Automobilbau 04.12.1998, 17:20 Uhr

Das Drei-Liter-Auto rollt schon bald vom Fließband

Der „Spar-Lupo“ von VW. Die in der Produktion eingesetzten neuen Technologien, Werkstoffe und Fügeverfahren werden zur Keimzelle umweltfreundlicher Fahrzeuggenerationen, prognostiziert man in Wolfsburg.

Folker Weißgerber, im Markenvorstand der Wolfsburger Volkswagen AG zuständig für Produktion und Logistik, verhehlt den Stolz auf den Drei-Liter-Lupo nicht: „Wir haben viel experimentiert, auch viel Lehrgeld bezahlt in dieser Entwicklungsreihe. Aber heute sind wir glücklich, daß das Auto wirklich so fährt wie gewünscht und noch ein kleines bißchen besser, als gedacht.“ Neben den Motorenbauern, die mit dem Dreizylinder-Turbodiesel ein besonders sparsames Aggregat entwickelten, konnte Weißgerbers Bereich entscheidend dazu beitragen, daß sich der Öko-Lupo mit 2,99 l im MVEG-Mix begnügt. Diese Abkürzung steht für „Motor Vehicle Emission Group“ und meint eine seit Anfang 1997 umgesetzte EU-Richtlinie für das Messen von Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxid-Emission. Ihre Angaben entsprechen eher als die zuvor im DIN-Drittelmix angegebenen Verbräuche den in der Praxis erreichbaren Werten. Das Reduzieren des Gewichts um 180 kg auf annähernd 800 kg war, so Weißgerber, „die Hauptkunst neben der Entwicklung des Aggregats“. Zwei Drittel dieser Gewichtsminderung wurden beim Fahrwerk und bei der Karosserie erreicht. Der Karosseriebau war daher besonders gefordert. Die Serienproduktion des „Spar-Lupos“ wird voraussichtlich im kommenden Februar anlaufen.
1996 wurde die Idee geboren, den damals in Vorbereitung befindlichen Lupo als Rohmaterial für ein Drei-Liter-Auto zu nehmen. Sämtliche Teile des Fahrzeugs kamen auf den Prüfstand. Neue Materialien wurden auf ihre Tauglichkeit, aber auch auf die Kosten hin überprüft, denn die Vorgaben waren eindeutig: Ein vollwertiger Viersitzer ohne Abstriche bei der Sicherheit, beim Komfort und beim Nutzwert. Weiteres wichtiges Kriterium war die Bezahlbarkeit. Titan beispielsweise wäre ein vorzüglicher Werkstoff zur Gewichtsreduzierung allein Titan-Schrauben könnten das Gewicht eines Autos um fast 10 kg mindern. „Aber“, so Weißgerber, „der Preis wäre natürlich entsprechend hoch“.
Die Entscheidung fiel zugunsten einer Mischbauweise aus Stahl, Aluminium und Magnesium. Die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Werkstoffs, seine Form und die Fügetechniken müssen dabei, um ein optimales Energieabsorptionsvermögen zu erreichen, aufeinander abgestimmt werden Minimalismus würde die Sicherheit beeinträchtigen. Bei der Fahrgastzelle des Spar-Lupo wurden keine Abstriche zugelassen: Sie bietet mit ihren Längs- und Querträgern sowie den Aufprallträgern denselben Schutz bei einem Unfall wie der Standard-Lupo.
Die Basiskarosserie des Drei-Liter-Lupo besteht aus vollverzinktem, blechstärkenreduziertem Stahl. Kotflügel, Türen und Motor-Hilfsrahmen sind aus Aluminiumguß gefertigt. Bei der Heckklappe wurde ein Druckguß-Magnesium-Innenteil mit einer Aluminium-Außenhaut verbunden – eine anspruchsvolle Aufgabe für die Fügetechniker. Weißgerber: „Das war für uns natürlich ein Umdenken. Wir beherrschten die Fertigung von Automobilen im verzinkten Stahlblech und mußten nun mit erheblich geringerem Einsatzgewicht die gleichen Werte erreichen.“
Der Einsatz neuer Materialien zog veränderte Produktionsmethoden nach sich: Die Aluminiumtüren zum Beispiel erreichen ihre Festigkeit erst, nachdem sie etwa 20 min in einem 200 C heißen Ofen ausgehärtet werden die Karosserien müssen vor dem Lackierprozeß vorbehandelt werden aus aerodynamischen Gründen werden die Seitenwände lasergeschweißt. „Das geht so weit, daß wir im Karosseriebau die Mitarbeiter mit weißen Handschuhen arbeiten lassen müssen, damit sie nicht mit Fettfingern auf diese Teile kommen“, berichtet Weißgerber.
Ein großer Teil der neuen Komponenten wurde im Wolfsburger Werk entwickelt, auch die Umformwerkzeuge für Aluminiumkomponenten sind Eigenentwicklungen. Die starke Konzentration auf das Werk Wolfsburg hat Gründe: Zum einen stellte man fest, daß die Eigenproduktion im internationalen Wettbewerb durchaus bestehen kann, zum anderen, so Weißgerber, waren „natürlich auch Technologieentwicklungen dabei, die wir nicht gern in die Öffentlichkeit geben wollten, bevor wir am Markt sind“.
Bei einer zunächst auf 50 Einheiten pro Tag angelegten Fertigungslinie scheinen die für die Entwicklung notwendigen Investitionen von rund 500 Mio. DM beträchtlich. Doch die mit dem Öko-Lupo gewonnenen Erfahrungen sollen auch andere künftige VW-Modelle verbessern. Der Drei-Liter-Lupo gilt bei Volkswagen deshalb als wichtiger „Technologieträger“ – er soll den Automobilbau im nächsten Jahrhundert nach vorn, und das heißt in Richtung mehr Umweltverträglichkeit bringen, betonen die Fertigungsexperten in Wolfsburg. Das Auto soll zu einem Preis von voraussichtlich 26 000 DM in den Handel gehen und ist damit im Vergleich zum Standard-Lupo ausstattungsbereinigt etwa 2000 DM teurer.
HELGA BODENSTAB

Von Helga Bodenstab
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