Insight - Guth 23.01.2009, 19:39 Uhr

„Wir müssen sicherstellen, dass kein Wissen geparkt wird“  

Schmerzen lindern, Keime abtöten, Beton zerkleinern – mit Starkstrom lassen sich höchst verschiedenartige Aufgaben lösen. Immer wieder stoßen Ingenieure auf neue Anwendungsfelder. Zu den innovativsten Unternehmen der Hochspannungstechnik gehört die Salacher Guth-Gruppe, die dem Maschinenbauingenieur Hartmut Simon gehört. Fragen an den Unternehmer. VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 1. 09, ps

Simon: Ich war damals als Unternehmensberater und Interimsmanager unterwegs und suchte eine aktive Beteiligung, um meine eigenen Ideen besser verwirklichen zu können.

Bei der Guth GmbH, die zum Verkauf stand, passte alles. Ich hatte zwar keine Branchenerfahrung, aber einen guten Blick dafür, dass in der Firma und in der Branche viel Potenzial stecken, das noch nicht ausgereizt ist. Hinzu kam, dass die Eigentümer ehrliche und faire Leute sind, die mir alle Einblicke gewährten.

Für welche Kunden sind Sie tätig?

Unsere Hauptkunden benötigen eine präzise Spannung, um einen Elektronenstrahl erzeugen zu können, mit dem sie schweißen, schmelzen, beschichten, härten oder etwa auch röntgen können.

Von welchen Leistungsbereichen reden wir da?

Wir können Spannungen bis 300 kv und Leistungen bis 400 kW dauerhaft erbringen. Typisch sind in unserem Metier Spannungen bis circa 200 kv und 100 kW Leistung. Die Netzspannung aus der Steckdose wird hochtransformiert, gleichgerichtet und über eine Hochspannungskaskade zu ihrer endgültigen Höhe vervielfacht. Die Hochspannung darf dabei nur eine sehr geringe Restwelligkeit aufweisen.

Diese Spannung beschleunigt aus einem glühenden Wolframfaden emittierte Elektronen, die beschleunigt, gebündelt und zielgerichtet als Elektronenstrahl genutzt werden. Durch Variation der Spannung ergeben sich unterschiedliche Anwendungen.

Und wie finden sich Anwendungsbedarf und -Lösung?

Erste Kontakte und Anwendungen entstehen häufig eher durch Zufall, wie bislang das Auslandsgeschäft. Wenn ich etwa einen taiwanischen Kunden habe, der mit unserem Elektronenstrahl weiche Displays aus Kunststoff härtet oder einen schwedischen Anlagenhersteller, der Strahler baut, um flächig Lacke auszuhärten, habe ich Ansätze, wie ich weitere Nutzer finde.

Generell kommt ein Elektronenstrahl, der mit unseren Hochspannungsgeräten erzeugt wird, oft als Alternative zu Laser oder UV-Licht infrage.

Worin liegt der Vorteil?

Der Elektronenstrahl arbeitet schneller, oft auch präziser als ein Laser. Die Anwender wissen das sehr genau und finden teils erweiterte Anwendungslösungen, den Strahl etwa flächig einzusetzen. Unsere Schwäche ist, dass wir kaum Endprodukte haben, mit denen wir näher am Markt sind. Mit dem Elektronenstrahl kann man beispielsweise auch sterilisieren, also in der Medizin oder Lebensmittelbranche Keime abtöten. Unter Einsatz von Hochspannungen können genauso Beton oder Mineralien zerkleinert werden. Daher ergibt sich auch ein Einsatz im Recycling.

Warum haben Sie im September auch noch die FUG in Rosenheim gekauft?

Wir haben in der Guth GmbH in den vergangenen Jahren den Umsatz verdoppelt und die Produktivität um 30 % gesteigert. Wir machen aber mit 10 % unserer 100 Kunden 80 % unseres Umsatzes. Das war mir zu riskant. Die FUG ist viel breiter aufgestellt, mit 400 Kunden und 600 Gerätetypen in mehr Märkten unterwegs, auch international, und hat mehr Engineering.

Wie führen Sie beide Firmen zusammen?

Bis Ende 2009 wollen wir die Synergien in Einkauf und Entwicklung realisieren, die nun möglich sind. Das größere Volumen ermöglicht es, die Kapazitätsauslastung zu verstetigen. Die Problemlösungskompetenz der Guth GmbH wollen wir systematisch über den internationalen Vertrieb von FUG am Markt kommunizieren.

Wird Guth eigene Produkte entwickeln?

Das passiert bereits. Wir haben zum Beispiel ein modulares Hochspannungsgerät, das nicht im Auftrag eines Kunden entstanden ist, sondern aus unserer Markteinschätzung heraus. Ein zweites Produkt ist ein Hochspannungsschalter. In unserer aus haftungsrechtlichen Gründen ausgelagerten Guth Meditec GmbH bieten wir seit 2007 ein weiteres Produkt an.

Und was kann dieses Medizingerät?

Das Gerät dient der Schmerzbehandlung und kann gleichermaßen bei Mensch und Tier angewendet werden. Insbesondere in der Reiterszene sind wir damit auf gute Resonanz gestoßen. Insgesamt haben wir bereits 40 Geräte davon verkauft, obwohl diese je Stück immerhin 35 000 € kosten und wir noch gar keine Werbung machen. Das Vertriebsnetz bauen wir jetzt erst auf. Die Zulassung für Kanada, wo ein Partner das Gerät vertreiben will, läuft. Ich selbst war kürzlich in arabischen Ländern, um die Chancen auf dem dortigen Markt auszuloten.

Wie wollen Sie generell den internationalen Markt erschließen?

In diesem Jahr gründen wir definitiv eine Guth-FUG-Niederlassung in den USA, die mittelfristig auch produzieren soll. Die Amerikaner kaufen nun mal lieber eigene Produkte. Der US-Markt bleibt im Bereich Hochspannung trotz Finanz-, Immobilienmarkt- und Automobilkrise hoch interessant.

In China belassen wir es mittelfristig bei einer Wartungsfirma und für Europa und Asien produzieren wir von Salach und Rosenheim aus.

Welche Ziele haben Sie sich mittelfristig gesetzt?

Den Standort Salach wollen wir in den kommenden Jahren im Bereich Engineering erweitern. Weitere eigene Produkte sollen auf den Markt kommen. Insbesondere bei unserer Medizintechnik-Tochter wird es dann eine Serienfertigung geben. In Rosenheim planen wir schon heute ein neues, modernes Fabrikgebäude, das in alle Richtungen erweiterbar sein wird. Dort wird auch der Hauptschwerpunkt unserer Aktivitäten liegen.

Die Rezession betrifft Sie nicht?

In den Auftragsbüchern spüren wir aktuell noch nichts. Im Gegenteil.

Sie setzen in Ihrer Unternehmensgruppe stark auf den Faktor Innovation. Wie sorgen Sie dafür, dass die Mitarbeiter dabei mitziehen?

Ich rede sehr viel mit meinen Leuten. Wir müssen sicherstellen, dass kein Wissen geparkt wird oder Flaschenhälse entstehen, in denen Prozesse ins Stocken geraten. Meine Mitarbeiter sollen verstehen, wohin ich will und in meinem Sinne selbst Entscheidungen treffen.

MICHAEL SUDAHL

Von Michael Sudahl
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