Automobil 26.02.2010, 19:45 Uhr

„Diesel-Hybrid ist konsequenteste Lösung für europäischen Markt“  

Die Weltpremiere des Diesel-Hybrids Peugeot 3008 HY4 in Genf ist Programm. PSA Peugeot/Citroën plant eine Öko-Offensive. Schon 2012 will der Konzern 1 Mio. Fahrzeuge mit CO2-Emissionen unter 120 g/km absetzen. In den nächsten 24 Monaten sollen reine Elektroautos, Mikro- und Vollhybride sowie ein neuer 3-Zylinder-Ottomotor die Palette sparsamer Pkw erweitern. Flaggschiffe der Offensive sind die zwei Diesel-Hybride Peugeot 3008 HY4 und Citroën DS 5. Ihr Hinterachsmodul mit integrierter Elektromaschine dürfte bald Einzug in weitere Modelle des Konzerns halten – und darüber hinaus. VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 2. 10, wop

Drei steil abwärts weisende Linien wirft Guillaume Faury, Entwicklungsvorstand des Autokonzerns PSA Peugeot Citroën, an die Wand. Das Diagramm zeigt die staatlich anvisierten CO2-Flottenziele für Neuwagen in der EU, in den USA und in China. Im Jahr 2020 treffen sich zwei der CO2-Emissionslinien bei 95 g/km. Die dritte mit 110 g/km, die der USA, liegt leicht darüber – die Amerikaner kommen von einem höheren Niveau.

Das Diagramm, das Faury anlässlich des PSA-Workshop „Green Cars Strategy“ Ende Januar in Berlin zeigte, treibt derzeit die gesamte Branche um.

PSA sieht sich selbst als führend im Umweltschutz und hat 1,22 Mio. Neufahrzeuge 2009 in Europa abgesetzt, die im EU-Fahrzyklus einen CO2-Ausstoß unter 140 g/km haben. Das ist zwar beachtlich, doch nur 281 000 dieser Pkw lagen auch unter 110 g CO2/km. Bei diesen Zahlen wird klar, welche Herausforderung 95 g CO2/km als Flottendurchschnitt aller zugelassenen Neuwagen mit sich bringt. Bis 2020 muss die Branche die Antriebstechnik revolutionieren.

Faury bringt die Aufgabe auf eine positive Formel: „Wir wollen ein sauberes Fahrzeug für jeden Kunden anbieten.“ 2009 habe man mit dem Peugeot 207 und den Citroën C3 und DS 3 drei neue Dieselmodelle auf den Markt gebracht, die weniger als 100 g CO2/km ausstoßen.

Mehr Modell mit Start-Stopp-Systemen

In den nächsten drei Jahren will PSA immer mehr Modelle mit Start-Stopp-Systemen und Bremskraftrückgewinnung ausrüsten. Von diesen „Mirkrohybriden“, die im Stadtzyklus bis zu 15 % weniger Kraftstoff verbrauchen, will man laut Faury mehr als 1 Mio. Stück bis 2013 verkaufen. Zudem will der Konzern mit den reinen Elektroautos Peugeot Ion und Citroën C-Zero ab Ende 2010 seine zuletzt wenig erfolgreiche Elektromobilitätsgeschichte fortschreiben.

PSA war schon früh aktiv mit Elektroautos. Doch mangels Nachfrage wurde der Verkauf von fünf Modellen mit reinem elektrischem Antrieb 2005 eingestellt. Nun sollen es Lithium-Ionen-Akkus, 130 km Reichweite und flotte max. 130 km/h sowie die gemeinsame Plattform mit dem iMiEV von Mitsubishi richten. „Bis 2020 wollen wir uns in Europa 20 % Marktanteil bei Elektro- und Hybridfahrzeugen erarbeiten“, so Faury.

Aufgrund der starken Konzentration auf den EU-Markt (in den USA und Japan ist PSA noch nicht vertreten) beschreitet der Konzern bei seinen Hybrid-Plänen eigene Wege. Mit dem zusätzlichen Elektroantrieb will er ohnehin sparsame Diesel auf Radikaldiät setzen.

