Automobilbau 14.01.2005, 18:36 Uhr

Automobilfertigung bleibt in Deutschland attraktiv

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 1. 05 -Glaubt man der öffentlichen Diskussion, so scheint es, dass die Automobilproduktion nach und nach ins Ausland wandert. Dagegen widerlegte der Verband der Automobilindustrie (VDA), Frankfurt/Main, vorige Woche die These der „Fahnenflucht vom Standort Deutschland“. Das unterstreicht auch der italienische Zulieferer Magnetto, der 48 Mio.  € €

Laut Aussagen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) konnte im Jahr 2004 die vorhergesagte Produktionsmarke von 5,2 Mio. Pkw im Inland nahezu erreicht werden. VDA-Präsident Prof. Bernd Gottschalk bewertet dies positiv: „Wenn die deutsche Automobilindustrie im siebten Jahr in Folge über 5 Mio. Pkw in Deutschland produziert, dann unterstreicht das nicht nur den Stellenwert unserer Industrie für die Beschäftigung, sondern straft auch all jene Lügen, die in der erfolgreichen Globalisierung eine Fahnenflucht vom Standort Deutschland sehen wollen.“ Bis Oktober 2004 wurden nach Zahlen des Branchenverbandes in der deutschen Automobilindustrie 7 500 neue Arbeitsplätze geschaffen.Das belegt auch das Beispiel des Automobilzulieferers Magnetto Automotive, der Ende 2004 eine neue Produktionsanlage in Sachsen einweihte.
Der Osten Deutschlands gehört auf Grund seiner Rahmenbedingungen – wie der Nähe zu Osteuropa, Förderprogrammen und gut ausgebildeten Facharbeitern im Maschinenbau- inzwischen zu einem der attraktivsten Standorte in Europa. Vor diesem Hintergrund investierte der italienische Automobilzulieferer Magnetto in Treuen/Sachsen über 48 Mio. € in ein neues Press- und Rohbauwerk. Die Firmengruppe mit Hauptsitz in Turin beliefert z. B. Audi, Fiat,die PSA Gruppe und VW. Ein großer Anteil der Finanzierung für das neue Werk konnte mit 17 Mio. € Fördermitteln abgesichert werden. Das Grundstück wurde von der Deutschen Immobilien Leasing, einer Tochter der Deutschen Bank, gemietet, die dem jungen Unternehmen das Grundstück langfristig zur uneingeschränkten Nutzung überlässt. Die Fabrik wurde in nur elf Monaten errichtet.
Im September 2004 erfolgte dann der offizielle Produktionsstart mit der Einweihung von zwei hydraulischen Presslinien und drei Rohbauanlagen, auf denen täglich 12 000 Einzelteile produziert werden. „Wir hatten das Glück, unsere Produktion mit einem Auftrag von BMW zu beginnen“, freut sich Dieter Pfortner, Geschäftsführer der Magnetto Automotive Deutschland. In drei Schichten werden 600 Front- und Heckklappen für den neuen 1er BMW hergestellt. Auch für den 3er kommen Karosserieteile aus Treuen.
Von BMW-Seite betont Wilhelm Becker: „Bisher zählten Karosserieklappenteile zu den Kernprodukten von BMW, da sich die Teilegeometrie wesentlich auf den Qualitätseindruck des Autos auswirkt.“ Der Bereichsleiter der Volumenmodellreihe bei BMW macht deutlich: „Front- und Heckklappen sind Hochtechnologieträger, denn es fließt das Know-how von Leichtbau, Fügetechnik, Korrosionsschutz und Design ein. Doch die gelieferten Bauteile entsprechen voll der BMW-Premiumqualität.“
Die Standortentscheidung für Sachsen und die Zusammenarbeit mit einem italienischen Unternehmen bringt auch der BMW AG eine deutliche Kosteneinsparung: „Wir hätten den Aufbau eines solchen Presswerkes nicht zu diesen Kosten realisieren können“, begründet Becker die Konzernentscheidung. Außerdem liegt Treuen an der Autobahn 72 auf halbem Weg zwischen von Regensburg und Leipzig, den beiden Produktionsstandorten, die von dem vogtländischen Presswerk aus beliefert werden. Magnetto liefert darüber hinaus Karosserieteile an Renault und Peugeot und ist mit weiteren Herstelllern im Gespräch.
