Automobilbau 03.04.2009, 19:40 Uhr

Der Konkurs von GM ist nicht mehr auszuschließen  

Für Opel heißt es weiter warten. Opel-Mutter GM hat noch einmal zwei Monate Zeit bekommen, einen Rettungsplan vorzulegen – der kann möglicherweise auch in einer Insolvenz enden. Parallel dazu wird für Opel nach einem privaten Investor gesucht. VDI nachrichten, Rüsselsheim, 3. 4. 09, moc

Mut gemacht hat sie, viel versprochen hat sie nicht: Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag dieser Woche bei Opel in Rüsselsheim war, machte sie noch einmal klar, dass sie eine staatliche Beteiligung an Opel ablehne und vor allem auf einen privaten Investor setze. Dem aber würde der Staat mit Bürgschaften helfen.

Nur einen Tag zuvor – der Wahlkampf macht sich auch beim Thema Opel bemerkbar – hatte SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Vorschlag gemacht, der Staat solle sich an Opel beteiligen.

Trotz aller Versprechen auf deutscher Seite – die Zukunft von Opel wird vor allem davon abhängen, wie es mit der Entwicklung bei General Motors (GM) weitergeht.

In den Anfang dieser Woche veröffentlichen Einschätzungen der Auto Task Force von US-Präsident Barack Obama kommt Opel jedenfalls erst einmal nicht vor.

Nachdem die Rettungspläne von Chrysler und GM von der US-Regierung als nicht hinreichend abgetan wurden und GM-Chef Rick Wagoner den Hut nehmen musste, hat GM jetzt 60, Chrysler 30 Tage Zeit, neue Vorschläge auf den Tisch zu legen.

Dabei wird nach Ansicht von US-Analysten deutlich, dass die US-Regierung mehr Wert auf ein langfristiges Überleben von GM zu legen scheint als auf das von Chrysler.

Ein wesentlicher Grund: Die US- Regierung scheint Chrysler allein für nicht überlebensfähig zu halten. Deshalb bindet sie ihre Zusage für weiteres Geld daran, dass eine enge Kooperation von Chrysler mit Fiat zustande kommt. Fiat wollte ursprünglich 35 % an Chrysler, soll sich jetzt aber mit 20 % zufriedengeben. Kommt diese Zusammenarbeit zustande, sollen noch einmal 6 Mrd. Dollar fließen – mehr nicht.

Im Falle GM scheint sich in den USA die Ansicht durchzusetzen, GM in den Konkurs (Chapter 11)gehen zu lassen. Aus der Konkursmasse könne dann ein „gutes“ überlebensfähiges GM entstehen. Der Rest komme dann in ein „schlechtes“ GM und werde abgewickelt.

Auf diesem Weg könnte GM leichter neue Vereinbarungen mit den Gewerkschaften zum Thema Gehälter und Arbeitsplatzabbau schließen. Gleichzeitig gingen die Milliardenlasten durch Pensionen und medizinische Versorgungszahlungen an ehemalige Mitarbeiter in das „schlechte“ GM über.

Der neue GM-Chef Frederick Henderson soll von Obamas Auto Task Force nicht zuletzt deshalb eingesetzt worden sein, weil er das Unternehmen auch durch einen möglichen Konkurs steuern will – was sein Vorgänger immer ablehnte.

Für den Fall der Insolvenz hat die US-Regierung bereits die Übernahme von Garantieleistungen zugesagt. Diese sollen dann nach der Restrukturierung an das Unternehmen zurückfallen.

Ein geordnetes Insolvenzverfahren nach Chapter 11 schafft aber auch für Opel „nicht zwingend mehr Klarheit“, so Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach: „Die Frage auch in einem Chapter-11-Verfahren ist doch: Will GM Opel weiter behalten und wenn ja, in welchem Umfang? Und wie ? Mit Partnern?“

Völlig offen sei zudem die Frage der Patente. Die könne GM einerseits kaum ohne Weiteres auf Opel übertragen, solange GM vom Staat Geld erhalte, Opel könne andererseits ohne die Patente kaum existieren.

GM und Chrysler haben bisher 17,4 Mrd. Dollar an Hilfen bekommen, und um weitere 22 Mrd. Dollar nachgesucht – 16,6 Mrd. Dollar für GM, gut 5 Mrd. Dollar für Chrysler.

Ganz entscheidend für die zu erwartende Wirtschaftlichkeit von GM und Chrysler ist die Entwicklung des Automarktes in den kommenden Jahren. Diese Projektionen seien in den GM- und Chrysler-Planungen zu optimistisch gewesen, so das WallStreet Journal – ein Grund auch für die Ablehnung dieser Pläne durch Obamas Auto Task Force.

Nach Schätzungen des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA) sollen in den USA in diesem Jahr nur 10 Mio. Fahrzeuge verkauft werden, ein Rückgang gegenüber 2007 um gut 40 %.

Der kanadische Auto-Analyst Dennis Des Rosiers hat jüngst nachgerechnet, dass auf 100 Personen im Führerschein-Alter in den USA 101 zugelassene Autos kämen, in Kanada nur 74. Sollte sich das Kaufverhalten der Amerikaner angesichts teurer Kredite dem kanadischen anpassen, dann würden in den kommenden zehn Jahren nur durchschnittlich 9,4 Mio. Automobile pro Jahr verkauft, „ein Alptraum-Szenario“, so Des Rosier.

Ein Ziel hat diese von Obamas Auto Task Force mit massivem Druck angeschobene Restrukturierung der US-Autobranche aber ganz sicher nicht: sie dem Boden gleichzumachen. „Wir können, wir wollen und wir werden unsere Autoindustrie nicht verschwinden lassen“, so Präsident Obama. Aber es wird eine andere sein, als sie heute ist. W. MOCK

Von W. Mock
Von W. Mock

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