Automobilbau 14.04.2000, 17:25 Uhr

Finnen bauen die meisten „Boxster“

Von kleineren Stückzahlen aus der Modellpalette größerer Kfz-Hersteller verspricht sich Valmet eine gute Zukunft. Der flexible Automobilbauer ist Spezialist für sportliche Cabrios.

Das neue Jahrtausend konnte die in der südwestfinnischen Küstenstadt Uusikaupunki beheimatete Valmet Automotive, mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft beginnen. Denn kurz vor seinem 30. Geburtstag nahm der Spezialist für Nischenfahrzeuge im vergangenen Jahr seine neue Hauptmontage-Linie in Betrieb. Damit ist „Finnlands einziger Pkw-Produzent“ laut Hannu Berger jetzt in der Lage, auf nur einer Linie verschiedene Pkw-Modelle zu fertigen. „Der neue Montage-Komplex“, so betonte der für die internationale Geschäfts-Entwicklung zuständige Senior Vice Präsident und Porsche-Boxter-Projektverantwortliche von Valmet bei der Werks-Präsentation, „spiegelt die Geschäfts-Philosophie des Unternehmens wider: eine flexible gleichzeitige Produktion mehrerer Nischenmodelle“.

Auf der neuen Montagelinie entstehen auch Saab-Cabrios

Der „Boxster“ und der „Boxster S“ wird auf der neuen Linie für die Zuffenhausener Porsche AG ebenso montiert, wie das „9 – 3 Cabriolet“ und der „9 – 3 Viggen“ des schwedischen Automobil-Produzenten Saab. „Wir bauen mit jährlich knapp 15 000 Einheiten (1999) derzeit die Mehrzahl der Porsche Boxster-Modelle hier bei uns“, freut sich Berger schon auf die weiter ansteigenden Absatzzahlen bei diesem deutschen Sportwagen. Ursprünglich war im September 1997 die Produktion dieses Nischen-Modells mit einer Stückzahl-Erwartung von jährlich lediglich 5000 Fahrzeugen aufgenommen worden.
Heute fertigt der unabhängige Automobilhersteller insgesamt etwa 34 000 hochwertige Sonderfahrzeuge und ist laut Berger nach DaimlerChrysler und Karmann der drittgrößte Cabrio-Hersteller in Europa. Dank der 9 Mio.-Euro-Investition in die Endfertigung – die neue Linie beansprucht nur noch etwas mehr als die Hälfte des früheren Montagekomplexes – habe das Werk Raum für eine weitere Produktionslinie gewonnen. Der auf flexible Automation optimierte Fahrzeugbau kombiniert die Handarbeit von rund 1200 Werkarbeitern mit modernen Robotern und erlaubt es so, rasch in die Fertigung neuer Sonderprodukte starten zu können.
„Wir wollen die beste externe Alternative für Automobil-Hersteller in Sachen Produktion und Entwicklung sein“ begründet Berger die Spezialisierung seines Unternehmens auf die Montage von offenen Nischen-Fahrzeugen und die Entwicklung von Cabrio-Verdecken sowie Karosserie-Modifikationen. Mit diesem Unternehmenskonzept habe Valmet seinen Umsatz bis zum vergangenen Jahr auf 114 Mio. Euro (1996 80 Mio Euro) steigern können.
Eine Schlüsselfunktion für die wirtschaftliche Entwicklung des Automobilbauers hat die Lackiererei inne.: „Ohne die konsequente Steigerung der Lackierqualität und die Investition in umweltfreundliche Beschichtungs-Systeme hätten wir den Auftrag von Porsche nicht bekommen. Heute stehen wir auf dem gleichen technischen Stand wie die Original-Hersteller und können in über 30 Farben ohne Batch-Verfahren flexibel lackieren.“
Das Gesamtautomations-Niveau in der Lackiererei, die einen modernen 10-Stufen-Tauchphospatierungsprozess, eine KTL (Kathodische Tauchlackierung) mit Tauchspülung sowie den automatisierten Auftrag von Wasserbasis-Lacken für die Deckschicht einschließt, liegt bei 90 %. In diesem und im nächsten Jahr soll mit weiteren „beträchtlichen Investitionen“ die Lackiererei in die Lage versetzt werden, künftig auch Großraum-Fahrzeuge in Uusikaupunki beschichten zu können. Dann werde auch der Primer-Auftrag auf umweltschonende Wasserbasis-Systeme umgestellt werden.
Ein gut funktionierender Materialfluss verbunden mit dem im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland niedrigeren Lohn-Niveau ist für den Porsche-Projektverantwortlichen von Valmet die Grundlage des Unternehmenserfolgs in Europa. Berger: „Wir erhalten nur noch die Fahrzeug-Bestellungen von unseren Kunden und planen in Zusammenarbeit mit den einzelnen Systemlieferanten unsere Montageversorgung selbst.“ Inklusive des etwa zwei Tage dauernden Teile-Transports benötige man so etwa ein bis zwei Wochen bis zur Auslieferung der fertigen Sondermodelle. Das Lohnniveau sieht Berger für seine Branche in Finnland in etwa auf gleicher Höhe wie sie mögliche Standort-Konkurrrenten in Frankreich oder Schweden bieten könnten. So hofft er auch künftig auf ein großes Stück von dem wachsenden Stückzahl-Kuchen in Europas Nischenfahrzeug-Märkten. Eine von seinem Unternehmen in Auftrag gegebene Studie, in der kürzlich Repräsentanten von zehn OEM (Original Equipment Manufacturer) in Europa befragt worden seien, prognostiziere, dass sich die Produktion solcher Fahrzeuge in den nächsten vier Jahren von derzeit 1,2 Mio. Einheiten auf 2,5 Mio. Einheiten mehr als verdoppeln werde. JÜRGEN SIEBENLIST
Jährlich rund 15 000 “ Boxster“ baut Valmet derzeit für Porsche. 1997 zum Produktionsstart lag die zugesagte Jahres-Stückzahl noch bei 5000.

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

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