System Brain4Cars 05.06.2015, 10:10 Uhr

Assistenzsystem greift bei Gefahr in Autofahrt ein

Weniger Unfälle verspricht Brain4Cars: Das Assistenzsystem analysiert Bewegungen des Autofahrers und sagt voraus, welches Manöver er einleiten wird. Der elektronische Besserwisser greift dann bei Gefahr ein. 

Brain4Cars: Mit Gesichts- und Straßenkameras sowie Analysesoftware soll das Assistenzsystem Unfälle verhindern lernen. 

Brain4Cars: Mit Gesichts- und Straßenkameras sowie Analysesoftware soll das Assistenzsystem Unfälle verhindern lernen. 

Foto: Brain4Cars

Jeden Tag schlafen 250.000 Autofahrer in den USA am Steuer ein. Und jedes Jahr ist Schläfrigkeit eine der Ursachen für 100.000 Unfälle. 33.000 Menschen sterben jährlich allein in den USA im Straßenverkehr, die meisten davon wegen unangepasster Fahrweise. Diese Statistiken zitiert das Forscherteam um Prof. Ashutosh Saxena, das dem Auto ein zuverlässiges, immer waches Gehirn verschaffen will. Brain4Cars heißt das Projekt der jungen Wissenschaftler der Universitäten Stanford und Cornell. Ihr Ziel: Die Bewegungen des Fahrers so genau analysieren, dass eine Art Autopilot potenziell gefährliche Manöver erkennen und eingreifen kann.

System erkennt Absichten des Fahrers früh

Die Forscher haben dazu natürliche Fahrdaten vieler Fahrer über tausende Kilometer gesammelt, dazu eine Reihe von Informationen aus Quellen wie Kameras, GPS und Fahrzeugdaten. Daraus entwickeln sie ein Modell, das dem Autopiloten entscheidende Hinweise geben soll. Dabei werden etwa Wetterverhältnisse und die Beschaffenheit der Landschaft mit einbezogen.

Brain4Car im Einsatz: Die Gesichtskamera erkennt einen Linksblick, die Straßenkamera beobachtet den Verkehr. Bei Gefahr warnt das System den Fahrer oder verhindert ein gefährliches Überholmanöver sogar. 

Brain4Car im Einsatz: Die Gesichtskamera erkennt einen Linksblick, die Straßenkamera beobachtet den Verkehr. Bei Gefahr warnt das System den Fahrer oder verhindert ein gefährliches Überholmanöver sogar.

Quelle: Brain4Cars

Ein Beispiel: Der Kopf dreht sich weit nach links, der Blick geht leicht nach hinten. Der Fahrer will also offenbar die Spur wechseln. Zentrales Instrument ist eine Kamera oberhalb des Lenkrades, die zahlreiche Messpunkte am Kopf des Fahrers erfasst. Zugleich erkennen die Assistenzsysteme im Auto die Straßensituation und melden, dass der Verkehr zu dicht ist zum Überholen oder sich ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit nähert. Dann übernimmt der Autopilot die Kontrolle und verhindert das riskante Manöver, oder er warnt zumindest den Fahrer. Mehr als drei Sekunden vor dem Abbiegen soll das System die Absicht schon erkennen können.

Genauigkeit liegt bei 77 %

Frühere Versuche mit ähnlichen Systemen haben noch wenig Erfolg gebracht. Die Trefferquote bei der Verhaltensvorhersage lag nicht viel höher als 50 %. Das Team um Saxena, Informatiker und Spezialist für Künstliche Intelligenz, hat verschiedene Ansätze getestet und nach eigenen Angaben eine Genauigkeit von 77 % erreicht. Das rechtfertigt zumindest die Weiterentwicklung, bei der es vor allem darauf ankommen wird, Fehlerquellen auszuschließen. Die liegen vor allem in der Kommunikation des Fahrers mit anderen Personen. Das System muss noch unterscheiden lernen, ob der Fahrer rechts abbiegen will und in den Außenspiegel schaut oder ob er nur mit seinem Beifahrer spricht.

Bis zur Marktreife des Systems wird es sicher noch einige Jahre dauern. Doch es soll sich lohnen. Die Forscher erwarten nicht nur einen Gewinn an Sicherheit, sondern auch einen finanziellen Vorteil: Versicherungen könnten Autobesitzern, die das zusätzliche Gehirn nutzen, einen Rabatt gewähren.

 

Von Werner Grosch

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