Automobilbau 16.04.1999, 17:21 Uhr

Bus fährt Bahn auf deren Trasse davon

Im schweizerischen Lausanne fahren Busse spurgeführt unter Fahrdraht mit Elektroantrieb und außerhalb des Oberleitungsnetzes ganz normal mit Verbrennungsmotor. Mit „Duo-Trolley-Hybrid-bussen“ von Neoplan wird dort die Zweiwegtauglichkeit im Praxistest erprobt. Der Bus fährt somit auch als „Straßenbahn“.

Wenn es nach dem Willen der Fahrzeugentwickler im Hause Gottlob Auwärter (Marke Neoplan) geht, dann verschwimmen die Grenzen zwischen Bus und Bahn. Man nehme eine Straßenbahn, stelle sie auf lenkbare Gummireifen anstatt auf starre Stahlschienen und mache sie vom Stromnetz unabhängig, fertig ist die Busbahn. Oder man nehme einen Omnibus, verpasse ihm eine Spurführung und mache ihn tauglich für eine externe Stromversorgung – wieder eine Busbahn.
Jüngstes Beispiel der von den Stuttgarter Omnibusbauern nicht erst seit gestern verfolgten Dual-Philosophie (intern als STS für Spezial-Transport-System geführt) ist das Neoplan-Modell „Duo-Trolley-Hybridbus N6121“, das seit Herbst 1998 seine Praxiserprobung in der schweizerischen Stadt Lausanne aufgenommen hat. Duo-Trolley-Hybridbus ist zwar ein langer Name für ein langes Fahrzeug – der N6121 nutzt die für Gelenk-omnibusse zulässi-gen 18,0 m voll aus – angesichts seiner unter Metall, Kunststoff und großzügig verwendetem Glas verpackten Technik jedoch zumindest angemessen.
Wenngleich der Begriff „Duo“ im Neoplan-internen Sprachgebrauch für die Ausstattung des N6121 mit zwei Antriebsquellen steht, wollen sie diese überflüssige Doppelung des „Hybrid“-Begriffs modifizieren im durchaus zutreffenden Duo-Sinn einer gewissen Zweiwegetauglichkeit. Die bietet der lange Gelenkbus nämlich, Spurführungstechnik sei Dank. Ein in die Fahrbahn eingelassener Leitdraht kann die Fahrzeugführung in der letzten Ausbaustufe vollkommen übernehmen, womit der Dreiachser eine der für Straßenbahnen typischen Komponeneten verwendet. Nur führt hier nicht ein starres Rad-Schiene-System, sondern anstelle dessen der Leitdraht im Zusammenspiel mit einem Spurführungssensor und einem Lenkcomputer.
Damit bleibt die von Busbetreibern geschätzte Flexibilität dieser Fahrzeuggattung uneingeschränkt erhalten. Gleichwohl lassen sich bei entsprechender Infrastruktur Vorteile einer Spurführung nutzen: automatisierte Fahrt auf Busspuren (die im Gegensatz zu Bahntrassen auch andere Radfahrzeuge nutzen können), geringer Platzbedarf bei Tunnelpassagen, punktgenaues Anfahren von Haltestellen, automatisierte Abläufe auf den Betriebshöfen, um nur einige zu nennen.
In Lausanne sollen demnächst auch die beiden letztgenannten Spurführungs-Möglichkeiten ausprobiert werden. Die automatisch gesteuerte Haltestellenanfahrt entlastet den Busfahrer, denn auf dem Leitstrahl können Niederfluromnibusse mit stets gleicher Genauigkeit an Bordsteinkanten ansetzen, was dem Wunsch nach lückenlosem und wirklich ebenerdigem Einstieg entgegenkommt. Einen personellen Vorteil verspricht man sich in Lausanne vom Einsatz der Computer-lenkung in der Waschanlage hier bleibt der Fahrer ganz außen vor.
Bei „Trolleybussen“ handelt es sich um eine besonders in der Schweiz weit verbreitete Fahrzeugspezies. Sie fahren mit Strom und beziehen ihre Energie wie Straßenbahnen aus einer Oberleitung so auch in Lausanne, wo der neue Neoplan zum Einsatz kommt. Zum „Hybridbus“ wird der N6121 dadurch, daß er neben seinem Elektromotor – genau gesagt sind es vier, je einer an den hinteren, einzelbereiften Rädern – als zweites Antriebsaggregat zusätzlich über einen Verbrennungsmotor verfügt.
