ABGAS-SKANDAL 11.11.2015, 13:53 Uhr

Bundesamt prüft Modelle von BMW, Opel und Mercedes

Bleibt der Abgas-Skandal ein VW-Skandal? Oder werden doch weitere Hersteller mit in den Sumpf gezogen? Das Kraftfahrt-Bundesamt jedenfalls prüft derzeit mehr als 50 Diesel-Modelle diverser Hersteller nach. Dabei sind teils schon „erhöhte Stickoxidwerte“ festgestellt worden.

Laut Kraftfahr-Bundesamt befinden sich derzeit und infolge der Enthüllungen bei VW mehr als 50 Diesel-Modelle in- und ausländischer Hersteller in der „Nachprüfung“. 

Laut Kraftfahr-Bundesamt befinden sich derzeit und infolge der Enthüllungen bei VW mehr als 50 Diesel-Modelle in- und ausländischer Hersteller in der „Nachprüfung“. 

Foto: TÜV Süd

Eine Behörde ist vorsichtig. Sehr vorsichtig. Und doch ist das, was das Kraftfahrtbundesamt am 11.11.2015 mitteilt, vielleicht der Beginn eines noch viel größeren Skandals. Derzeit und infolge der Enthüllungen bei VW, so schreibt das KBA, seien mehr als 50 Diesel-Modelle in- und ausländischer Hersteller in der „Nachprüfung“. Darunter auch Fahrzeuge von Mercedes, Opel und BMW, dazu ausländische Marken wie Fiat, Toyota, Volvo und einige andere.

Fast schon versteckt ist in der Pressemitteilung dieser Satz: „Auf Basis von Rohdaten wurden bisher zum Teil erhöhte Stickoxidwerte bei unterschiedlichen Fahr- und Umgebungsbedingungen festgestellt.“ Das ist die Zwischenbilanz nach etwa zwei Drittel der angeordneten Untersuchungen. Das heißt dann wohl, dass eine Reihe weiterer Marken und Modelle mehr Schadstoffe ausstoßen als angegeben. Wahrscheinlich. Vermutlich.

Gespräche mit Herstellern laufen

Die Behörde aber ist, wie gesagt, vorsichtig. „In Gesprächen mit betroffenen Herstellern und Genehmigungsbehörden werden diese Daten weiter evaluiert. Erst danach liegen rechtlich belastbare Ergebnisse vor“, heißt es in der Mitteilung. Zu Deutsch: Die Autobauer bekommen erstmal Gelegenheit zu erklären, warum die tatsächlichen Werte höher liegen als die Werksangaben.

VW soll die Produktion von Diesel-Fahrzeugen des Modells Passat in seinem Werk in Chattanooga eingestellt haben, berichtet ein US-Magazin. 

VW soll die Produktion von Diesel-Fahrzeugen des Modells Passat in seinem Werk in Chattanooga eingestellt haben, berichtet ein US-Magazin. 

Foto: VW

In den nächsten Wochen sind konkrete Ergebnisse zu erwarten. Bei welchen Modellen und Herstellern sich Auffälligkeiten zeigten, wird jetzt natürlich noch nicht gesagt. Aber die Liste der Modelle, bei denen die Prüfung läuft, ist jedenfalls prominent: BMWs der 3er und der 5er Reihe, Mercedes C-Klasse, Ford Focus, dazu die Modelle Astra, Insignia und Zafira von Opel.

Nachprüfung auf Messstand und der Straße

Für die Nachprüfung ausgesucht hat das KBA die Fahrzeuge nach zwei Kriterien. Zum einen nahm es sich besonders absatzstarke Modelle vor. Zum anderen aber spielten auch Verdachtsmomente eine Rolle: „Die Auswahl der Fahrzeugmodelle (Motorkonzepte) erfolgte auf Basis der Zulassungsstatistik in Deutschland wie auch mit Bezug auf verifizierte Hinweise Dritter über auffällige Schadstoffemissionen“, erklärt die Behörde. Die Nachprüfung findet nun nicht nur auf dem Rollenprüfstand statt, sondern auch mithilfe tragbarer Messsysteme auf der Straße.

Produktion von Diesel-Passat gestoppt

Während der Skandal also immer weitere Kreise zieht, wächst auch der Druck auf VW noch. Die EU-Kommission setzte den Wolfsburgern am Dienstag eine Frist von zehn Tagen, um genau zu erklären, wie die erhöhten CO2- und damit Verbrauchswerte ihrer Autos zustande kommen – das zweite große Kapitel der Affäre nach den per Software manipulierten Abgaswerten. 

Ein US-Fachmagazin berichtet derweil, dass VW die Produktion von Diesel-Fahrzeugen des Modells Passat in seinem Werk in Chattanooga eingestellt habe. Konsequent wäre das wohl, nachdem die Verkaufszahlen von Volkswagen in den USA im zweistelligen Bereich eingebrochen sind.

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