Automobilbau 28.01.2005, 18:36 Uhr

„Einige Spritzer Benzin sollte man im Blut haben“

VDI nachrichten, Essen, 28. 1. 05 -Kreative Ingenieure, die zugleich grundsolide an den Hochschulen ausgebildet wurden, wünscht sich die Fahrzeugindustrie. Am besten natürlich, das Automobil ruft Leidenschaft in ihnen hervor.

Vom „normalen“ Maschinenbauer bis zum Psychologen: Automobil-Konzerne benötigen eine breite Palette an Berufen, wobei technische Qualifikationen im Vordergrund stehen. „Wir suchen Ingenieure im Elektronikbereich, für die Innenausstattung, das Interieur der Fahrzeuge, und wir werden weiterhin auch qualifizierten Bedarf haben in der Karosseriekonstruktion und im Fahrwerkbereich“, berichtet Joachim Stormanns, Leiter in der Personalentwicklung der Ford-Werke GmbH.
Mit dem Auto wird sich auch das Berufsbild der Ingenieure wandeln, weiß Prof. Uwe Loos. Der Vorsitzende der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik bestätigt: „Der Anteil der Elektronik ist in den letzten Jahren immens gewachsen und beträgt rund 30 % der Wertschöpfung. Vor 20 Jahren waren es noch 5 %.“ Die Hochschulen hätten sich mit entsprechenden Studienangeboten in Elektrotechnik und Mechatronik auf diesen Trend eingestellt. Ähnliches gelte für Produktionstechnik und Logistik, wo neue Materialien und Bauweisen neue Konzepte erforderten. Bis sich ein junger Ingenieur in den hochkomplexen Aufgabengebieten zum wahren Experten gemausert habe, dauere es mitunter bis zu fünf Jahren Praxiserfahrung.
Elektronik- und Softwarekenntnisse sind vor allem auch gefragt, wenn es um elektrohydraulische oder elektrische Lenkungen geht. „Wir suchen bei weitem nicht nur Generalisten. Wir haben eigene Bereiche, die sich nur mit der Elektronikintegration ins Fahrzeug beschäftigen, und da kommt man quasi mit dem gesamten Produkt- und Entwicklungsspektrum in Berührung“, erläutert Christof Kellerwessel, Chefingenieur der Elektrik- und Elektronikentwicklung bei Ford.
Es werde künftig darauf ankommen, Ingenieure auszubilden, die mit Blick auf die Vernetzung der Elektronikkomponenten und trotz einer gewissen Spezialisierung in der Lage sind, den Systemcharakter der Fahrzeuge zu begreifen. Dennoch blieben der klassische Maschinenbau, Technische Mechanik und Werkstofftechnik notwendig für eine vernünftige Ausbildung, erklärt Wolfgang Foken, Leiter des Innovationszentrums für Fahrzeugtechnik (IZFT) an der Westsächsischen Hochschule (FH) in Zwickau.
Das Berufsbild wandelt sich. Der Ingenieur ist zunehmend in Führungspositionen gefragt. Uwe Loos tritt jedoch der Mär entgegen, ein Ingenieur müsse quasi als Führungskraft geboren sein: „Junge Ingenieure sollten immer noch ein gut Teil Tüftler sein und sich ins Detail versetzen können.“ Die Frage nach höheren Weihen ergäbe sich im Laufe der Karriere.
Was aber ins Zeugnis eines Hochschulabsolventen gehöre, sei der Blick über die Landesgrenzen. Hochschulprofessor Loos: „Ich ermuntere meine Studenten immer wieder, ins Ausland zu gehen. Diese Erfahrungen und Sprachkenntnisse in Kombination mit der hervorragenden deutschen Ingenieurausbildung sind fast eine Arbeitsplatzgarantie.“ Dazu gehöre jedoch ein hohes Maß an örtlicher Flexibilität.
Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) bildet inzwischen nicht nur deutsche Studierende aus, sondern auch englischsprachige. Henning Wallentowitz, Leiter des Institutes für Kraftfahrwesen Aachen (ika): „Unsere Idee ist, dass beide Gruppen frühzeitig zusammenkommen, denn in unserer globalen und mobilen Welt braucht man Freundschaften. Und die schließt man am besten während des Studiums.“ Die Fahrzeugstudenten sollten deshalb neben technischen Fächern Sprachen lernen.
Doch eine gute Ausbildung allein gibt noch nicht die Garantie für Erfolg im Beruf. „Wir bekommen von den Universitäten hervorragende Leute. Sie sind gut qualifiziert. Aber die Motivation gibt letztlich den Ausschlag. Man muss spüren: Da ist jemand, der etwas bewegen will,“ beschreibt Prof. Raymond Freymann, Leiter der BMW Group Forschung und Technik, ein wichtiges Kriterium für das Bewerbungsgespräch.
„Das Auto muss für jemanden, der bei uns arbeitet, interessant sein. Ohne eine starke Liebe zum Automobil wird es langfristig schwierig. Einige Spritzer Benzin sollte man schon im Blut haben“, sieht es Stormanns ähnlich. Und obwohl junge Ingenieure schnell Projektverantwortung übernehmen, sagt er: „Wie ein guter Wein, der eine gewisse Zeit zur Reife braucht, benötigen auch Ingenieure in der Automobilindustrie eine mitunter Jahre dauernde Phase der Qualifizierung im Beruf, um nach allen Seiten gewappnet zu sein.“M. B./ws

Von B./Wolfgang Schmitz
Von B./Wolfgang Schmitz

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