INSIGHT - Eberspächer 13.02.2009, 19:39 Uhr

„Das Wichtigste ist jetzt, das Team zusammenzuhalten“  

Im März geht der Automobilzulieferer Eberspächer, der mit 5500 Mitarbeitern Abgassysteme, Standheizungen und Fahrzeugelektronik produziert, in seinem Esslinger Stammwerk in Kurzarbeit. Doch Leonhard Vilser, Geschäftsführer für den Bereich Fahrzeugheizungen, ist optimistisch, dass der Technologieführer gestärkt aus der Krise hervorgeht. In Nordamerika könne der Betrieb künftig sogar zulegen, weil die schwäbischen Standheizungen verbrauchsarme Alternativen für die Trucker sind. VDI Nachrichten, Düsseldorf, 13. 2. 09, PS

VILSER: 2008 haben wir gut 600 000 Standheizungen produziert. Dieses Jahr wollen wir 500 000 verkaufen. Ob wir das schaffen, kann im Moment niemand sagen. Wir fahren aktuell auf Sicht, kalkulieren wöchentlich neu und passen uns dann an bzgl. Arbeitszeiten, Komponenteneinkauf etc. Die Disposition ist deshalb unproblematisch, weil wir verschiedene Typen auf verschiedenen Bändern fahren und hier die Varianten schon länger je nach individueller Bestellung produziert werden.

Damit ist auch gesichert, dass Sie kein Kapital in größeren Lagerbeständen binden.

Exakt. Das Wichtigste ist jetzt, das Team zusammenzuhalten. Zum Glück ziehen Mitarbeiter und Betriebsrat mit, die lesen ja schließlich auch Zeitung und wissen, was los ist. Bis März werden unsere Zeitarbeitskonten in Esslingen dann abgebaut und soweit ins Minus gefahren sein, dass wir in Kurzarbeit gehen. Für wie lange, ist schwer zu schätzen, wir stellen uns aber auf ein halbes Jahr ein.

Drücken die Hersteller Sie in dieser Situation zusätzlich?

Die Atmosphäre ist eher kooperativ, weil jeder weiß, dass der andere aktuell Probleme hat, und gemeinsam will man halbwegs unbeschadet durch die Talsohle kommen. Im Übrigen regeln Verträge die Details, denn übergroßes Entgegenkommen gibt es auf keiner Seite.

Die Hersteller wissen aber auch, dass sie Sie auf Dauer brauchen, schließlich teilen Sie sich mit einem Wettbewerber in München den Weltmarkt…

Nicht ganz. Es gibt schon auch noch lokale Anbieter in China, Russland oder Korea, aber das sind keine nennenswerten Stückzahlen. Und in Sachen Qualität, Zuverlässigkeit und Technik sind wir sicher unbestritten der Marktführer, auch wenn wir genauso auf den Preis schauen müssen. Sonst könnten wir nicht so erfolgreich sein.

Das sagt Ihr Mitbewerber über sich selbst sicher auch.

Nein, der reklamiert ganz klar die Kostenführerschaft für sich. Und der VDI-Innovationspreis 2008, der übrigens intern eine enorm positive Wirkung auf den Teamgeist hatte, belegt unsere Position ja auch. Diese Auszeichnung erhielten wir für die Effizienz unserer Technologie, mit der wir sogar auf dem schwierigen US-Markt punkten können, wo wir vermutlich trotz Flaute noch zulegen werden. Denn während ein Truck im Leerlauf rund vier Liter Treibstoff pro Stunde verbraucht, nur um in der Nacht die Fahrerkabine zu beheizen, braucht unsere Standheizung 0,3 l – und der Motor bleibt aus. Damit refinanzieren viele Trucker die Investition in eine Standheizung innerhalb eines Winters und reduzieren dabei noch die Emissionen enorm.

Wo liegen weitere Optimierungspotenziale?

Beim Wirkungsgrad. Der liegt bei unserer Standheizung bei über 80 %. Zum Vergleich: Bei Niedrigenergiehäusern liegt dieser Wert bei 95 %, aber dort haben die Brenner ein viel größeres Volumen. Ein zweiter Trend liegt in der Langlebigkeit. Wo für Lkw-Heizungen bislang 3000 Betriebsstunden gefordert waren, geht man nun auf bis zu 6000. Ein Lkw-Motor muss heute ja auch 500 000 Kilometer halten, ehe er generalüberholt wird. Und in Russland, Osteuropa oder Kanada haben wir Jahresbetriebszeiten der Standheizung von 1200 Stunden. In Mitteleuropa liegt dieser Wert halb so hoch. Deshalb kam man mit 3000 Betriebsstunden auf eine Lebensdauer von fünf Jahren.

