Energie 19.12.2008, 19:39 Uhr

„Wir liefern den Menschen Licht und Wärme“

Seit genau fünf Jahren versorgt die Netz- und Vertriebsgesellschaft die Menschen in der Region mit „Licht und Wärme“, wie Firmenchef Thomas Birr sagt. Den Job macht der Maschinenbau-Ingenieur seit gut einem halben Jahr. Thomas Birr ist ein ungewöhnlicher Techniker, denn er strahlt Energie, Verkäufertalent und Offenheit aus, ohne dabei sachliche Nüchternheit und nordische Zurückhaltung verloren zu haben. Jetzt agiert er zunehmend auf dem politischen Feld mit all seinen Unwägbarkeiten

Thomas Birr sitzt ziemlich weit „oben“. Nicht nur beruflich, sondern auch im wörtlichen Sinne. Schließlich thront der Vorstandsvorsitzende der RWE-Regionalgesellschaft Westfalen-Weser-Ems hoch droben im 19. Stock des RWE-Hochhauses mit einem fantastischen Blick über die Stadt Dortmund. Kaum jemand schafft es dort höher. Doch das macht den 43-jährigen „gelernten“ FH-Ingenieur nicht arrogant.

„Ich genieße den Ausblick, aber er hält mich nicht vom Geschäft ab“, betont der gelassene Mann, dem man auf den ersten Blick seinen Führungsjob über 2700 Mitarbeiter und die Verantwortung für 5,5 Mrd. € Umsatz nicht ansieht. Seit April diesen Jahres besetzt der gebürtige Hamburger die Stelle an der Spitze des Unternehmens, das sich als Tochter der RWE Energy auf dem Energiemarkt behauptet. „Wir sind neben der Schwestergesellschaft RWE Rhein-Ruhr der größte integrierte Strom- und Gasanbieter Deutschlands“, betont Birr und verweist auf ein Versorgungsgebiet in West- und Norddeutschland, das 5,5 Mio. Einwohner umfasst.

Und auch wenn Thomas Birr als versierter Vertriebsmann sein Unternehmen gekonnt positioniert, klingt seine Lobeshymne noch lange nicht prahlerisch. Der „Neue“ bei Westfalen-Weser-Ems verbindet gekonnt sachliche Darstellung mit vertriebsorientierter Überzeugungskunst. Dabei ist er von Hause aus Techniker, von denen immer noch gerne behauptet wird, sie seien zu introvertiert, um im direkten Kontakt zum Kunden bahnbrechenden Erfolg zu haben. Thomas Birr gibt Anlass, mit diesem Vorurteil aufzuräumen.

Vielleicht beherrscht er den Spagat so gut, weil er tatsächlich klein angefangen hat und sich „hochkämpfen“ musste. In seiner Heimatstadt Hamburg begann er seine berufliche Laufbahn mit einer Lehre zum Feinmechaniker, bevor er an der FH Hamburg Maschinenbau studierte. „Ich bin im letzten Jahr meines Studiums praktisch schon in den Beruf gerutscht, als Assistent in einem Ingenieurbüro“, erklärt Birr. Er rät angehenden Ingenieuren nicht nur, möglichst schnell mit dem Studium fertig zu werden, sondern auch, so früh wie möglich einen Einstieg in die Praxis zu finden. „Ich gehöre zum Jahrgang 1965. Wir waren immer und überall zu viele. Da musste man früh Zähne und Krallen entwickeln.“

Ganz schnell lernte er, Verantwortung zu tragen, als er im Projektmanagement beim damaligen Anlagenbauer Mannesmann KTI anheuerte. „Auch das kann ich jungen Leuten nur raten: Nicht vor Herausforderungen zurückschrecken!“ Birr betreute Projekte in Indien, China, Taiwan und der Ukraine. „Ich habe lange aus dem Koffer gelebt“, sagt Birr, der heute im Münsterland mit seiner Frau in einem renovierten Bauernhof wohnt. „Man muss eben Vielseitigkeit beweisen“, schmunzelt Birr.

Beruflich sah er 1999 große Herausforderungen in der Energiewirtschaft. „Die Öffnung des Marktes für den Wettbewerb machte den Einstieg für mich spannend. Ich begann bei der VEW Energie AG im Key Account Management und verkaufte von da an Strom und Gas an große Industriekunden.“ Bereits nach einem Jahr spürte er den scharfen Wind des Wettbewerbs in der Branche am eigenen Leib. Sein Arbeitgeber ging im RWE-Konzern auf. Doch für Thomas Birr zeigte sich die Fusion als Chance. Er wechselte in die Konzernzentrale nach Essen und arbeitete sich durch den Dschungel der RWE-Gesellschaften im Key-Account-Management des Konzerns die Karriereleiter hoch.

„Wer als Ingenieur im Vertrieb Erfolg haben möchte, muss für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge offen sein. Hätte ich keinen Spaß daran gehabt und keine Bereitschaft gezeigt, mich den ökonomischen Fragen zu stellen, wäre ich nicht weit gekommen“, so Birr. Sein Erfolg gibt ihm recht. Aus der Position des Geschäftsführers der RWE Key Account GmbH löste er den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Knut Zschiedrich bei Westfalen-Weser-Ems in Dortmund ab. Jetzt muss er seine Vielseitigkeit und seine Leidenschaft für Herausforderungen erneut unter Beweis stellen. „Ich habe das erste Mal mit einer Kundengruppe zu tun, die ich bisher noch nicht kannte, nämlich den Kommunen“, erklärt Birr.

Von deren Versorgungskonzessionen hängt es ab, welcher Strom- und Gasversorger das Recht bekommt, die Versorgungsnetze zu betreiben. „An diesen Konzessionen hängen die Arbeitsplätze unserer Kollegen. Wir glauben, dass wir die Strom- und Gasnetze am effektivsten betreiben können“, so Birr, der sich nun auch auf sensiblem politischem Parkett bewegen muss. „Es ist ein doppeltes Spiel – wir sind Verkäufer für Strom und Gas direkt an die Verbraucher und Dienstleister für die Städte und Gemeinden.“ Gleichzeitig muss sich Birr bei Westfalen-Weser-Ems auch um die stark technisch orientierten Betriebsbereiche kümmern, die mit dem Betrieb und der Wartung der Netze betraut sind. „Zwei Drittel der Belegschaft arbeiten im Netzservice.“

Sein Rezept für den Erfolg: „Ich sehe es als Berufung an, mich in Gebieten zu profilieren, in denen ich bisher noch keine Performance gebracht habe.“ Und man glaubt es ihm. Schließlich hat sein Job auch einige unangenehme Seiten. Als „Buhmann“ für die enormen Gaspreiserhöhungen in den letzten Monaten geradezustehen, ist auch eine seiner Aufgaben. „Sachlichkeit, Ruhe und Geduld sind hier gefragt“, so Birr. „Man muss erklären, dass das Versorgungsniveau hier in Deutschland nur zu halten ist, wenn mit viel Geld Versorgungsnetze ausgebaut und modernisiert werden. Und dieses Geld muss verdient werden.“ BEATE PELZ

Ein Beitrag von:

  • Beate Pelz

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