Portrait eines Visionärs 25.11.2019, 10:33 Uhr

Carl Benz: Vater des Automobils feiert 175. Geburtstag

Pionier, Tüftler und Ingenieur – Carl Benz verfolgte seinen Traum, den Straßenverkehr zu motorisierten, bis zu seinem Lebensende. Im Gegensatz zu vielen anderen Technik-Pionieren erlebte er, wie seine Erfindung den Individualverkehr revolutionierte. Von der Geburtsstunde bis zum Durchbruch des Autos.

Carl Benz Dreiradfahrzeug

Das Carl Benz Dreiradfahrzeug.

Foto: panthermedia.net/Kiefer

Carl Benz erblickt als Sohn des Lokomotivführers Georg Benz und der Dienstmagd Josephine Vaillant am 25. November 1844 in Karlsruhe das Licht der Welt. Er besucht im Alter von 9 Jahren das naturwissenschaftlich orientierte Karlsruher Lyzeum, heute auch bekannt als das Bismarck-Gymnasium. Am 30. September 1860 bestand Benz die Aufnahmeprüfung an der Polytechnischen Hochschule und studierte Maschinenbau beim berühmten Ferdinand Jacob Redtenbacher, der als Wegbereiter und Hauptbegründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus gilt. Nach 4 Jahren beendete Benz sein Studium mit Erfolg.

Danach folgte ein 2-jähriges Praktikum bei der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, um erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Im Anschluss daran, wechselte er in die Waagen- und Maschinenfabrik Schweizer, wo er im ersten Jahr in den betriebseigenen Werkstätten arbeitet. 1867 erhält er eine Beförderung zum Konstrukteur und Zeichner und bekleidet damit fortan die Stelle des ersten Bürobeamten. Anfang des Jahres 1869 zieht es Benz nach Pforzheim, wo er zunächst in der Maschinenfabrik Gebrüder Benckiser eine Anstellung als Werkmeister aufnimmt, bevor er dort im Technischen Büro als Konstrukteur für Eisenbrücken tätig wird. Doch seine geradlinige berufliche Laufbahn änderte sich rasch.

Unternehmer mit Hindernissen

Alles begann Anfang der 1870er Jahre in Mannheim. Carl Benz gründet gemeinsam mit August Ritter, Mechanikus von Beruf, seine erstes Unternehmen mit dem Namen „Carl Benz und August Ritter, Mechanische Werkstätte“. Doch schon bald kristallisierte sich heraus, dass Benz in Ritter keinen zuverlässigen Teilhaber gewählt hatte. Mit der finanziellen Unterstützung seiner Lebensgefährtin Bertha Ringer gelingt es Benz seinen Geschäftspartner auszuzahlen, um die Firma auf eigene Faust weiterführen zu können. Nur kurze Zeit später, am 20. Juli 1872, heiratet das Paar und aus der gemeinsamen Ehe sollten in den folgenden Jahren 5 Nachkommen hervorgehen: Eugen, Richard, Clara, Thilde und Ellen. Nach der Trennung von Ritter liefen die Geschäfte eher schleppend und Benz hatte mit einer Reihe Existenzprobleme zu kämpfen. Jedoch vermochte ihn seine Vision, ein Fahrzeug ohne den Einsatz von Pferden zu konstruieren, nicht vom Weg abzubringen.

Nicht nur eine Frage des Antriebs

Im Jahr 1878 beschäftigt sich Benz mit dem Prinzip des Gasmotors. Da aber die Optionen, einen atmosphärischen Gasmotor zu modifizieren, als sehr begrenzt einzustufen waren und der von Nicolaus August Otto entwickelte Verbrennungsmotor unter Patentschutz stand, entwickelte Benz einen gasbetriebenen verdichtungslosen Zweitaktmotor. Diesen setzte er das erste Mal in der Nacht zum Jahreswechsel funktionstüchtig in Gang. Der Grundstein des Antriebs für den wirtschaftlichen Erfolg seines pferdelosen Wagens war gelegt. Um aber auch eine finanzielle Grundlage für die kostspieligen Entwicklungsarbeiten zu schaffen, wandelte Benz sein Unternehmen 1882 in eine Aktiengesellschaft, die fortan unter dem Namen Gasmotorenfabrik Mannheim agierte, um. Mit einer Beteiligung von lediglich 5 %, einem geringen Einfluss bei Fragen technischer Natur und der abweichenden Zielsetzung sich auf Gasmotoren zu spezialisieren, verlässt Benz das Unternehmen bereits Anfang des Jahres 1883. Noch im selben Jahr wagt er einen neuen Versuch in die Selbständigkeit. Diesmal jedoch gemeinsam mit den Handelsgeschäftsleuten Friedrich Wilhelm Esslinger und Max Rose, die als Investoren fungierten. Das Dreiergespann gründet das Unternehmen „Benz & Cie. Rheinische Gasmotoren-Fabrik Mannheim“ mit der Geschäftsform Offene Handelsgesellschaft. Schnell feiert das Unternehmen mit seiner Entwicklung des Zweitaktmotors „System Benz“ Erfolge, sodass sich Carl ganz seinem Lebenstraum widmen konnte.

