Automobilbau 24.03.2006, 18:43 Uhr

Abhängigkeit führt Automobilzulieferer in die Krise  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 3. 06, ciu – Amerikas Autozulieferer sind angesichts steigender Rohstoffkosten, sinkender Absatzpreise und der Verkaufsmisere der großen Hersteller in Detroit in einen existenzbedrohenden Strudel geraten. Selbst große Unternehmen sind betroffen. So rettete sich Anfang März mit der Dana Corp. in Toledo, Ohio, der zehnte Lieferant binnen eines Jahres unter den Schutz des Bankrott-Paragraphen „Chapter 11“. Die Lage spitzt sich zu.

David Heal beschreibt die Misere: „Da tobt ein perfekter Sturm.“ Der Zulieferexperte David Healy vom Brokerhaus Burnham Securities erklärt weiter: „Der Absatz der großen Hersteller bricht ein, die Zulieferer werden zu brutalen Preissenkungen gezwungen, und jetzt gehen auch noch ihre Rohstoffkosten durch die Decke.“ Alarmierend ist auch die Einschätzung von Roland Berger. Das Beratungsunternehmen rechnet im laufenden Jahrzehnt mit dem Verlust von 260 000 Jobs in der US-Zulieferbranche.

Ein Beispiel: Dana, der größte Lieferant von Achsen für leichte Trucks, erzielt fast die Hälfte vom Umsatz mit den „großen Drei“: General Motors, Ford und DaimlerChrysler. Doch die verlieren gegenüber der asiatischen Konkurrenz – vor allem Toyota – immer mehr Marktanteile in den USA. Während im Februar die PKW-Verkäufe branchenweit in den USA um 0,6 % auf Jahresbasis zulegten, sank der Marktanteil der großen Drei um 1,3 % auf 56,6 %. Die asiatischen Rivalen erzielten weitere Zugewinne auf 37 %.

Die Perspektiven sind schlecht: Ford will bis 2012 rund 30 000 Jobs streichen und 14 Fabriken schließen, General Motors peilt bis 2008 den Abbau von 30 000 Stellen an und das Aus für 12 Produktionsstätten.

Es ist Desaster für Dana, das 46 % seiner Einkünfte aus Lieferungen an die großen Drei bezieht. Das Unternehmen räumte im Herbst Unregelmäßigkeiten in der Bilanz ein und setzte die Prognose für 2005 herab. Für das dritte Quartal meldete das Unternehmen einen Verlust von 1,3 Mrd. $.

Die Aktien von Ford fielen nach der Meldung über das Debakel bei Dana auf den niedrigsten Stand in drei Jahren. „Je mehr sich diese Meldungen bei den Lieferanten häufen, desto eher erwartet der Markt, dass einer der großen Hersteller auch Bankrott anmeldet“, sagt Efraim Levy bei der Ratingagentur Standard & Poors. Ford gab vorige Woche in einer Meldung an die US-Börsenaufsicht zu Protokoll, „negative Effekte durch den Bankrott eines großen Wettbewerbers“ seien ein signifikantes Risiko für die künftige Finanzposition des Herstellers.

„In der Vergangenheit“, beschreibt Sean Egan von der gleichnamigen Ratingagentur in Philadelphia die Schwierigkeiten in der Branche, „hätten GM oder Ford solche Lieferanten aus dem Sumpf gezogen, aber sie können die Verluste nicht mehr länger verkraften“. Auch bei Dana scheint die Finanzdecke weitgehend aufgebraucht. „Danas Zulieferer verlangten Vorkasse, dem Unternehmen gingen schlicht die Mittel aus“, erläutert Daniel DiSenso bei Standard & Poors.

Die krisengeschüttelten Zulieferer versuchen, bei asiatischen und europäischen Autoschmieden ins Geschäft zu kommen und billiger in Asien zuzukaufen. Magna, Kanadas größter Lieferant und die Nummer drei weltweit, will laut seinem Präsidenten Mark Hogan bis 2010 die Einkäufe in Asien auf 10 % vom Gesamtbudget verdoppeln. Magna musste Ende Februar einen Rückgang des Nettogewinns im vierten Quartal um 53 % melden, hat aber 1,7 Mrd. $ in der Kriegskasse. So wurde angekündigt, dass Übernahmechancen bei strauchelnden Zulieferern der großen Drei geprüft würden.

Doch die meisten Lieferanten haben nicht so viel Cash wie Magna. Arvin Meritor in Michigan – mit 8 Mrd. $ und 36 000 Beschäftigten einer der größeren der Branche – hat Einkaufsmanager nach China entsandt. Der Lieferant von LKW-Modulen erkennt darin großes Einsparpotenzial, sagt Vorstandschef Charles G. McClure.

Die Gentex Corp., Hersteller von Isolierungen, und Johnson Controls, das Elektronik, Türsysteme und Sitze an Autohersteller verkauft, setzen bereits auf neue Kunden in Asien und Europa. Doch vielen Zulieferern dürfte Zeit und Geld knapp werden, bevor Rettung durch neue Aufträge winkt. „Es dauert zwei bis vier Jahre, bis Sie Geschäft von einem anderen Hersteller bekommen“, sagt Erich Merkle, Zulieferexperte beim Berater IRN in Grand Rapids, Michigan, „Selbst dann kriegen Sie oft nur einen kleinen Auftrag.“

Doch Asiens Zulieferer warten nicht, bis die leidende Konkurrenz aus Nordamerika mehr bei ihnen einkauft. Die Asiaten kommen gleich selbst und setzen Amerikas Zulieferer zusätzlich unter Druck. Das Volumen importierter Autoteile hat sich in den USA binnen zehn Jahren auf 77 Mrd. $ mehr als verdoppelt, schreibt die Notenbank von Chicago in ihrem jüngsten „Fed Letter“. Selbst bei anspruchsvolleren Komponenten wie Motoren haben sich die US-Importe in diesem Zeitraum auf 6 Mrd. $ verdreifacht.

Während Kanada, Japan und Mexiko noch 72 % aller Importe von Autoteilen in die USA bestreiten, steigert China seine Lieferungen – von fast null im Jahr 1995 – um jährlich 58 %. Laut Fed Letter hat China im Juni 2005 bereits Deutschland als zweitgrößten Lieferanten der USA bei Autoteilen abgelöst. Und: GM will seine Teilezukäufe in China bis 2009 von 200 Mio. $ auf 4 Mrd. $ steigern. MARKUS GÄRTNER

Von Markus Gärtner
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