Stromnetze 14.02.2003, 18:23 Uhr

Zuverlässigkeit der Stromversorgung ist gefährdet

Die deutschen Stromnetze befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen Liberalisierung und Versorgungssicherheit.

Während die Investitionen zurückgefahren werden, sinkt die Zuverlässigkeit. Bereits in wenigen Jahren könnte die Ausfallzeit dramatisch ansteigen.
Man kann nicht gleichzeitig die niedrigsten Preise und die höchste Zuverlässigkeit haben, das wird in Zukunft in Deutschland nicht mehr möglich sein“, warnte Prof. Dr. Armin Schnettler, Leiter des Instituts für Hochspannungstechnik an der RWTH Aachen, in der vergangenen Woche vor den Auswirkungen der Sparmaßnahmen im Strommarkt.
Die „Zuverlässigkeit in der Stromversorgung“ war Thema einer Fachtagung der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (ETG) in Mannheim. Dort wurde denn auch das Spannungsfeld zwischen Kostenoptimierung und Versorgungssicherheit reichlich diskutiert. „Der wettbewerbsbedingte, zunehmende Kostendruck zwingt die Netzbetreiber, alle sich anbietenden Kostensenkungspotenziale auszuschöpfen“, erläuterte der wissenschaftliche Tagungsleiter Klaus Schilling. Der Siemens-Manager schätzt, dass die Deutschen in spätestens fünf Jahren die sich daraus ergebenden Auswirkungen zu spüren bekommen, falls jetzt keine Gegenmaßnahmen erfolgen.
Die hohe vorhandene Substanz der deutschen Stromnetze verhinderte bisher, dass trotz einschneidender Kostensenkungsmaßnahmen der Netzbetreiber ein spürbarer Qualitätsverlust eintrat. Es sei jedoch zu erwarten, dass bei zukünftig höherem durchschnittlichem Anlagenalter, bei vereinfachten Netzstrukturen und geringerer Instandhaltung, durch Personalabbau und Know-how-Verlust die Zuverlässigkeit der Stromversorgung auch in Deutschland sinken wird. „Die Quantifizierung dieser Einflussfaktoren ist schwierig, da Erfahrungen und geeignete Statistiken fehlen“, so Schnettler. Auch würden die Auswirkungen der verschiedenen Einflussfaktoren zeitlich unterschiedlich zum Tragen kommen. Eine Analyse habe gezeigt, dass eine nachhaltige Verlängerung von Wartungs- oder Erneuerungszyklen jedenfalls einen überproportionalen Anstieg der Fehlerraten zur Folge hat. Kritisch sei, dass alle Kostensenkungsmaßnahmen parallel durchgeführt wurden. Jede Einzelmaßnahme für sich hätte vielleicht eine Steigerung der Jahresausfallzeit von bislang 15 min auf 30 min zur Folge. Die Kombination allerdings könnte zu einer Verzehnfachung auf 150 min und mehr führen – „Italienische Verhältnisse, die keiner will.“
Die Netzbetreiber bauen derzeit eine Investitionslawine vor sich auf. Ein Großteil der Betriebsmittel stammt noch aus den 60er und 70er Jahren. Diese weisen eine durchschnittliche Lebensdauer von 40 Jahren auf. Infolge dessen müsste die Reinvestitionsquote bei jährlich 2,5 % liegen, erklärte Schilling. Doch stattdessen würde derzeit nur 1 % erneuert, d.?h. die Versorger gehen davon aus, dass ihre Betriebsmittel 100 Jahre halten. Hier werde ein Investitionsstau aufgebaut.
Das Energiewirtschaftsgesetz fordert „eine möglichst sichere, preisgünstige und umweltverträgliche“ Stromversorgung. „In der aktuellen energiepolitischen Diskussion wird der Umweltschutz oftmals so zur Priorität erhoben, dass die Ziele Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit leicht vernachlässigt werden können“, klagte Dr. Jürgen Kroneberg, Vorstandsmitglied von RWE Net und Präsident des VDN (Verband der Netzbetreiber). Dass der Wettbewerb hierzulande funktioniere, werde schon daran ersichtlich, dass sich in Deutschland ein Stromhandel mit ca. 117 aktiven Händlern aus 12 europäischen Ländern an der Strombörse EEX in Leipzig etabliert hat. In 2002 seien am Spot- und Terminmarkt insgesamt fast 150 TWh gehandelt worden, dreimal soviel wie im Vorjahr.
Kroneberg erinnerte daran, dass eine ausreichende Versorgungskapazität nötig ist. Während viele Kraftwerke stillgelegt wurden, stieg die Zahl von Windenergieanlagen rasant an. Dies führte wiederum zu einem erheblichen Mehrbedarf an Regelenergie zur Frequenzhaltung. „Angesichts des totalen Ausfalls der Windenergie am 7. Januar 2003 hat es bei der Beschaffung von Regelenergie Probleme gegeben und wir sind nur durch Glück an einem Zusammenbruch vorbeigekommen“, schilderte Kroneberg. Wenn es zum Ausfall auch nur eines Kraftwerkes gekommen wäre, hätte es einen Crash gegeben.
ROBERT DONNERBAUER

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Ein Beitrag von:

  • Robert Donnerbauer

    Freier Journalist und Fotograf. Themengebiete: Energie (Gebäude, Industrie, Verkehr), Heiztechnik, Brennstoffzellen, Kraft-Wärme-Kopplung,  Verkehr (alternative Antriebe, Nutzfahrzeuge).

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