Faraday Future 06.11.2015, 12:04 Uhr

Das soll ein echter Tesla-Fighter sein?

Porsche hat einen Tesla-Fighter schon auf der IAA vorgestellt, BMW, Audi und Mercedes haben E-Sportwagen angekündigt. Und jetzt will ein weitgehend unbeschriebenes Blatt aus den USA Tesla das Fürchten lernen: „Faraday Future“ nimmt dazu über eine Milliarde Dollar in Hand. Eine von vielen Luftblasen in der Branche? Wohl eher nicht.

Eine Ahnung von Auto: Mehr als eine Milliarde Dollar will Faraday Future in den Bau eines elektrischen Sportwagens investieren, der dem Tesla S gefährlich werden soll.

Eine Ahnung von Auto: Mehr als eine Milliarde Dollar will Faraday Future in den Bau eines elektrischen Sportwagens investieren, der dem Tesla S gefährlich werden soll.

Foto: Faraday Future

Schon in zwei Jahren will „Faraday Future“ mit einem eigenen Elektroauto auf den Markt kommen. Dazu hat sich das Start-up jetzt einen Produktionsstandort in den USA ausgesucht. Wo genau der liegt, bleibt aber ebenso ein Geheimnis wie Technik und Design des Autos, das aber natürlich mindestens als Neuerfindung der Mobilität daherkommt. Man werde den Automarkt revolutionieren und habe dafür 1 Mrd. $ in der Tasche, teilte „FF“ jetzt mit. Und das war’s dann auch schon fast. Warum regt das irgendjemanden auf?

Weil vielleicht diesmal etwas dran ist an dem großspurigen Gehabe. Denn die Führungstruppe der Firma setzt sich zusammen aus ehemaligen Spitzenmanagern und -technikern der Branche von Herstellern wie BMW, Audi, Ferrari und Lamborghini. Vier der fünf offiziell genannten Top-Leute kommen vom E-Auto-Pionier Tesla, darunter Nick Sampson, der dort Chefingenieur war. Der fünfte ist Richard Kim, zuvor Designer bei BMW. Und mit Porter Harris soll ein Batterieexperte des Raumfahrtunternehmens SpaceX zum Team gehören. Wie Tesla gehört diese Firma dem Milliardär Elon Musk.

Mehr als 400 Leute von wichtigen Autoherstellern

Insgesamt hat FF nach eigenen Angaben schon mehr als 400 Experten versammelt, die an der Vision eines wirklich revolutionären E-Autos arbeiten sollen. Die offiziellen Angaben sind aber mehr als dünn. In Medienberichten heißt es, dass die Batterie besonders leistungsstark sein soll – alles andere wäre aber auch enttäuschend bei einem solchen Projekt.

Das Designteam von Faraday Future besteht aus ehemaligen Mitarbeitern von BMW, Audi, Ferrari und Lamborghini. Die Leitung hat der frühere BMW-Designer Richard Kim (l.) übernommen.

Das Designteam von Faraday Future besteht aus ehemaligen Mitarbeitern von BMW, Audi, Ferrari und Lamborghini. Die Leitung hat der frühere BMW-Designer Richard Kim (l.) übernommen.

Foto: Faraday Future

Wenn also die Fachkompetenz da ist, dann braucht es ja nur noch Geld. Und das soll von einem Mann kommen, der zu den 20 reichsten Menschen in China gehört. Jia Yueting ist Inhaber einer Internetfirma und steckt nach Recherchen der Los Angeles Times hinter dem Projekt. Seine US-Managerin sei formal auch die Chefin von Faraday Future, sie mische sich aber nicht ins operative Geschäft ein.

Auch autonomes Fahren ist ein Thema

Wie dieses operative Geschäft genau aussieht, bleibt vorerst mysteriös. Man wolle „voll-elektrische Autos bauen, die eine nahtlose Verbindung zur äußeren Welt schaffen“, heißt es vielsagend nichtssagend auf der Webseite. Etwas konkreter: Jenseits von „traditionellen Elektroautos“ werde die Firma auch an anderen Aspekten der Mobilität arbeiten. Dazu gehörten „einzigartige Eigentumsmodelle“, aber auch das Thema autonomes Fahren.

Autoskizze von Faraday Future: Schon 2017 soll das Auto auf den Markt kommen, von dem es nicht mal Fotos oder nähere Angaben gibt.

Autoskizze von Faraday Future: Schon 2017 soll das Auto auf den Markt kommen, von dem es nicht mal Fotos oder nähere Angaben gibt.

Foto: Faraday Future

Alles noch sehr blumig. In der Branche werden die Pläne aber durchaus ernst genommen. Wie groß die Unruhe bei Tesla sein mag, ist schwer zu sagen. Kommentiert wird das FF-Projekt nicht. Andererseits ist Elon Musk selbst das schlagende Beispiel dafür, dass sehr viel möglich ist, wenn Kompetenz und Kapital zusammenkommen. Er hatte als Internet-Unternehmer Milliarden verdient, baute Tesla auf und ist mit SpaceX inzwischen sogar Vertragspartner der Nasa.

Porsche Mission E: Der viertürige Stromer erinnert optisch an den 911 Carrera, fährt aber mit zwei Elektromotoren. Und er wird dem Tesla S zu einem scharfen Konkurrenten. 

Porsche Mission E: Der viertürige Stromer erinnert optisch an den 911 Carrera, fährt aber mit zwei Elektromotoren. Und er wird dem Tesla S zu einem scharfen Konkurrenten. 

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Dass das neue Auto schon 2017 kommen soll, ist ein ehrgeiziges Ziel. Und taktisch klug. Denn der Tesla-Fighter von Porsche soll erst in vier Jahren. Und auch BMW und Mercedes werden nicht früher dran sein. Dann will Faraday den Markt schon aufgerollt haben.

Hier finden Sie die wichtigsten Tesla-Fighter.

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