Automobilbau 14.07.2006, 19:22 Uhr

„Die Oberklasse ist für uns durchaus ein Thema“  

VDI nachrichten, Rüsselsheim, 14. 7. 06, mav – Nach der Rückkehr in die schwarzen Zahlen glaubt Hans Demant, Chef von Opel Deutschland, an die nachhaltige Ertragswende. Mit mehr Qualität und neuen Modellen sollen die Marke und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte gefestigt werden. Was auf Kunden und Mitarbeiter zukommt, erklärt Demant im Interview.

Demant: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns an dieser Diskussion nicht beteiligen. Das ist Sache der Unternehmensführung in Detroit.

VDI nachrichten: Wegen der geplanten Schließung des Werkes in Portugal ist es hierzulande in den letzten Wochen zu Streiks gekommen. Wie wird sich das auf das Ergebnis von Opel 2006 auswirken?

Demant: Die Arbeitnehmervertreter haben in den Werken zu so genannten Informationsveranstaltungen aufgerufen, bei denen es zu einigen kurzfristigen Unterbrechungen kam. Mittlerweile sind wir wieder in Gesprächen und es gibt keine Gewerkschaftsaktionen mehr. Wir werden das kompensieren können.

VDI nachrichten: Laut „Zukunftsvertrag“ sollen bis 2010 keine Opel-Produktionsstätten in Deutschland geschlossen und keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden. Bleibt“s dabei?

Demant: Der Zukunftsvertrag gilt. Darüber hinaus gilt die Abmachung, dass alle Werke beständig effizienter werden müssen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Und gerade Bochum hat hier in der jüngsten Vergangenheit große Fortschritte erzielt.

VDI nachrichten: Opel hat seit den 90er-Jahren bei Zulassungen und Marktanteilen in Deutschland deutlich verloren. Es wurden rote Zahlen geschrieben. Wie stellte sich 2005 dar?

Demant: Der Markt hat sich seit den 90ern stark verändert, viele Anbieter sind hinzugekommen. Aber Opel hat sich als Nummer zwei im deutschen Markt wieder stabilisiert. Nach dem klaren Aufwärtstrend in 2005 hoffen wir, in diesem Jahr mit GM Europe erneut schwarze Zahlen zu schreiben.

VDI nachrichten: Kann man von einer Wende in der Ergebnisentwicklung sprechen, die sich auch fortsetzen wird?

Demant: Weil wir keine Abstriche bei unserer Modelloffensive machen und in Zukunft eine noch breitere und attraktivere Produktpalette haben werden, schaue ich optimistisch in die Zukunft.

VDI nachrichten: Was hat Opel an Neuem in der Pipeline, und wann kommen die Wagen auf den Markt?

Demant: Opel ist gerade in einer der größten Modelloffensiven der Unternehmensgeschichte. Nach der Markteinführung des Astra Twin Top folgt der neue Corsa, den wir im August in Dresden der internationalen Presse vorstellen. Zum Jahresende präsentieren wir unseren sportlichen Geländewagen Antara, und dann freuen wir uns schon auf die Premiere des GT-Roadsters.

VDI nachrichten: Opel brillierte einst mit namhaften Wagen der Oberklasse. Ist diese Zeit endgültig vorbei?

Demant: Die Oberklasse ist für uns durchaus ein Thema. Aber mittlerweile haben sich Markt und Käuferansprüche so stark gewandelt, dass sich ein Unternehmen schon mehr einfallen lassen muss als einfach nur noch eine weitere große Limousine. Neue Konzepte sind gefragt und unsere Ingenieure sind sehr kreativ. Aber es gibt noch keine Entscheidung.

VDI nachrichten: Aber heute, da die Kaufkraft insbesondere der unteren bis mittleren Einkommensschichten enger begrenzt ist und die asiatischen Autobauer auf den deutschen Markt drängen, ist es da die richtige Strategie, nur auf den Bau kleinerer Wagen zu setzen?