Im aktuellen Fall handelt es sich um einen Mercedes-Benz-Achtzylindermotor mit 390 kW (530 PS) Nennleistung, der zusammen mit dem Generator und Teilen der Leistungselektronik als „Powerpack“ im Fahrzeugheck untergebracht ist. In anderen Fällen könnte an gleicher Stelle auch eine ganz andere Antriebsquelle sitzen, etwa ein Erdgasmotor oder – in der Zukunft – eine Brennstoffzelle. In jedem Fall macht die Doppelmotorisierung für die Lausanner Verkehrsbetriebe sehr viel Sinn, erspart man sich dadurch doch das bisher unumgängliche Vorhalten von rein verbrennungsmotorisch angetriebenen Ersatzfahrzeugen für die außerstädtischen, nicht elektrifizierten Strecken.
Der neue Trolley-Hybrid fährt hingegen auf allen Linien des Lausanner Busnetzes. Und damit er das auch wirklich ohne Einschränkungen tun kann, haben ihm seine Entwickler zum einen den erwähnten 390-kW-Motor für den netzfreien Einsatz mitgegeben – nötig zum zügigen Anfahren auf Steigungen bis 15 %. Zum anderen haben sie die vier Radmotoren auf 320 kW (440 PS) Dauerleistung ausgelegt, weil der N6121 nach Vorgabe seiner Betreiber auch im Netzbetrieb an 12 %igen Steigungen noch mindestens 30 km/h schnell sein soll.
Mehr als zwanzig Exemplare des Neoplan Duo-Trolley-Hybridbus sollen sukzessive in Lausanne zum Einsatz kommen, doch damit nicht genug. In Planung ist eine abermals vergößerte, sprich verlängerte Version, dargestellt aus dem gut sortierten Neoplan-Stadtbus-Modulbauksten.
Die verlängerte Version hat die Kurzbezeichnung N6141, mißt 24 m in der Länge und steht auf vier Achsen. Neben einer Straßenzulassung dürfte diese doppelgelenkige Version wohl noch mehr Leistung benötigen als der Dreiachser, vor allem aber kommt ein solcher Longliner einer Straßenbahn hinsichtlich seiner Transportkapazität einen großen Schritt näher. Und das, wie Neoplan-Chef Bob Lee bei jeder Gelegenheit betont, „zu Beschaffungskosten, die um ein Drittel oder gar die Hälfte unter denen einer Straßenbahn liegen.“
CHRISTIANE WILDHAGE/WOP
In Lausanne fährt der neue „Duo-Trolley-Hybridbus“ von Neoplan fast wie jeder übliche Bus – mit Verbrennungsmotor. Verkehrt er auf Linien mit Oberleitung wird er jedoch spurgeführt, und der Strom fließt direkt zu den vier Elektromotoren, die jeweils die hinteren Räder antreiben.
Die vier elektrischen Radmotoren – hier einer an der gelenkten, angetriebenen Hinterachse – sind für eine Dauerleistung von 320 kW ausgelegt.

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

Zurich Gruppe Deutschland-Firmenlogo
Zurich Gruppe Deutschland Risk Engineer (m/w/d) Haftpflicht für unsere Industriekunden Frankfurt am Main
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in (m/divers/w) für den Bereich Unfallanalyse Berlin
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH-Firmenlogo
RUETZ SYSTEM SOLUTIONS GmbH Testingenieur / Engineeringconsultant (m/w/d) Systemintegration Car Infotainment, Fahrerassistenz und Telematik Systeme München
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall
Eisenbahn-Bundesamt-Firmenlogo
Eisenbahn-Bundesamt Ingenieurin / Ingenieur oder Physikerin / Physiker (Uni-Diplom/Master) als Wissenschaftliche Referentin / Wissenschaftlicher Referent (m/w/d) für Schallschutz / Erschütterungsschutz Bonn, Dresden
PASS GmbH & Co. KG-Firmenlogo
PASS GmbH & Co. KG Produktmanager (m/w/d) Automotive – Bereich Entwicklung Schwelm
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG Konstrukteur Kaltmassivumformung (m/w/d) Krefeld

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Fahrzeugba…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.