uni-Diplom/Master) als Wissenschaftliche Referentin / Wissenschaftlicher Referent (m/w/d) für Schallschutz / Erschütterungsschutz Bonn, Dresden

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Fahrzeugba…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.