Automobilbau 06.09.2002, 18:21 Uhr

Eine Branche stemmt sich gegen die Krise

Die insgesamt labile Wirtschaft bereitet der Automobilbranche Sorge. Niemand weiß, wann der Absatz im Inland wieder anzieht. Andererseits floriert der Export. Mit hochwertigen Produkten stemmen sich die deutschen Autobauer international erfolgreich gegen die Krise.

Verhaltener Optimismus bestimmt derzeit das Bild der deutschen Automobilindustrie. Die insgesamt labile Gesamtwirtschaft bereitet Sorge, niemand weiß, wann und wie viel Geld die Verbraucher zukünftig in den Autokauf investieren können. Mit neuen Fahrzeugen und Variationen bewährter Modelle wollen die Hersteller schneller auf die Bedürfnisse verschiedener Käufergruppen reagieren. Die weitere Optimierung der grundlegenden Fahrzeugtechnik, softwarebasierte Innovationen für die passive und aktive Fahrzeugsicherheit sowie mobile Kommunikations-, Navigations- und Fahrerinformationssysteme bleiben weiterhin spannende Aufgaben für Ingenieure. Aber auch echte Pionierleistungen sind gefragt, z. B.bei der Entwicklung der Brennstoffzellenautos.
„Die Automobilindustrie hat eine gute Zukunft. Da gibt es keinen Zweifel. Die deutsche Autoindustrie hat in der Krise Anfang der neunziger Jahre die Zeichen der Zeit erkannt und sich neu strukturiert sowie ihre Prozesse umgestaltet. Dadurch steht sie heute weltweit auf einem Spitzenplatz. Wir sind mit unseren hochwertigen und technologisch anspruchsvollen Produkten gut aufgestellt, wie man an den weiterhin sehr guten Exportzahlen sehen kann,“ erklärt Professor Gunter Zimmermeyer, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).
Kooperationen werden nach Einschätzung von Gunter Zimmermeyer zunehmen, sowohl zwischen Fahrzeugherstellern als auch zwischen Zulieferern. „Die Wertschöpfung in der Zuliefererindustrie liegt heute bei über 60 %, auch der F&E-Einsatz ist entsprechend hoch, die Innovationskraft noch größer“, erläutert Zimmermeyer. Besonders die dynamisch sich entwickelnden Zulieferer benötigen leistungsstarke und motivierte junge Ingenieure.
Keine Probleme, geeignetes Personal für sich zu gewinnen, hat die Robert Bosch GmbH – einer der weltweit führenden Anbieter von kraftfahrzeugtechnischen Erzeugnissen, die 70 % des Gesamtumsatzes ausmachen. Von den insgesamt 18 500 Ingenieuren dürfte die Mehrzahl mit der Technik für das Auto beschäftigt sein, im F&E-Bereich Seite an Seite mit Naturwissenschaftlern. „Wir leben von den Innovationen. Dies zeigen allein über 2000 Patente, die in den letzten zwei Jahren jeweils angemeldet wurden“, berichtet Heiner Boeker, Leiter Personalmarketing. Bis zum Jahresende will Bosch in Deutschland rund 1300 Ingenieure einstellen, gut die Hälfte ist allerdings bereits engagiert. Gefragt sind sowohl Generalisten für die Führungslaufbahn als auch Absolventen mit dem nötigen Tiefgang für die Forschungs- und Vorausentwicklungsbereiche.
Routinen sind im Automobilbau weit weniger stark ausgeprägt als in früheren Jahren, dafür sorgt allein die immer größere Dynamik der technischen Entwicklung. Für das Auto der Zukunft wird das Thema Mechatronik, das Zusammenspiel von mechanischen mit elektronischen Komponenten, immer wichtiger. Gearbeitet wird intensiv an der Integration und Kommunikation der verschiedenen im Fahrzeug enthaltenen Systeme. Bei den Werkstoffen ist der intelligente Leichtbau das Ziel. „Die Automobilindustrie befindet sich zudem in einer Entwicklung von der Hardware zur Software. In der Automobiltechnik ausgebildete Ingenieure mit zusätzlichen Informatikkenntnissen und Informatikspezialisten werden deshalb in Zukunft noch stärker gesucht sein“, erklärt BMW-Sprecherin Martina Wimmer. Gute Chancen bestünden zudem für Fertigungsexperten, die eine interkulturelle und sprachliche Qualifikation schon während ihres Studiums erworben haben. 2002 stellt die BMW-Group rund 160 IT-Spezialisten und ca. 800 Ingenieure ein, darunter Elektroingenieure, Mechatroniker, Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieure.
