Prämien nach Fahrverhalten 22.03.2013, 21:00 Uhr

Autoversicherer setzen auf Telematik

Die deutschen Autoversicherer drehen an der Preisschraube: Für 2013 wurden zum zweiten Mal in Folge die Prämien erhöht. Künftig möchten die Anbieter die Prämien auch nach dem Fahrverhalten bemessen, das per Telematik ermittelt wird.

Unter Kontrolle: Jeder zweite deutsche Autofahrer würde eine Police abschließen, deren Prämie sich nach dem Fahrverhalten bemisst, das per Telematik erfasst wird.

Unter Kontrolle: Jeder zweite deutsche Autofahrer würde eine Police abschließen, deren Prämie sich nach dem Fahrverhalten bemisst, das per Telematik erfasst wird.

Foto: panther media

Autoversicherer denken schon seit Jahren darüber nach, wie sie mit Telematik potenziell besonders unfallträchtige Kunden frühzeitig erkennen können. Denen drohen dann höhere Prämien und/oder der Ausschluss der Kasko-Versicherung.

Laut einer Umfrage der Consultingfirma Towers Watson unter 1000 Bundesbürgern würden 51 % eine Autoversicherung abschließen, bei der sich die Prämienhöhe nach ihrem Fahrverhalten bemisst, das aus telematischen Daten gewonnen wurde. Vorausgesetzt allerdings, dass schlechtes Fahren die Prämie nicht erhöht. 67 % der Deutschen würden eine solche Versicherung zumindest testen wollen.

Risiken positiv selektieren

Da vor allem diejenigen, die ihr eigenes Fahrverhalten als gut beurteilen, eine solche Versicherung abschließen würden, könnten die Versicherer hierdurch ihre Risiken positiv selektieren, sagt Frank Sommerfeld, Geschäftsführer der Towers Watson GmbH.

In den USA wird Telematik bereits auf breiter Front für die Ermittlung der Prämienhöhe genutzt. Die größten US-Versicherer bieten solche Policen bereits an oder planen ihrer Einführung.

Erste konkrete Angebote dazu gibt es auch in Deutschland – bisher allerdings nur für Unternehmen und nicht für Privatleute.

Mit der „Zurich Fleet Intelligence“ bietet die Zurich Versicherung für deutsche Kraftfahrtflotten ab 50 Fahrzeugen ein auf Telematik basierendes Instrument zur Fuhrparksteuerung.

Dieses System wurde bereits in einigen angelsächsischen Ländern erprobt. In Deutschland wird diese Technik beispielsweise mit TomTom International B.V. angeboten, der je Fahrzeug für Technik und Service 1 € pro Tag berechnet.

Die Telematik liefert dem Fuhrparkbetreiber Informationen über die Position des Fahrzeugs, das Fahrverhalten (Tempo, Fahrereignisse wie abruptes Bremsen und Geschwindigkeit in Kurven, Leerlauf), Spritverbrauch, Straßentyp, Zeit und ähnliches.

Nur bestimmte Daten werden an Versicherungen weitergeleitet

An die Zurich werden nach Unternehmensangaben nur Daten über Lenkbewegungen, Beschleunigung, Abbremsen und gefahrene Geschwindigkeitsbereiche weitergeleitet. Daraus werde ein Scoring für den entsprechenden Fahrer erstellt. Auf Basis dieser Leistungsdaten könne der Fahrer anschließend trainiert werden.

Aus den weiter geleiteten Daten erstellt die Zurich ein komplettes Risiko-Management mit einem Portal für das Unternehmen und einem speziellen Fahrerportal. In einem zweiten Schritt können die Erkenntnisse für die Prämienberechnung genutzt werden, weil sich diese sich an Risikoprofilen orientiert. Das Instrument lasse sich auch für die grenzübergreifende Steuerung des Flottenrisikos durch internationale Flottenprogramme nutzen.

Kunden wurden dafür allerdings nach Unternehmensaussagen noch nicht gefunden. Wegen der technischen Voraussetzungen, aber auch datenschutzrechtlicher Bedenken der Arbeitnehmervertretungen zögen sich die Akquisitionsgespräche hin, erklärte Hans Aussem, Leiter der Einheit „Underwriting Center Liability, Motor, Accident“ der Zurich Global Corporate Deutschland. Mit 20 bis 30 Firmen sei man aber bereits im „vertieften“ Gespräch.

Das Produkt „Zurich Fleet Intelligence“ wird aber bereits seit drei Jahren in sechs Ländern verkauft. Dort hat sich gezeigt, dass die Kontrolle des Fahrverhaltens die Zahl der Unfälle um bis zu 20 % senken kann. Aber auch die Fuhrpark- und Betriebskosten vermindern sich um zweistellige Prozentbeträge.  

Unlängst kündigten auch Towers Watson und Vodafone ein gemeinsames Telematikprodukt für den europäischen Kfz-Versicherungsmarkt an. Der britische Versicherer AIG Europe Limited soll das Pilotprojekt betreuen.

Für das Telematik-Geschäft werden das „Vodafone Vehicle Connect“ und das in den USA bereits laufende „DriveAbility“-Produkt von Towers Watson kombiniert.

Der Service verbindet die Fahrzeugdaten mit externen Informationen wie Verkehrsabläufen/Wetterdaten und verbessert so die Genauigkeit eines Fahrzeug-Scores, der von Towers Watson bereitgestellt wird und in die Tarifierung einfließen kann.

Von Monika Lier
Von Monika Lier

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