Patent 37 435 – oder die Geburtsurkunde des Automobils

Benz entwickelte seinen Verkaufsschlager, den 2-Taktmotor auf Grundlage des 4-Takt-Ottomotors weiter, um höhere Drehzahlen und damit mehr Leistung zu erreichen. Nicht aber der Motor stand dabei im Mittelpunkt seines Schaffens, sondern das ganzheitliche Konzept eines motorisierten Wagens, dessen Herz aus einem liegenden Zylinder und einem waagerechten Schwungrad bestand. Nach langer und intensiver Entwicklung erhält Benz im Jahr 1886 vom Kaiserlichen Patentamt das Patent für sein Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb. Obwohl der Wagen in Leichtbauweise, der eher einer Kutsche mit 3 Rädern glich, funktionierte, ließ der wirtschaftliche Durchbruch auf sich warten. Die Menschen waren dem Automobil gegenüber sehr misstrauisch eingestellt, ein Straßenverkehrsmittel was weder lebendig war, noch fraß oder trank. Den Ingenieur plagten nach der scheinbar endlosen Geschichte Zweifel an seiner Erfindung und er wollte endgültig das Handtuch werfen.

Die Legende, die dem Automobil zum Durchbruch verhalf

Ohne das Wissen ihres Mannes und aus fester Überzeugung an die Innovation brach Bertha Benz in Begleitung der 2 ältesten Söhne in den frühen Morgenstunden an einem schönen Tag im August 1888 von Pforzheim nach Mannheim auf. Sie wollte beweisen, dass der pferdelose Wagen auch langstreckentauglich sei. Auf ihrem Weg kreuzten ihre Sicht skeptische und ungläubige Blicke vorbeiziehender Passanten und Bauern. Die motorisierte Fernfahrt sollte zudem nicht ganz reibungslos verlaufen. Ein verstopftes Ventil erzeugte einen Überdruck und eine Leitung des Motors schlug Leck. Die junge Frau reparierte den Wagen kurzerhand mit einer Hutnadel und einem Strumpfband selbst – so kam es zur ersten Autoreparatur der Geschichte. Nicht nur das, auch der Treibstoff ging während der Fahrt zur Neige. So kam es, dass Bertha unterwegs die Apotheken um ihre Ligroin-Bestände erleichterte, um ihren Kurs fortzusetzen. Selbst als der Wagen 10 Kilometer vor Wiesloch wegen Kraftstoffmangels gänzlich stehen blieb, war sie sich nicht zu schade, das Gefährt bis in die Stadt mit zu schieben. Ihre Tat erregte das breite Interesse der Öffentlichkeit. Einige auf der Strecke sollen sogar um eine Testfahrt gebeten haben. Zeitungen berichteten euphorisch über das Ereignis und den Erfinder Carl Benz. Glaube kann eben doch Berge versetzen und so kam es zum Durchbruch des Automobils.

Weitere Errungenschaften und Niederlagen

Als sich Bertha Benz auf den Weg machte, war das Gefährt aber noch mit 3 Rädern ausgestattet, da es sich als einfacher gestaltete ein Vorderrad zu lenken. Kurzerhand hatte Benz aber auch dafür eine Lösung parat. So entwickelte er 1893 die sogenannte Achsschenkellenkung, die sich bis heute bewährt hat. Sein erstes Modell mit 4 Rädern war die erste Ausführung des Modells Viktoria, welches durch einem 3 PS Motor angetrieben wurde. Dieser wurde bis 1900 stetig weiterentwickelt und hatte in seiner letzten Version bereits doppelt so viel Pferdestärken.

Jedoch wirken diese Werte nahezu archaisch, vergleicht man parallele Entwicklungen zu dieser Zeit, vor allem in Frankreich, aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile Entwickler, die weitaus mehr PS bereitstellen. Mercedes definiert das Auto mit einem 35 PS Motor 1901 geradezu neu. Daraus resultieren über ein Drittel Verkaufseinbußen für Benz. Im selben Jahr produzierte der Automobilhersteller noch 385 Fahrzeuge, im Folgejahr waren es nur noch 226. Benz hielt jedoch weiterhin an seinen Entwicklungen fest, vor allem am Riemenantrieb. Während sich jüngere Ingenieure in Frankreich und Deutschland gegenseitig die Stirn boten, um effektivere Antriebsmöglichkeiten für Benzmodelle zu entwickeln, zieht sich Carl 1903 im Alter von 58 Jahren gemeinsam mit seinen Söhnen aus seiner Firma zurück. Nur ein Jahr später wird er vom Unternehmen jedoch als Aufsichtsrat berufen und mit ihm kehrt auch sein Sohn Richard zurück, der fortan den Posten als Betriebsleiter bekleidet. Mit neuen Modellen aus dem Hause Benz gelingt es dem Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu setzen.

Trotzdem ist Benz weiterhin durch seine Leidenschaft angetrieben und gründet mit seinem ältesten Sohn Eugen Benz 1906 ein weiteres Unternehmen mit dem Namen „Carl Benz Söhne“ am Wohnsitz der Familie in Ladenburg. Dieses sollte ursprünglich Gassaugmotoren, nach Konzepten des Sohnes herstellen. Durch die rasante Weiterentwicklung der Antriebstechnik auf dem Weltmarkt, spezialisierte sich das Unternehmen jedoch auf den ganzheitlichen Fahrzeugbau. Dennoch waren die Geschäftsaussichten weniger erfolgreich.

Carl Benz führte ein erfülltes Leben

Selten nur gab es Fälle, dass Pioniere der Technik den Durchbruch ihrer Vision auch miterleben durften. Carl Benz hielt jedoch solange an seinem Traum fest, bis er Wirklichkeit wurde. Trotz Höhenflügen musste der Erfinder sehr viele Rückschläge  einstecken, um sein Ziel des individuellen motorisierten Straßenverkehrs zu erreichen. 3 Jahre vor seinem Tod fusionierte sein gegründetes „Unternehmen Benz & Cie.“ mit der „Daimler AG“. Die Entwicklung des Automobils war nicht mehr aufzuhalten. 1929 stirbt Carl Benz im Alter von 84 Jahren in seinem Wohnhaus in Ladenburg. Heute befindet sich darin ein Museum und ist gleichzeitig Sitz der „Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung“.

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