Automobilbau 22.07.2005, 18:39 Uhr

Automobilindustrie macht Tempo in Ostdeutschland  

VDI nachrichten, Dresden, 22. 7. 05 – Ostdeutschland könnte zum Vorbild für die gesamtdeutsche Industrie werden. Mit der Ansiedlung von Automobilherstellern und deren Zulieferern hat sich die Region stark weiterentwickelt. International kaum bekannte Standortbedingungen haben heute wenig mit ehemaliger DDR-Wirtschaft oder schlechten Rahmenbedingungen von Westdeutschland zu tun. Das wurde am 12. Juli auf einer Branchenkonferenz in Dresden deutlich.

Zusätzliche Impulse für eine „verstärkte länderübergreifende Kooperation“, erwartet Bundesminister Wolfgang Clement von der Branchenkonferenz „Automobilstandort Ostdeutschland“, die vorige Woche in Dresden stattfand. Auf Einladung des Wirtschaftsministers und des Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, trafen sich dort rund 400 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden. Nach Clements Einschätzung ist die deutsche Automobilindustrie der Wachstumsmotor und der Wirtschaftsfaktor in Ostdeutschland geworden.

Der Umsatz dieser Schlüsselbranche hat sich regional in den letzten fünf Jahren um 55 % auf gut 12 Mrd. € erhöht und die Zahl der Zulieferer auf über 900 Betriebe verdoppelt. Inzwischen beschäftigt die Automobilindustrie in den ostdeutschen Bundesländern 140 000 Mitarbeiter, davon 42 000 direkt bei Herstellern und Zulieferern. VDA-Chef Gottschalk lobt: „Die Mitarbeiter hier sind nicht nur hervorragend qualifiziert, sondern zeichnen sich auch durch besondere Flexibilität aus – Arbeit wird geleistet, wenn Arbeit da ist.“

Allein in Sachsen, wo bereits seit über 100 Jahren Automobile gebaut werden, sind 60 000 Mitarbeiter beschäftigt. So waren die motivierten und disziplinierten Fachkräfte auch ein wichtiges Entscheidungskriterium für BMW. Peter Claussen, Leiter BMW Werk Leipzig und Sprecher des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACO): „Flexible und komplexe Produktionsprozesse verlangen Menschen mit Qualifizierung und wahren Stärken. Diese haben wir in Sachsen gefunden und dazu eine hervorragende Infrastruktur sowie eine optimale Forschungslandschaft.“

Ähnliche Gründe nennt Carl-Peter Forster, President General Motors (GM) Europa: „Unser Opel-Werk in Eisenach ist eines der produktivsten Werke in Europa, auch weil die Mitarbeiter von Anfang an eine positive Haltung und ein technisches Grundverständnis aus einer langen Automobilbautradition einbrachten.“ Der Standort Eisenach liegt außerdem mitten im Herzen von Europa und ist deshalb optimal für die Belieferung des deutschen und westeuropäischen Marktes. „Damit können wir höhere Lohnstückkosten z. B. gegenüber unserem ebenfalls sehr produktiven polnischen Werk in Gliwice durch geringere Logistikkosten ausgleichen.“

Das Eisenacher Werk gelte als Benchmark für die GM Gruppe, auch weil die ostdeutsche Zulieferindustrie sehr flexibel und hochinnovativ auf die Marktanforderungen der OEM reagiere. Deshalb gibt Forster zu bedenken, dass Investitionen in Osteuropa nach seiner Erfahrung abgewogen werden müssen: „Eine Verlagerung der Produktion nach Osteuropa lohnt nicht immer, da regional teilweise ein Fachkräftemangel entstanden ist, der wiederum zu höheren Gehalts- und Lohnforderungen führt.“

Auf Zuliefererseite erwirtschaftete die Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach vergangenes Jahr mit 1700 Mitarbeitern über 500 Mio. € mit Wischeranlagen. „Unsere Kunden zahlen nicht mehr für in Deutschland produzierte Wischeranlagen, als der Weltmarktpreis für diese Komponenten vorgibt“, so die Sicht von Wolfgang Zahn, Geschäftsführer des Unternehmens. „Deshalb beziehen wir unsere Spritzgusswerkzeuge aus Tschechien. Die sind 30 % billiger als die aus Deutschland.“ Zahn schätzt die ostdeutschen Mitarbeiter ebenfalls: „Unsere Mitarbeiter zeigten kein Verständnis, als es darum ging, für die Einführung der 35-Stunden-Woche zu streiken. Der Betriebsrat beurteilte die Lage unter sachlichen Gesichtspunkten. Nur so bleiben wir global wettbewerbsfähig.“

Die Lohnkosten- und die Standortvorteile in Ostdeutschland nutzt auch DaimlerChrysler. Dr. Rolf Bartke, Leiter Geschäftsbereich Transporter, dazu: „Wir sehen die arbeitsteilige Welt positiv. Unser Werk in Ludwigsfelde ist ein Vorzeigebetrieb.“ Die Erfahrungen des Unternehmens mit ostdeutschen Mitarbeitern bestätigen den Grundtenor: „Wir haben motiviertes, flexibles und kreatives Personal mit einer starken Identifikation zu den Produkten und einem hohem Ausbildungsniveau.“ Eine gezielte Förderung sei dagegen bei den Zulieferern in der zweiten und dritten Reihe notwendig. Bei diesen meist kleineren Firmen seien Prozesskompetenz und Forschungspotenziale oft nicht auf Wettbewerbsniveau. Für Investitionen böte sich Ostdeutschland wegen der guten Infrastruktur und der schnell reagierenden Verwaltung förmlich an.

Damit der „Aufbau Ost“ fortgesetzt werden kann, mahnt Bernd Gottschalk eine Verlängerung des Planungsbeschleunigungsrechtes beim Infrastrukturausbau an: „Sie ist notwendig, um Bürokratie abzubauen, Planungsabläufe zu vereinfachen und Planungszeiten zu verkürzen.“ Dieses Verfahren habe sich über Jahre bewährt und sei auch in westlichen Bundesländern einzuführen. Ein wettbewerbsfähiger Standort Deutschland wird einem globalen Weltmarkt nur gerecht, wenn handfeste Faktoren weiter gestärkt werden. Gottschalk: „Die Wirtschaftskraft einer Region ist abhängig von der Performance dieses Standortes – also von Investitionen, die dort getätigt werden – und von der Beschäftigung, die diese Investitionen generieren. Investiert wird an Standorten, die international wettbewerbsfähig sind.“

Reinhold Kopp, Generalbevollmächtigter und Leiter Regierungsbeziehungen Volkswagen, bringt den Wandel auf den Punkt: „Wir sollten auf Ostdeutschland schauen, denn wir haben im Westen den Strukturwandel noch vor uns.“ JANETTE JUNGHANNS/CIU

Von Janette Junghanns/Martin Ciupek
Von Janette Junghanns/Martin Ciupek

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