Demant: Opel war schon immer eine Marke, die eine sehr breite Angebotspalette abdeckt. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Für uns geht es darum, uns mit Design, Flexibilität und Innovationen vom Wettbewerb zu differenzieren. Nehmen sie zum Beispiel den neuen Corsa. Der hat am Heck einen herausziehbaren Träger, auf dem sich bequem zwei Fahrräder transportieren lassen. Vielleicht nur eine pfiffige Kleinigkeit – aber auch so etwas macht, gerade in dieser Klasse, den Unterschied zum Wettbewerb aus.

VDI nachrichten: Wie selbstständig ist Opel in seiner Produktpolitik für Europa und Deutschland?

Demant: Wir entscheiden gemeinsam mit den europäischen Märkten. Und weil unser Entwicklungszentrum in Rüsselsheim bei Kompakt- und Mittelklasse weltweite Verantwortung trägt, ist die Abstimmung noch internationaler geworden.

VDI nachrichten: In welchem Rahmen betreibt Opel in Deutschland eigene Forschung und Entwicklung und hat dieser Zweig – mit den jüngsten Modell-Erfolgen – Aussichten, ausgebaut zu werden?

Demant: Forschung und Entwicklung spielen sich im weltweiten Verbund der Technikzentren von General Motors ab. Wobei die großen Zukunftsprojekte wie etwa Wasserstoffantrieb gemeinsam laufen. Die Entscheidung von GM, uns weltweite Entwicklungsverantwortung zu geben, zeigt deutlich, wie hoch die Wertschätzung für unser europäisches Engineering ist.

VDI nachrichten: Es hat den Anschein, dass die Opel-Mutter GM ein gewichtiges Wort mitredet und die Produktpolitik eher im Gesamtkonzern abgestimmt ist, wobei die Marke Chevrolet wohl auch in Europa in eine führende Rolle gebracht werden soll?

Demant: Die Frage, wie die einzelnen Marken positioniert werden, wird selbstverständlich gemeinsam im Konzern entschieden und abgestimmt. Und ich denke, wir haben hier eine sehr klare Ausrichtung mit Chevrolet als Einstiegsmarke, Opel als dynamische Volumenmarke und Saab und Cadillac im Premiumbereich. An dieser Struktur wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern, niemand spricht von einer Führungsrolle für Chevrolet. Nur in Ländern Osteuropas, wo die Fahrzeuge vor allem über den Preis positioniert werden, könnte Chevrolet eine herausgehobene Rolle spielen. Aber das ist letztlich auch eine Entscheidung des Kunden.

VDI nachrichten: GM produziert bereits in Osteuropa und baut und kauft derzeit weitere Werke in Russland und Polen. Vollzieht sich in Europa eine Verlagerung der GM-Aktivitäten von West nach Ost?

Demant: Wer heute in neuen Märkten, sei es China oder Russland, Erfolg haben will, muss vor Ort produzieren und ein auch preislich konkurrenzfähiges Angebot machen können. GM will beispielsweise in St. Petersburg eine Chevrolet-Produktionsstätte einrichten. Das ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, um in diesem Markt vertreten zu sein. So etwas sollte man losgelöst von unseren Bemühungen um mehr Effizienz in westeuropäischen Opel-Werken betrachten.

Zudem sehe ich nicht, was schlecht daran sein sollte, wenn wir Fahrzeuge, die bisher in Korea produziert wurden, jetzt in Europa herstellen.

VDI nachrichten: Fünf europäische Werke bewerben sich um die Produktion des Astra-Nachfolgers ab 2009. Drei werden benötigt. Welche Chancen hat Bochum?

Demant: Sie sprechen hier über Dinge, die noch völlig offen sind. Wie auch immer: Bochum hat sich durch die Umsetzung des Restrukturierungsprogramms fit gemacht und ist im europäischen Rahmen konkurrenzfähig. Deshalb haben sich die Chancen deutlich verbessert.

VDI nachrichten: Wie sieht die längerfristige Strategie für die Marke Opel aus? Was wird sich ändern?

Demant: Für die Marke: Das hohe Qualitätsniveau noch weiter ausbauen, die Produktpalette noch breiter und attraktiver machen. Und unsere Werke müssen so fit werden, dass sie auch in Zukunft am Standort Deutschland noch wettbewerbsfähig Autos bauen können. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. DIETER HEUMANN

Ein Beitrag von:

  • Dieter Heumann

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