Automobilbau 05.10.2001, 17:31 Uhr

Autobauer reservieren Arbeitsplätze für Frauen

Den geringen Frauenanteil in ihren Unternehmen wollen die deutschen Autobauer mit verschiedenartigen Aktivitäten und Projekten aufstocken.

Kerstin Wohlgemuth ist Schülerin am Pulheimer Gymnasium bei Köln. „Ich hörte, dass man bei Ford und auch an der Fachhochschule für einen Tag ein Praktikum absolvieren kann“, erzählt sie. „Das war etwas für mich. Gleich zwei Tage schulfrei – ich habe mich sofort gemeldet.“ Für die 19-Jährige sprang letztlich mehr heraus als zwei Tage Abwesenheit von der Penne: eine Berufsperspektive.

Bereits zum zweiten Mal führten die Ford-Werke gemeinsam mit der Kölner Fachhochschule in diesem Sommer die Initiative „Try-Ing“ durch. Hier lernen vorrangig Schülerinnen der Region sowohl das Arbeitsumfeld der Produktentwicklung in der Automobilindustrie als auch die Ausbildungsinhalte eines Maschinenbaustudiums der Fachrichtung Fahrzeugtechnik kennen.

Das Kurzpraktikum ist wiederum Teil des so genannten „FiT“-Programms. FiT steht für „Frauen in technische Berufe“ und hat sich die Steigerung des Frauenanteils in der technischen Berufsausbildung und den Ingenieurbereichen bei Ford zum Ziel gesetzt. Auf eine Kollegin kommen in Köln 19 männliche Mitarbeiter. Es gibt hier 2576 Ingenieure, aber nur 135 Ingenieurinnen.

Ähnlich sieht es bei den anderen großen Automobilbauern in Deutschland aus. Bei DaimlerChrysler liegt der Frauenanteil bei den Ingenieuren bei lediglich 5,5 %. „VW hat bei den Ingenieuren einen Frauenanteil von weit unter 10 %“, berichtet Waltraud Klitzke, Leiterin der Frauenförderung im Wolfsburger Unternehmen. Bereits vor einigen Jahren setzte man deshalb auf eine aktive Frauenförderung. Praktikumsplätze wurden verstärkt Frauen angeboten. Das Unternehmen vergab eine Reihe von Diplomarbeiten ausdrücklich an Studentinnen. Klitzke: „Überall in der Wirtschaft setzt man auf gemischte Teams. Gerade Frauen mit einem abgeschlossenen Studium gelten bei den Personalchefs landauf, landab als besonders stressresistent.“

Die weibliche Nachwuchsförderung ist das zentrale Anliegen von Britta Brandt und ihrem Team bei Ford, dem Women´s Engeneering Panel (WEP). Hier engagieren sich Frauen für Frauen und machen sich für die Einstellung und Weiterbildung von Ingenieurinnen stark. „Es geht darum, bei der Forschung und Entwicklung die Frauenperspektive stärker als bisher zu berücksichtigen“, bringt Britta Brandt das Anliegen von WEP auf den Punkt. „Frauen kaufen ein Auto aus anderen Gründen als Männer. Sie fahren anders, steigen anders ein.“

„Bei den eingehenden Bewerbungen achten wir zunächst auf das Gesamtbild der Bewerberin“, erklärt sie. „Wenn das stimmt, schauen wir uns die Leistungen speziell in Mathematik, Physik und Englisch an.“ Mehr als 1500 Jugendliche, die überwiegende Zahl davon Mädchen, haben an den Ford-Veranstaltungen im Rahmen des FiT-Programms teilgenommen.

Ähnliche Erfahrungen machten auch die anderen Automobilkonzerne. Seit mehreren Jahren beispielsweise sprechen Mitarbeiter von VW gezielt Gymnasiastinnen an, bevor diese vor der Abwahl bestimmter Fächer stehen. „Wir wollen die Mädchen in der Orientierungsphase der Berufsentscheidung erreichen, um ihnen konkrete Karrieremöglichkeiten als Ingenieurinnen bei VW anzubieten“, erklärt Klitzke. In Projekten sollen Talente möglichst früh an das Unternehmen gebunden werden.

Die Förderung von Frauen beim Führungskräftenachwuchs steht auch bei DaimlerChrysler ganz oben. Im Juli dieses Jahres führte das Unternehmen mit großem Erfolg seinen ersten „Recruiting Workshop“ nur für Frauen durch. 47 Hochschulabsolventinnen und Young Professionals der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften aus der ganzen Welt lernten das Sindelfinger Unternehmen zwei Tage lang hautnah kennen. Vorab hatten sich mehr als 400 interessierte Frauen im Rahmen eines mehrwöchigen Online-Bewerbungsverfahrens für diesen Workshop beworben. Nach Aussage von Wilfried Porth, Leiter der Führungskräfteentwicklung, wolle DaimlerChrysler künftig seine Attraktivität gezielt bei technisch orientierten Frauen ausbauen.

Die Erfahrungen mit dem weiblichen Technik-Nachwuchs sind durch die Bank gut. Mon Wismans von Ford: „Ich bin erstmals Projektleiter für Schülerinnen und hatte so meine Vorurteile“, gesteht der Abteilungsleiter von Design Aid und Chef von 50 Mitarbeitern. Angenehm überrascht sei er deshalb, wie energisch die Mädchen vorgingen, wie diszipliniert, aufnahmefähig und motiviert sie seien.

Die Mädchen wissen genau, was sie wollen. Kerstin Wohlgemuth liebäugelt mit einer Ford-Karriere: „Ich finde es toll, dass man hier als Ingenieur auch ins Ausland gehen kann, nach Großbritannien oder in die USA.“ Dazu muss sie allerdings zunächst das Abitur bestehen. Dann will sie ein zwölfwöchiges Grundpraktikum absolvieren, eine Voraussetzung für ein Studium an der Kölner FH. Ford hilft bei dem beruflichen Werdegang: Das Unternehmen fördert das Ingenieur-Grundstudium monatlich mit 150 Euro, das Hauptstudium mit doppelt so viel. 
REINHARD MYRITZ

 

Kontakte

Frauenförderung bei Autokonzernen

– Ford Werke AG, SVC Body Engineering, Britta Brandt, Spessartstraße, 50725 Köln, Tel: 0221/90-37048, E-Mail: bbrandt2@ford.com

Schulprojekte – Schülerpraktika, Dagmar Vorholt, Geestemünder Straße 36 – 38, 50725 Köln, Tel: 0221/90-19592, E-Mail: dvorholt@ford.com.

– Volkswagen AG, K-SZ-4 Frauenförderung, Waltraud Klitzke, Postfach 1867/0, 
38436 Wolfsburg, Tel: 05361/9-73045, E-Mail: waltraud.klitzke@volkswagen.de.

– DaimlerChrysler AG, Corporate Communications/Human Resources, Silke Walters, Marc Binder, COM/C HPC 1114, 70546 Stuttgart, Tel: 0711/17-93317 und -95135, E-Mail: silke.walters@daimlerchrysler.com, marc.s.binder@daimlerchrysler.com. RM

Von Reinhard Myritz
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