Und wo ist die Stellschraube, um die Haltbarkeit zu verdoppeln?

Die entscheidende Stellschraube sind die Elektromotoren, die die Heizung betreiben. Diese arbeiten aber noch weitgehend mit Kohlebürsten, die sich entsprechend abnutzen. Nun setzen wir auf kohlebürstenfreie, elektronisch kommutierte Motoren, die damit nahezu verschleißfrei sind, sieht man von den Kugellagern ab, die heute aber auch schon 10 000 Betriebsstunden und mehr erreichen.

Wie entstehen Ihre Innovationen?

Im Dialog mit den Herstellern. Als Technologieführer erwischen sie uns dabei nie auf dem linken Fuß, aber groß sind die Herausforderungen schon. Nicht umsonst beschäftigen wir in Summe 150 Ingenieure und Techniker im Heizungsbereich, davon 85 in der Entwicklung und die anderen in der Qualitätskontrolle, der Produktion und im Vertrieb. Hinzu kommen Kooperationen mit den Hochschulen in Esslingen und Aachen und mit unseren Zulieferern in den Bereichen Elektronik und Sensorik. Aber auch für den Gebäudesektor könnte unsere Heiztechnologie in Zukunft interessant sein. Denn unsere Brennerkompetenz reicht von unter einem Kilowatt bis zu 40 kW Leistung. Niedrigenergiehäuser könnten heute schon mit einem Brenner, der unter 10 kW Leistung hat, beheizt werden, wenn es die entsprechenden Brenner gäbe.

An einer Brennstoffzelle arbeiten Sie auch.

Aber nicht für den Antrieb, sondern für die Stromversorgung in der Fahrerkabine. Fernfahrer leben regelrecht in ihrem Fahrzeug und benötigen dort Licht, betreiben PC und Fax, aber auch einen Fernseher oder eine Klimaanlage. Bislang ziehen all diese Geräte den Strom von der Batterie. Wir wollen hier eine separate Energiequelle bereitstellen.

Seit 2001 sind Sie deshalb auch im Kfz-Elektronikbereich aktiv.

Ausgangspunkt waren elektrische Heizungen für Dieselfahrzeuge mit 1000 W bis 2000 W bei 12 V Leistung. Diese enormen Stromstärken mussten über elektronische Steuerungen geschaltet werden. Und gemäß unserer Philosophie als Technologieführer wollten wir diese Kompetenz intern haben. Heute können wir das z. B. auch zur Bordnetzstabilisierung bei Start-Stopp-Funktionen anbieten. Für diese Technologie bekamen wir interessante Aufträge von Herstellern, mit denen wir zuvor gar nicht zu tun hatten. Und auch hier haben wir uns weiterentwickelt, um nun beispielsweise bei den Elektrofahrzeugen ganz vorne mit dabei zu sein.

Wie stark beeinträchtigt die Finanzkrise Ihre Innovationen?

Liquidität geht aktuell vor Rendite, so dass wir etwa Investitionen in Rationalisierung schieben. Nicht aber Investitionen in Wachstumsfelder, auf denen wir neue Aufträge holen können.

Wir haben auch kein Liquiditätsproblem, weil wir bei den Banken hohe Bonität genießen, in der Vergangenheit solide gewirtschaftet haben und finanziell deutlich besser da stehen als noch vor zwei Jahren. Im Übrigen hilft die aktuelle Krise, Prozesse wieder schlank und effektiv zu machen. Neue Firmenfahrzeuge brauchen bspw. nicht jedes Feature, und auch manche Dienstreise lässt sich effizienter gestalten – oder telefonisch erledigen.

2008 haben Sie in Göppingen Teile eines Technologiezentrums erworben und daraus Eberspächer Electronics gegründet. War der Zeitpunkt gut gewählt?

Unbedingt. Wir haben mit 42 Jobs angefangen, jetzt sind wir bereits bei über 50. Aus 3 Mio. € Umsatz wollen wir trotz Krise bis 2011 20 Mio. € machen. Im pfälzischen Herxheim, wo wir seit 1998 engagiert sind, liegt der Schwerpunkt auf der Hardware, in Göppingen auf Software und Service.

Bis November dieses Jahres wollen wir die ersten Produkte präsentieren und ab 2011 in Göppingen schwarze Zahlen schreiben. Der Bereich Bordnetzkommunikation ist eine Investition in die Zukunft, weil das Thema im Auto zunimmt und strategisch an Bedeutung gewinnt, zumal es nicht einzelne Segmente wie Abgas oder Heizung betrifft, sondern das komplette Fahrzeug.

MICHAEL SUDAHL

Von Michael Sudahl
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