Wenig Chancen für Benzin-Hybride in Europa

Vincent Basso, Leiter des PSA-Hybrid-Programms, sieht für Benzin-Hybride wenig Chancen in Europa. Denn gegenüber fortschrittlichen Dieselmotoren brächten sie trotz deutlich höherer Kosten kaum Verbrauchs- und damit CO2-Einsparungen. „Das ist bei Diesel-Hybriden anders“, so Basso, „sie sind die konsequenteste Lösung für den europäischen Markt.“ Den Nachweis will Basso mit seinem Team ab Frühjahr 2011 unter Marktbedingungen bringen. Dann sollen mit Peugeot 3008 HY 4 und Citroën DS 5 gleich zwei Marken des Konzerns mit dem Diesel-Hybrid auf den Markt kommen. Bei entsprechender Kundenresonanz dürften schnell weitere folgen.

Der Elektroantrieb des Diesel-Hybrids ist in einem Hinterachsmodul integriert, das mit zwei Modellplattformen des Konzerns kompatibel ist. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch die Dieselmodelle Peugeot 308, 407 und 5008 bzw. Citroën C4, C5 und C6 mit dem effizienten Schub im Heck angeboten werden.

Für die Entwicklung der modularen Diesel-Hybride hat PSA bereits 2008 eine strategische Partnerschaft mit Bosch geschlossen. Der Zulieferer liefert neben dem 30-kW-Elektromotor für das Hinterachsmodul den im Motorraum verbauten 8-kW-Hochspannungsgenerator, die Leistungselektronik mit Wechselrichter und DC/DC-Wandler sowie die Systemsteuerung.

Das Hinterachspaket ergänzt in den beiden SUV-ähnlichen Cross-Over-Modellen 3008 HY 4 und DS 5 jeweils ein 2,0-l-Turbodiesel (125 kW) mit Common-Rail-Direkteinspritzung (HDi). Bei sanfter Beschleunigung oder auf Knopfdruck des Fahrers sind die Hybride laut Basso für 3,5 km bis 5 km rein elektrisches Fahren gut. Die geringe elektrische Reichweite ist dem Einsatz günstiger, bewährter Nickel-Metall-Hydrid(NiMH)-Akkus geschuldet.

Weil die Elektromaschine den Dieselantrieb bis Tempo 120 km/h unterstützt und bei Beschleunigungen bis 195 Nm zusätzliches Drehmoment beisteuert, sinkt der Normzyklusverbrauch im Schnitt auf 3,8 l/100 km. Damit liegen laut Basso beide Modelle bei in diesem Fahrzeugsegment bisher unerreichten 99 g CO2/km. Und das trotz der Systemleistung von 147 kW, dem max. Drehmoment von 500 Nm und den sportlichen 8,8 s Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h.

Peugeot und Citroën: Elektrische Hinterachse

Die elektrische Hinterachse machen Peugeot 3008 HY 4 und Citroën DS 5 nicht nur zu Allradmodellen, sondern der elektronisch geregelte Schub aus dem Heck überbrückt auch das turbodieseltypische Kopfnicken (Zugkraftunterbrechung) beim Schalten.

„Der Elektromotor ist durch die zentrale Steuerungseinheit voll synchronisiert“, erklärte Basso. Je nach Gasfuß des Fahrers regele die Steuerung, welcher Antrieb welchen Anteil zur Beschleunigung übernimmt und wann E-Maschine und Hochvolt-Generator Strom generieren.

Während die PSA-Entwickler ihre Diesel-Hybridstrategie und die Ausführung recht ausführlich erklären – u. a. sollen beide Modelle schon 2012 als Plug-in-Hybride mit Lithium-Ionen-Batterien in Serie gehen und dann unter 50 g CO2/km im Testzyklus erreichen -, bleiben sie bei einer anderen Neuentwicklung vorerst wortkarg.

PSA will schon 2011 einen Dreizylinder-Ottomotor in den Markt bringen, der den CO2-Ausstoß auch bei Benzinern unter 100 g/km senken soll. Den Ausführungen Faurys war zu entnehmen, dass die hochaufgeladene Versionen mit 1,0 l und 1,2 l Hubraum und variabler Ventilsteuerung geplant sind – mehr aber auch nicht.

P. TRECHOW/W. PESTER

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

  • Wolfgang Pester

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