Design 07.09.2007, 19:30 Uhr

Design entscheidet den Autokauf  

VDI nachrichten, Hannover, 7. 9. 07, Fr – Mit visionären Ansätzen bereiten sich die Autohersteller auf die Zukunft vor. Dem Design wird dabei die entscheidende Rolle zufallen, um den verschiedenen Käufergruppen Anreize zu bieten und gleichzeitig die jeweilige Marke erkennbar zu machen.

Hightech bis unter die Haube und Orakeln beim Design? Das scheint im Autobau nicht mehr akzeptabel. Wozu gibt es bildgebende Verfahren, die zumindest versprechen, den unbekannten Käufer transparent zu machen? Also ließen Autobauer schon vor Jahren mit funktioneller Magnetresonanz-Tomographie die Reaktion von Probanden auf unterschiedliche Modelle testen. Und prompt aktivierten Sportwagen die Lustzentren der Probanden-Hirne. Dieser Befund jedoch liegt noch weit entfernt von einem Durchbruch zur wissenschaftlich objektiven Messung von Kundenpräferenzen. Denn noch verbirgt sich die komplexe Ursache der neuronalen Aktivität in den unendlichen Verästelungen des Gehirns. Vielleicht für immer. Jedenfalls ist nicht absehbar, ob Neurowissenschaftler jemals das Design der Autos skizzieren können.

Dennoch: Ohne Forschung läuft schon heute nichts im Automobil-Design. Psychologen, Soziologen, Markt- und Zukunftsforscher ergründen Formen, die sich über mehrere Jahre effektiv vermarkten lassen. Bei Mercedes dauern Design-Zyklen rund sieben Jahre, „eine Distanz, die sich bewährt hat“, wie Norbert Giesen, Globale Kommunikation Mercedes, sagt. „Bei manchen Modellreihen wie etwa dem SL dauert der Zyklus länger.“ In dieser Zeit muss das Design als Alter Ego künftiger Käufer wirken. Denn kaum ein anderes Produkt wird so eng mit der Persönlichkeit des Besitzers assoziiert und kaum ein anderes ist so identitäts-stiftend wie das Auto. So können Designer aus einem Mini das Understatement alerter Intellektueller formen oder aus einem Porsche die rasant dynamische Identität der nicht mehr ganz so flinken Generation.

Was aber werden Käufer in Zukunft wünschen? Werden sie, wie Trendforscher Matthias Horx in einem Hochglanzprospekt für den VW Lupo prognostizierte, einen „Ich-Raum“ oder „Wellness auf Rädern“ suchen? Ein Vehikel, das zu den Bürgern der „Wissensgesellschaft“ passt und die wachsenden Bedürfnisse nach Mobilität, Zeit, Bildung, Eleganz befriedigt? Etwas konkreter prophezeien Marktforscher, dass es bunter wird auf den Straßen, dass Hersteller mehr Farbe wagen – und noch mehr Emotion.

Diese Zukunft zeichneten auch jene 20 Nachwuchsdesigner vor, die bei einem Honda-Projekt mitmachten: Die Studierenden des Fachbereichs für Transportation Design der Fachhochschule Pforzheim sollten zukunftsträchtige Fahrzeuge für die Formel 1-Piloten Barrichello und Button entwerfen, indem sie Persönlichkeit und Psyche der beiden Fahrer, deren Beziehungen und Gefühlswelt einbeziehen. Denn Autos sollen in Symbiose mit ihren Haltern „leben“ und „bindungsfähig“ sein, ein Gesicht, einen Körper, einen Charakter haben, in einer bestimmten Weise riechen, dröhnen, den Besitzer anschauen und ihm Behagen bieten. „Vor allem müssen sie ein Gesicht haben, da wir die Welt auch über Gesichter wahrnehmen“, wie Murat Günak, bis Januar 2007 VW-Chefdesigner, betonte. „Personalized companion“ nennt Horx das, einen Kumpel, der zu dir sagt: „Nimm mich, ich möchte bei dir bleiben.“

Hier, bei der emotionalen Bindung zwischen Mensch und Maschine, endet die Vernunft der Forscher und die Magie des Designs beginnt. Diese Kunst besteht künftig mehr denn je darin, die mobile Technologie an die Individualität oder, wie Horx es nennt, an „die Eigenheiten der humanen Psyche“ anzupassen. Das wird auch Verkaufsstrategien ändern, beispielsweise Nischenmodelle pushen: Technisch identische Modelle werden in unterschiedlichen Stilen angeboten und damit die Illusion von Individualität oder kultureller Eigenheit in einer anonymisierten Welt verströmen. In diesem Spagat zwischen Globalisierung und Geborgenheit üben sich die Autobauer längst. Mercedes beispielsweise unterhält Design-Studios in Sindelfingen, Yokohama, Como und Kalifornien, wo „Autos für die Welt“, aber, wie Giesen betont, „kein Allerweltsauto“ entwickelt werden. Keine Kultur soll sich „dominant“ zeigen und kein modischer Trend jemals die „Mercedes-“Gene“ Eleganz, Dynamik und Wertigkeit“ mutieren.

Letztlich scheint das Autodesign seinen Traditionen also treu zu bleiben, auch wenn Zukunftsforscher den Geist der Branche schon heute für das Jahr 2022 weiten wollen. Kritiker werfen den Stylisten denn auch zu viel Kleinmut und zu wenige innovative Entwürfe vor. Giesen allerdings erwartet mit den neuen Technologien auch eine neue Ära des Designs. „Die Brennstoffzelle beispielsweise bietet aufgrund ihrer möglichen Trennung, etwa durch Radnabenmotoren und Verteilung der übrigen Aggregate, andere Package-Voraussetzungen und eröffnet damit neue Freiheitsgrade für Designer.“ Noch werde diese Freiheit von den Herstellern nicht ausgeschöpft. Kurz: Am Brennstoffzellenauto hafte zu viel alternativer Touch. Giesen: „Moderne Technik muss auch modern verpackt werden, um sie attraktiv zu machen.“

Mehr Mut zu Originalität ist ohnehin ein Gebot der Stunde. Denn Marktforscher stellten fest, dass seit einigen Jahren das Design zum primären Kriterium beim Autokauf aufrückte, noch vor Zuverlässigkeit, Preis oder Sicherheit. Das wird auch als wachsendes Bedürfnis nach Selbstdefinition in den Objekten gewertet. Im ewig ähnlichen Design aber verödet jenes Besondere, in dem sich das Individuum spiegeln und definieren kann. RUTH KUNTZ-BRUNNER

Ein Beitrag von:

  • Ruth Kuntz-Brunner

    Ruth Kuntz-Brunner ist Karriereautorin und schreibt über die Schwerpunkte Arbeitsleben und Arbeitssicherheit.

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