Emissionen durch Verkehr 31.05.2017, 15:27 Uhr

Deutschland plant Endrohrmessungen für alle Autos ab 2019

Nachdem immer mehr Fahrzeugtypen öffentlich in die Kritik geraten, möchte das Verkehrsministerium Abgasmessungen am Endrohr für alle Autos vorschreiben – nur wann?

Abgas-Messungen am Endrohr sollen für alle Autos verpflichtend werden.

Abgas-Messungen am Endrohr sollen für alle Autos verpflichtend werden.

Foto: ADAC

Diesel-Fahrer können aufatmen. Galten sie noch vor einigen Wochen als die Sündenböcke der deutschen Verkehrslandschaft, als die großen Verpester auf Deutschlands Straßen und mussten weiträumige Fahrverbote in Innenstädten fürchten, rücken nun andere in den Fokus: Benziner mit Direkteinspritzung emittieren nach aktuellen Studien deutlich mehr Schadstoffe als neuere Dieselfahrzeuge – zumal mit Partikelfilter. Zu diesem Ergebnis kamen Schweizer Forscher der ETH Zürich ebenso wie der ADAC.

Alle Benziner, ob mit oder ohne Direkteinspritzung, sprengen die Grenzwerte

Die Bundesregierung hat das in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unkommentiert zur Kenntnis genommen. Dabei ist die Sachlage nur schwer zu ignorieren. Der ADAC kam in seinem EcoTest Anfang des Jahres zu dem Ergebnis, dass die Partikelemissionen von Benzinern mit Direkteinspritzung durchschnittlich um das 4,6-Fache über dem Grenzwert liegen. Gravierend sind auch die Überschreitungen bei normalen Benzinern, also bei Verbrennern ohne Direkteinspritzung.

An der Schweizer Forschungsanstalt Empa waren die Ergebnisse noch besorgniserregender. „Jeder der getesteten Benziner stieß zehn- bis 100-mal mehr feine Rußpartikel aus, als der zum Vergleich gemessene Diesel-Peugeot mit Partikelfilter“, so Forschungsleiter Norbert Heeb. Außerdem fanden die Forscher krebserregende Substanzen in nennenswerten Mengen (wir berichteten).

Bisher störte das aber offiziell kaum jemanden. Zum einen, weil im Jahr 2015 rund „80% der gesamten Pkw-bedingten Partikelemissionen auf Diesel-Pkw (entfielen) und rund 20% auf Benzin-Pkw“, wie aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht. Zum anderen unterliegen Benzinautos nicht den Grenzwerten, die Diesel-Pkw schon einhalten müssen. Ab September 2017 wird sich das aber ändern: Dann gelten die strengeren Richtwerte zunächst für neue Fahrzeugtypen mit Direkteinspritzung und ein Jahr darauf für alle Neufahrzeuge dieses Typs. Nicht jedoch für Benziner ohne Direkteinspritzung.

Verkehrsministerium plant Abänderung der Abgasuntersuchung für alle Autos

Nun kommt Bewegung in die Politik. Man habe sich schon vor einigen Jahren in den europäischen Verhandlungen zu EU-Abgasvorschriften für Pkw für strengere Vorschriften eingesetzt, insbesondere in Hinblick auf die „weitere Verminderung der Partikelemissionen aus Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung“, so die Bundesregierung in dem aktuellen Schreiben. Darüber hinaus arbeite das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aber gerade daran, die Abgasuntersuchung (AU) abzuändern. Ziel sei „die Einführung einer generellen Endrohrmessung für alle Fahrzeuge“.

Bisher werden Abgasuntersuchungen vor allem über die On-Board-Diagnose (OBD) vorgenommen. Das Verkehrsministerium möchte aber zusätzlich bei jeder Hauptuntersuchung auch die Abgase direkt am Endrohr messen lassen. Welche Ergebnisse dabei herauskommen könnten, haben die Tests aus der Schweiz und des ADAC gezeigt.

Einführung der neuen Messmethode vermutlich erst 2019

Wann diese Neuerung kommt, ist noch unklar. Theoretisch könnte die Wiedereinführung der Endrohrmessungen für alle Fahrzeuge bereits zum 1. Juli 2017 starten. Die Anhörung der Länder und Verbände zu einem entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung der AU ist mittlerweile abgeschlossen. Allerdings ist darin eine Endrohrmessung ausschließlich für Diesel-Pkw und auch erst ab dem Jahr 2019 vorgesehen. Die Bundesregierung wird wohl an diesem späteren Zeitpunkt festhalten. Dennoch haben einige Hersteller bereits angekündigt, künftig Partikelfilter in Benziner mit Direkteinspritzung einbauen zu wollen. 

Von Lisa Schneider

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