Den reibungslosen Produktionsstart honoriert BMW mit neuen Aufträgen. Wilhelm Becker: „Nach dem wir den Markt und andere Karosseriezulieferer analysiert haben, werden weitere anspruchsvolle Außenhautteile in Treuen produziert werden. Es ist allerdings verfrüht, über die genauen Pläne zu reden.“ Eine weitere Tatsache bestätigt die Standortentscheidung von Mangnetto: Da die Presslinien zu 100 % und die Rohbaulinien zu 95 % ausgelastet sind, werden eine Hallenerweiterung und der Ausbau der Produktionskapazitäten vorbereitet. Dafür ist eine weitere Investitionssumme von 28 Mio. € veranschlagt. „Wir erwägen, in eine dritte Presslinie mit höherer Presskraft und größeren Tischabmessungen zu investieren, um das Teilespektrum zu erweitern.“, erläutert dazu Lutz Klose, Projektleiter von Magnetto.
Die zwei schon im Einsatz befindlichen Hochleistungspressstraßen und eine Platinenschneidanlage lieferte Müller Weingarten. Den drei Rohbauanlagen, auf denen die Blechformteile aus eigener Produktion und Kaufteile zu lackierfähigen Komponenten zusammengebaut werden, sollen bis 2006 weitere fünf Anlagen folgen.
Die Umformteile, auch aus hochfesten Stahlgüten, werden im Rohbau punktgeschweißt, gebördelt, gefalzt, mit der 1-Komponenten- (1K-) und 2K-Klebetechnologie verbunden sowie in einer Fertigungszelle lasergelötet. Lutz Klose:“Mit der Laserlöttechnologie können komplizierte Blechteile mit hohen Designansprüchen gefertigt werden.“ In den Press- und Rohbaustraßen ist das Handling voll automatisiert. Zudem wurde ein Platinenschneidezentrum für 7 Mio. € installiert, dass bis zu 25 t schwere Stahl-Coils in die verschiedenen Formen schneiden kann.
Dieter Pfortner unterstreicht: „Weil modernste Technologien zum Einsatz kommen, haben wir nur Fachkräfte mit einer soliden beruflichen Qualifikation eingestellt.“ Er lobt sein Mitarbeiterteam, das eine engagierte Aufbauarbeit hinter sich hat: „Wir diskutieren nicht lange über 40-Stunden-Woche und Arbeitszeiten. Wir tun es einfach!“ In der neuen Produktionsstätte haben erst einmal 126 Beschäftigte und sechs Auszubildende eine neue Beschäftigung gefunden. Beworben hatten sich fast 8 000 Menschen. Bis Ende 2006 soll es insgesamt 280 bis 300 Arbeitsplätze in dem Werk geben.
„Es hat uns sehr beeindruckt, welchen Pioniergeist die Menschen der Region entwickelt haben“, erinnert sich Becker von BMW und empfiehlt anderen Automobilherstellern, BMW an den ostdeutschen Standort zu folgen: „Diese hoch motivierte Mannschaft hat uns bestärkt, dass unsere Entscheidung für Ostdeutschland die richtige war.“
Der Standorterfolg in Treuen ist auch ein Verdienst des IIC (Industrial Investment Council), das bei der Akquisition und Ansiedlung ausländischer Investoren für die neuen Länder eine wichtige Adresse ist. Der IIC wurde 1996 gemeinsam vom Bund und den neuen Ländern mit dem Ziel gegründet, ausländische Unternehmen für Investments in den neuen Ländern zu gewinnen. Seit seiner Gründung wurden 94 Projekte mit einer Investitionssumme von insgesamt 4,2 Mrd. € erfolgreich abgeschlossen. Die Magnetto-Ansiedlung im sächsischen Vogtland ist dabei nur ein Puzzleteilchen. Seit 1990 wurden im sächsischen Automobilbau mehr als 430 Investitionsvorhaben mit 5,2 Mrd. € Gesamtvolumen realisiert. Mehr als 24 000 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen und rund 12 000 gesichert. Zudem werden 130 Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit rund 44 Mio. € von der Staatsregierung gefördert.J. JUNGHANNS/CIU

Von J. Junghanns/Martin Ciupek
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