Energie 01.02.2008, 19:33 Uhr

„Wir wollen vom Geschäft mit der Sonne profitieren“  

regenerative Energien. Geschäftsführer Hans-Joachim Bender will den Umsatz des Holz- und Elektronik-Anlagenbauers bis 2010 um 50 % auf 150 Mio. € steigern. Dabei setzt der Chef von weltweit rund 700 Mitarbeitern auf das Produkt Sonne. Zum Jahreswechsel stellte Bürkle die erste Photovoltaik-Anlage her.

Bender: Das tun wir nicht. Im Gegenteil: Wir bauen eine zusätzliche Kernkompetenz auf.

VDI nachrichten: Sie bauen aber doch bislang Maschinen und Anlagen für die Holz- und Parkettindustrie sowie für die Elektroindustrie.

Bender: Wir sind Spezialisten für alles, was laminiert oder gepresst wird. Und genau diese langjährige Kompetenz übertragen wir nun auf die Anlagen, mit denen Solarfirmen in Zukunft Photovoltaik-Module herstellen. Das Schöne dabei ist, dass uns dieses neue Standbein erlaubt, in den Stammmärkten Holz und Elektronik aggressiver zu agieren.

VDI nachrichten: Wie das?

Bender: Ganz einfach: Auf drei Beinen steht man besser als auf zwei. Unsere Gemeinkosten verteilen sich künftig auf drei statt wie bisher auf zwei große Sparten: Holz, Elektronik und nun neu Photovoltaik.

VDI nachrichten: Was bedeutet das konkret?

Bender: Durch den Umsatzzuwachs, der mit den Photovoltaik-Anlagen entsteht, können wir unsere Produktzyklen von bisher zwei bis drei Jahren deutlich verkürzen. Damit werden wir im Holzbereich deutlich flexibler und können somit stärker im Markt agieren statt reagieren zu müssen.

VDI nachrichten: Wer hatte die Idee, den neuen Markt und dessen Technologie aufzugreifen?

Bender: Wir sind seit Jahren auf der Suche nach neuen Märkten. Ausschlaggebend war die Prognose einer Bank. Die Sarasin-Studie, mit der wir uns 2003 zum ersten Mal beschäftigt haben, prognostizierte eine steigende Nachfrage nach Photovoltaikmodulen. Der von uns errechnete Bedarf an entsprechenden Anlagen lag für Bürkle bei drei bis vier Stück pro Jahr. Zu wenig, um richtig zu investieren. Zwei Jahre später war der Bedarf, gerechnet auf den Daten einer neuen Studie, deutlich gestiegen. Für uns der Startschuss, ins Solargeschäft einzusteigen.

VDI nachrichten: Wie lange mussten Sie forschen und entwickeln?

Bender: Die Photovoltaik-Branche beobachten wir seit gut sechs Jahren. In dieser Zeit haben wir den Markt analysiert und geprüft, was machbar ist. Intensiv geforscht und entwickelt haben wir gut drei Jahre und unterstützt hat uns zu Beginn das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg.

VDI nachrichten: Können Sie beziffern, wie hoch Ihr Investment ist?

Bender: Zunächst hatten wir nur Personalkosten in der Konstruktion und Kosten für Studien von Forschungseinrichtungen. Später haben wir in Versuchs- und Pilot-Anlangen knapp 2,5 Mio. € investiert. Um die Projekte, die in Zukunft auf uns zukommen, abarbeiten zu können, sind in den nächsten zwei bis drei Jahren nochmals 7 Mio. € bis 8 Mio. € erforderlich.

VDI nachrichten: Und wie viel zahlt ein Kunde für eine neue Anlage?

Bender: Die Photovoltaik-Laminatoren mit einer Etage starten bei 400 000 €. Werden mehrere Etagen verlangt, landen wir bei 2 Mio. €. Aber das Entscheidende ist, dass wir uns nicht als Maschinenbauer verstehen. Unser Ziel ist es, Lösungen zu liefern. Im Verbund mit anderen Firmen sind wir in der Lage, das komplette Backend für die Modulherstellung zu liefern.

VDI nachrichten: Stehen Ihnen Geldgeber für die Neuausrichtung zur Seite?

Bender: Die Entwicklungskosten finanzieren wir aus unserem Cashflow. Bei dem Zukunftsinvest unterstützt uns unsere Hausbank.

VDI nachrichten: Ab wann verdienen Sie mit den Photovoltaik-Anlagen Geld?

Bender: Schnell. Es gehört zu unserer Firmenphilosophie, einen Teil des Ertrags immer in Neuentwicklungen zu stecken. Da somit ein Großteil der Entwicklungskosten schon aus den Ergebnissen der Vorjahre finanziert wurde, müssen wir jetzt nur noch Zusatzeffekte berücksichtigen.

VDI nachrichten: Dieses Jahr steht also im Zeichen des Wachstums. Welches Umsatzziel haben Sie 2008?

Bender: Insgesamt rechnen wir mit 125 Mio. € Gesamtumsatz für 2008. Diese Steigerung kommt nahezu ausschließlich aus der Photovoltaik. Wir haben heute schon einen Exportanteil von 90 % und damit generell den Weltmarkt im Fokus. Für Photovoltaik zielen wir zunächst auf den europäischen Markt – aber auch Asien und dann den Rest der Welt.

VDI nachrichten: Wo werden die Solarmodule eingesetzt?

Bender: Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unerschöpflich: Riesige Solarfelder oder Schallschutzwände an Autobahnen. Solaranlagen dienen sogar zur Alterssicherung. Es gibt Investoren, die mieten Dächer von Tennishallen an und montieren darauf Solarmodule. Die gewonnene Energie wird ins Netz eingespeist. Nach sechs Jahren ist die Investition bezahlt. Weil es auf die Module 20 Jahre Garantie gibt, wird 14 Jahre lang, fast ohne Risiko, richtig Geld verdient.

VDI nachrichten: Gab es Probleme bei der Entwicklung?

Bender: Unsere Kernkompetenz ist das Laminieren von Holz und Kunststoff. Der Einstieg in die Photovoltaik-Branche bedeutet für uns nur, diese Kompetenz auf das Laminieren von Glas und Glas auf Folie zu übertragen. Sicherlich gab es einige Neuentwicklungen aber keine grundsätzlichen technologischen Probleme.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielen Kundenvorgaben bei den neuen Anlagen?

Bender: Wir wollen in Richtung Prozesstechnologie Standards setzen. Diese Vorreiter-Rolle nehmen wir gerne an, um gemeinsam mit den Kunden Neues zu testen. Etwa in Richtung Klebetechnik oder bei der Optimierung der Prozesse. Da ist noch eine Menge Musik drin.

VDI nachrichten: Sind weitere Produktlinien geplant?

Bender: Wir wollen bei Automobilzulieferern einsteigen. Aktuell arbeiten wir mit einem Karlsruher Start-up-Unternehmen, an dem wir mit 51 % beteiligt sind, an neuartigen Anlagen zur Herstellung von Interieurteilen für Automobile. Unser Ansatz ist, dass wir Teile, wie den Himmel oder Armaturen, die bisher aus PUR-Schaum hergestellt werden, aus recycelbaren Faserstoffen herstellen müssen. Da die Automobilindustrie künftig die Autos zurücknehmen muss, werden wir hier sicher punkten. MICHAEL SUDAHL

  • Michael Sudahl

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