Autonomes Fahren 10.09.2013, 12:00 Uhr

Fahrerlos und effizient: Elektroautos im Car-Sharing

Schon bald sollen Elektroautos auf Kurzstrecken oder in Parkhäusern ihren Weg völlig autonom finden. Stuttgarter Forscher arbeiten an einem System, in dem das fahrerlose Auto zwischen Kunde und Parkhaus pendelt. 

Autonomes Fahrzeug an einer Kreuzung: Unterschiedliche Sensoren erfassen die Umgebung. Die Fahrzeugsteuerung erzeugt damit ein Modell der Umgebung. 

Autonomes Fahrzeug an einer Kreuzung: Unterschiedliche Sensoren erfassen die Umgebung. Die Fahrzeugsteuerung erzeugt damit ein Modell der Umgebung. 

Foto: Fraunhofer IPA

Als jüngst der sogenannte „Adolf“-Werbespot im Internet die Runde machte, variierten die Meinungen dazu zwischen amüsant und geschmacklos. In dem gut einminütigen Film fährt eine Mercedes-Limousine durch ein Dorf in Österreich und bremst automatisch, als spielende Kinder vors Auto laufen. Der Mercedes setzt seinen Weg fort, aber der Kollisions-Präventionsassistent rührt sich nicht, als erneut ein kleiner Junge auf die Straße rennt. Das Auto hat unverkennbar den jungen Hitler überfahren. Die Botschaft: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Schon jetzt warnen Pkw-Assistenz-Systeme vor allen möglichen Gefahren

Mercedes distanzierte sich umgehend von der vermeintlichen Werbung und die Studenten der Filmakademie in Ludwigsburg, die den Spot als ihre Abschlussarbeit ins Netz gestellt hatten, mussten deutliche Hinweise auf den nicht autorisierten Charakter ihres Films einbauen. Abgesehen davon, ob die Studenten mit ihrer Werbebotschaft übers Ziel hinausgeschossen sind oder nicht, haben sie doch ein aktuelles Thema der Fahrzeugtechnologie wirksam umgesetzt: das autonome Fahren. Während des Spots ist zu keinem Zeitpunkt ein Fahrer am Steuer des Mercedes zu erkennen. Das Auto fährt sich selbst.

Nach Expertenmeinung könnten wir bereits in den nächsten fünf bis zehn Jahren führerlosen Fahrzeugen begegnen. Schon jetzt können die Assistenzsysteme in den Pkw allerhand. Es gibt Lenk-Assistenten, die Fahrbahn-Markierungen und vorausfahrende Fahrzeuge erkennen. Der Brems-Assistent schaut in die nächste Kreuzungsecke und erkennt Fußgänger, es gibt Spurhalte- und sogar Verkehrszeichen-Assistenten, die sich bemerkbar machen, wenn der Fahrer zum Beispiel ein Einfahrverbot ignoriert.

Forscher am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität München haben kürzlich gezeigt, dass sogar völlig autonomes Fahren im öffentlichen Straßenverkehr funktioniert. Ihr Elektroauto Visio.M ist mit sechs Videokameras ausgerüstet, deren Bilder in einem Computer zusammenlaufen und dann über den Mobilfunkstandard LTE an einen Operatorarbeitsplatz gesendet werden. Der Operator sitzt in einem Fahrsimulator, der den Innenraum und die äußere Umgebung des Fahrzeuges mit kompletter Rundumsicht auf die Straße spiegelt. Er steuert das Auto von der Zentrale aus. Der Einsatz solcher Fahrzeuge ist etwa beim Car-Sharing denkbar oder auch für das Steuern von Elektroautos an die nächste Ladestation.

Fahrerlose Elektroautos finden den Weg zur nächsten Ladestation

Auch das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart forscht schon seit über 30 Jahren zum Thema autonomes Fahren. Ihr neuestes Projekt heißt AFKAR (Autonomes Fahren und intelligentes Karosseriekonzept für ein All-ElectRic Vehicle) und beschäftigt sich damit, wie Elektrofahrzeuge Kurzstrecken und den Weg zur Ladestation autonom zurücklegen können. Dazu soll auf der Basis von kostengünstigen Sensoren ein dynamisches Modell entwickelt werden, das die Umgebungssituation erfasst. In einer intelligenten Verkehrsinfrastruktur könnten Elektroautos somit bald selbstständig fahren.

Ein intelligentes Parkhaus organisiert das Laden unterschiedlicher Fahrzeuge.

Ein intelligentes Parkhaus organisiert das Laden unterschiedlicher Fahrzeuge.

Foto: Fraunhofer IPA

Die Forscher denken dabei ebenfalls an Fahrzeuge im Car-Sharing. Die autonomen Autos könnten selbstständig zwischen Kunde und Parkhaus pendeln und wären immer dort verfügbar, wo sie benötigt würden. Viel effizienter könnten auch Stell- und Ladeplätze in öffentlichen Parkhäusern verwaltet werden. „Wir denken dabei an intelligente Parkhäuser, die Ladestationen für Elektroautos anbieten. Die Fahrzeuge steuern dabei selbstständig auf freie Ladeflächen und geben diese wieder frei, wenn ihre Batterien aufgeladen sind“, sagt Christian Connette, Projektleiter in der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer IPA.

Dabei kommunizieren die autonomen Elektrofahrzeuge über eine drahtlose Schnittstelle mit Ladestation und Parkhaus-Management. Informationen über Ladestand und Positionierung ermöglichen das bedarfsgerechte und autonome Umparken. Das Aufladen funktioniert schnell und komfortabel, denn die Suche nach unbesetzten Ladeplätzen und lange Ladevorgänge würden dem Kunden erspart. Am Eingang gibt er sein Fahrzeug ab und bucht ein gewünschtes Ladevolumen. Das intelligente Parkhaus optimiert dann selbständig die Auslastung der vorhandenen Ladeplätze. Kommt der Kunde zurück, steht sein Auto im Abholbereich einsatzbereit zur Verfügung.

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