Wie auch andere Hersteller verfolgt die Adam Opel AG eine Dreifachstrategie, um Autos für das 21. Jahrhundert bauen zu können. Herkömmliche Motoren werden weiter optimiert, ein Gasantrieb wurde entwickelt, und es gibt das große Brennstoffzellenprojekt des Mutterkonzerns General Motors, in dem Opel in erster Linie für das sogenannte Packaging – die bestmögliche Integration aller Bestandteile des Systems in das Fahrzeug – zuständig ist. Während für die Weiterentwicklung der Brennstoffzelle vor allem Elektroingenieure, aber auch Verfahrensingenieure benötigt werden, bietet der allgemeine Maschinenbau immer noch den besten Ausbildungshintergrund für die Fertigungseinrichtungen, weil dort breites Wissen gefordert ist. In der Fahrzeugentwicklung trifft man dagegen eher auf Spezialisten, die sich bereits während des Studiums auf ihren späteren Einsatzbereich vorbereiteten. „Wenn jemand in die Motorenentwicklung gehen möchte, dann sollte er eben auch die entsprechende Vertiefungsrichtung studiert haben“, erläutert Walter Bleser, Leiter Zentrale Personalfunktion der Adam Opel AG.
Bis 2005 wird Ford 45 neue Modelle auf den europäischen Markt bringen. „Eine ausgesprochene Hiring Campaign für die Produktentwicklung läuft zwar zur Zeit nicht, aber allgemein suchen wir verstärkt Ingenieure mit den Abschlüssen E-Technik, Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik. Letztlich kommt es auch immer darauf an, ob wir eine Position haben, für die wir Hochschulabsolventen suchen oder eher Ingenieure mit Berufserfahrung“, berichtet Andreas Krüger, Recruitment Manager, Ford Werke AG.
Internationale, projektorientierte Teamarbeit mit den heutigen Kommunikationsmöglichkeiten wie Audio- oder Videokonferenzen bestimmt längst den Alltag der Ingenieure in der Automobilindustrie. Doch oft bleiben in den Projektteams die Männer noch weitgehend unter sich. Das soll sich endlich ändern: „Es ist doch ganz einfach: 50 Prozent unserer Kunden sind Frauen, die sich etwas andere Autos wünschen als Männer. Nach Möglichkeit sollten Frauen deshalb auch an der Fahrzeugentwicklung beteiligt sein. Denn wer könnte die Bedürfnisse der Frauen besser repräsentieren als die Frauen selbst“, konstatiert Ford-Sprecherin Astrid Wagner.
MANFRED BURAZEROVIC

Automobilproduktion im Überblick
Gutes Ergebnis dank Ausfuhrrekord
Nach Angaben des VDA sank die PKW-Produktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2002 im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2001 um 8 %, insgesamt liefen 2,57 Mio. Personenkraftwagen von den Bändern.
Die Neuzulassungen von PKW – knapp 1,7 Mio. – blieben von Januar bis Juni 2002 um 4 % hinter dem Ergebnis des entsprechenden Vorjahreszeitraumes zurück. Trotz des Rückgangs von 6 % im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 sorgte der Export angesichts des Ausfuhrrekords im Vorjahr für ein insgesamt beachtliches Ergebnis.
Das Nutzfahrzeuggeschäft bleibt jedoch weiterhin unbefriedigend – bis zur Jahresmitte 2002 wurde das Vorjahresergebnis um 14 % unterschritten, bei schweren Nutzfahrzeugen über 6 t um 13 %. MB

Von Manfred Burazerovic
Von Manfred Burazerovic

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