Energie 11.05.2001, 17:29 Uhr

Zu viele Datenformate

Die Edna-Initiative hat sich das Ziel gesetzt, unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse im Strommarkt auf Grundlage einheitlicher Standards zu automatisieren. Denn noch gibt es beim Management der Energiedaten zu viele uneinheitliche Datenaustauschformate, was den Wettbewerb entscheidend blockiert.

Im Strommarkt ist der Wettbewerb nach schnellem Start ins Stocken geraten. Selbst aggressive Marktteilnehmer mussten kürzer treten, weil sie den Anforderungen durch die neuen Geschäftsprozesse organisatorisch und informationstechnisch nicht oder kaum gewachsen waren. So traten enorme Probleme auf, den für Energiedisposition, Fahrplanmanagement und Abrechnung notwendigen Datenaustausch unter den Marktteilnehmern schnell und sicher zu bewältigen. Dies liegt auch am Fehlen einheitlicher Datenaustauschformate. „Ohne einheitliche Standards sind automatisierte Geschäftsprozesse nicht möglich“, sagt Dr. Franz Hein. „Gerade sie sind das A und O für einen funktionierenden Wettbewerbsmarkt.“
Hein ist Senior Consultant der deutsche eccplus AG in Frankfurt/M. und Koordinator der Edna-Initiative, die sich seit Dezember 2000 für einen automatisierten Datenaustausch stark macht. Edna (Energy Data, Norms & Automation) hat inzwischen rund 30 Mitglieder, teils Hersteller von Software-Systemen für und rund um das Energiedatenmanagement (EDM), teils Beratungshäuser.
Dass diese Unternehmen trotz ausgeprägtem Wettbewerb untereinander den Weg unter ein gemeinsames Dach gefunden haben, mag überraschen, hat jedoch einen plausiblen Grund: „Wir sehen nicht nur Hemmnisse bei der Umsetzung des Marktgedankens, sondern dadurch auch für unser Geschäft, den Verkauf von Software und Beratung“, erläutert Hein. „Deshalb muss aus dem Datenaustauschgetriebe Sand raus und Öl rein.“
Noch macht beim Energiedatenaustausch praktisch jeder, was er will: Edifact, Delfor, MSCons, XML und Excel in verschiedenen Variationen – klar, dass diese Sprachenvielfalt das geschäftliche Kommunizieren der Marktteilnehmer stört. Doch welches Austauschformat ist das beste? Edna favorisiert mittel- und langfristig eindeutig XML – aus triftigem Grund: „XML ist im Internet stark verbreitet, das mit seiner weltweiten Ausbreitung eine große normative Kraft ausübt“, erläutert Franz Hein. „Dem müssen wir uns stellen. Jeder, der auf virtuellen Marktplätzen mit anderen korrespondiert, wird dies bald in XML tun.“
Sah es anfangs so aus, als müsste die Edna-Initiative dicke Bretter bohren, um Anhänger für ihre Idee zu begeistern, so registriert sie inzwischen Rückenwind von allen Seiten. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat nach ersten Gesprächen mit Edna viel Sympathie für die neuen Ideen entwickelt. Sogar eine gemeinsame Veranstaltung im September ist geplant. Auch wenn etliche Marktteilnehmer derzeit Edifact favorisieren, behauptet Dr. Franz Hein: „Auf Dauer ist das Bessere des Guten Feind. Auch bei den Datenaustauschformaten wirken Marktregeln.“ Und diplomatisch fügt er hinzu: „Wichtiger als das Format ist jedoch der Grad der Automatisierung. Denn damit wird letztlich Zeit und Geld gespart, das ist der eigentlich entscheidende Faktor.“
Edna ist inzwischen mit vielen Gremien im Gespräch. An allen Fronten wird emsig an Lösungen gearbeitet. Hein: „Der VDEW ist mit anderen Verbänden dabei, Normen zu setzen. Die in der Deutschen Verbundgesellschaft (DVG) zusammen geschlossenen Übertragungsnetzbetreiber möchten sich wegen des zunehmenden Datenumfangs, den sie als Bilanzkreiskoordinatoren bewältigen müssen, von ihrem Excel-Provisorium lösen. Auch die Etso (Association of European Transmission System Operators) versucht europäische Normen für den Datenaustausch zu setzen.“ Auch mit der European Federation of Energy Traders (Efet) steht Edna in Kontakt.
Um rasch handfeste Ergebnisse zu erzielen, wurden bei Edna fünf Arbeitsgruppen gebildet. Bis zum kommenden Sommer sollen die ersten Standards für die unternehmensübergreifende Automatisierung von Geschäftsprozessen im Energiemarkt in die Praxis umgesetzt sein. Priorität haben dabei zunächst der Austausch von Verbrauchsdaten in Form von Lastgängen, der Fahrplanaustausch und der Kundenwechselprozess.
Franz Hein, der aus langjähriger verantwortlicher Tätigkeit bei der Energieversorgung Schwaben und später bei der Energie Baden-Württemberg umfangreiche Erfahrung in Sachen Netzleittechnik und Datenverarbeitung mitbringt, vergisst bei allem Engagement für die Edna-Initiative nicht seine derzeitige Aufgabe: Berater für alle Themen im liberalisierten Energiemarkt und Vermarkter von eccplus. Das Produkt eccplus steht im Wettbewerb mit mehr als 20 anderen Systemen.
Dass sich nicht alle werden behaupten können und es einen Konsolidierungsprozess unter den Anbietern geben wird, steht für Hein außer Frage. Für eccplus sehe er gute Chancen, weil das System bereits erfolgreich im Einsatz sei und den automatischen, zeit- und prozessgesteuerten Datenaustausch gewährleiste. Zudem sei es durchgängig auf den Verträgen aufgebaut. Diese Durchgängigkeit habe ihren Ausgangspunkt schon im Customer Relationship Management und setze sich in alle Verästelungen des Energiedatenmanagements fort. GERHARD GROSSJOHANN

Von Gerhard Grossjohann
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