Automobil 01.06.2007, 19:28 Uhr

Der sechste Sinn fürs Auto  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 6. 07, rb – Bis 2010 will die EU die Unfallzahl halbieren. Spontane Netzwerke auf Rädern sollen mehr Sicherheit unterwegs bieten, die Navigation optimieren und Staus vermeiden helfen. An den Standards wird noch gearbeitet. Das bestätigte sich auch auf dem Car 2 Car-Forum Anfang letzter Woche.

Alles hätte schlimmer kommen können. Auf einer unübersichtlichen Landstraße im Wald kommt der Fahrer eines Smart gerade noch vor dem Hindernis zum Stehen. Ein defekter Kleinbus ragt in einer Kurve in die Fahrbahn. Im Mercedes, der dem Smart zwei Kurven weiter folgt, drückt Sekundenbruchteile später das Gaspedal gegen den Fuß des Fahrers, ein Summton warnt und ein Pannensymbol erscheint transparent auf der Windschutzscheibe. Langsam nähert sich der Daimler dem Pannenfahrzeug. Der Smart hat ihn vorgewarnt, ein Unfall wurde vermieden.

„Ein gut informierter Fahrer ist ein sicherer Fahrer“, so Rudolf Mietzner, General Manager des Car2Car Communication Consortium (C2C CC). Diese Vereinigung europäischer Autohersteller will eine Sicherheitstechnik populär machen, die über spontane WLAN-Funkverbindung Informationen transportiert.

Vorerst kommunizieren die Versuchsfahrzeuge nur begrenzt, doch das soll sich ändern. Europäische, aber auch amerikanische und japanische Automobilhersteller tasten sich in zahlreichen Projekten an ein Netzwerk auf Rädern heran und arbeiten an einer Menge Standards und Datenprotokollen, wie Referenten des 1. Car 2 Car-Forums Anfang letzter Woche bei Audi in Ingolstadt demonstrierten.

Die Teilnehmerliste liest sich wie das Who“s who der Auto- und Zuliefererindustrie, aber auch der Unterhaltungselektronikfirmen. „Autonet“ wirft Ralf Becker vom europäischen Forschungszentrum von Panasonic als denkbares Stichwort in die Runde.

Die Idee von den vernetzten Autos ist keine Träumerei. „Seit dem Projekt Fleetnet 2001 wissen wir, dass es geht“, sagt Mietzner. Doch der europaweit funktionierende Dienst, der Autos ad hoc miteinander verbindet, ihre Sensordaten auswertet, mit ortsbezogenen Informationen verknüpft und gezielt weitergibt, ist hochkomplex. Informationen wie das Ansprechen des ABS, Lenkwinkel, Position, Richtung und Geschwindigkeit muss jedes Fahrzeug verstehen und interpretieren können.

Das Ziel ist klar: Wenn die Sichtweite des Fahrers mit elektronischen Mitteln verlängert wird, kann er früher reagieren. Die Unfall- und Staugefahr sinkt. Deshalb müssen die Daten der Fahrer- assistenzsysteme wie das Antiblockiersystem ABS, das elektronische Stabilitätsprogramm ESP und die Antriebsschlupfregelung standardisiert ausgewertet werden. Kombiniert man diese Daten mit der Standortmeldung aus dem Navigationssystem und sendet sie an Fahrzeuge im Umkreis von etwa 300 m, können diese reagieren.

Das System signalisiert Notbremsungen, Eis und Aquaplaning. Es hilft beim Spurwechsel und Einfädeln, leuchtet den toten Winkel aus, gibt bekannt, von wo sich Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht nähern, warnt vor Baustellen und Unfällen.

Der Weg dahin ist noch weit. „Wir bewegen uns evolutionär auf das Ziel zu“, sagt Karl-Oskar Proskawetz, Administrator des Car2Car-Konsortiums und Chef der Mobilitätssparte beim Gesamtzentrum für Verkehr Braunschweig. 2008 sollen die Testfahrzeuge verschiedener Hersteller miteinander funken können, die Frequenzen werden noch in diesem Jahr festgelegt.

Sind die Standards klar, wären binnen zwei Jahren über die Neufahrzeugquote 10 % der Autos mit der Mindestmenge von C2C-Systemen versorgt, rechnet Proskawetz vor. Das setzt aber eine preisgünstige und überzeugende Lösung voraus, die vor allem in der Startphase attraktiv ist. „Diese Technologie kann nicht top-down eingeführt werden“, so Roman Schindlmaister, Leiter Vorentwicklung bei Audi. Und ohne kritische Masse kann das System nicht funktionieren. Filme, Musik und regionale Verkehrsinformationen an der Tankstelle herunterzuladen, könnte deshalb als Katalysator dienen.

Bis dahin sind neben rein technischen noch grundsätzliche Fragen zu lösen: Wie kommt die Information zum Fahrer, ohne ihn abzulenken? „Im Prinzip muss jedes Auto ähnlich ausgestattet sein, damit jeder gleich zurechtkommt“, meint Konsortiumschef Mietzner. Und setzt hinzu: „Wir haben viel Arbeit vor uns. Aber wir werden sie schaffen.“ FRIEDHELM WEIDELICH

  • Friedhelm Weidelich

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