Windkraft 25.08.2000, 17:26 Uhr

Windkraftanlagen nutzen die frische Brise auf dem Meer

Bei der Nutzung der Windenergie mit Anlagen im Meer spielen die Dänen eine Vorreiterrolle. Nun wollen auch deutsche Windparkbetreiber die frische Brise zur Stromerzeugung nutzen. Sie haben eine Reihe von Offshore-Projekten in Vorbereitung.

Die besten Standorte an der Küste sind vergeben, selbst die guten Binnenlandstandorte werden in den nächsten zwei Jahren knapp werden – deshalb zieht es die Windenergie-Branche auf das Wasser. Immer mehr Unternehmen planen „Offshore-Windparks“ in der Nord- oder Ostsee. Von den bisherigen Windparks werden sie sich vor allem in drei Punkten unterscheiden: Sie werden größer, teurer und technisch aufwändiger. Dafür dürften sie aber auch rentabler werden: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz von Anfang April fördert Offshore-Windkraft bevorzugt. Sofern sich die Mühlenflügel spätestens 2006 drehen, wird der Strom mit 17,8 Pf/kWh vergütet werden. Und das über neun Jahre, statt wie bei den Anlagen an Land nur über fünf Jahre.
„Wir werden voraussichtlich noch im August die konkrete Planung für unser erstes Offshore-Projekt vorstellen“, sagt Heinrich Lohmann, Vorstand der Umweltkontor AG, einer der großen deutschen Windpark-Projektierer. Bis ins Jahr 2005 werde die Fertigstellung des Parks allerdings dauern. Größe und Standort will Lohmann noch nicht verraten: „Wir sind im Stadium des Genehmigungsverfahrens, das ist zu sensibel.“ Nur so viel gibt er preis: Die Anlagen werden von der Küste her mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sein und nicht im Wattenmeer liegen – aus Umweltgründen und um die Tourismusbranche nicht zu beeinträchtigen. Zur Finanzierung des, so Lohmann, „riesengroßen“ Projektes bieten sich Fonds an. „Vom Volumen her geht das aber in Richtung Flugzeug-Fonds, also ca. eine Milliarde Mark“, erläutert Lohmann.
Achim Ernst, Planungsingenieur im Bereich Offshore bei der Winkra-Energiegesellschaft in Hannover, sagt: „Wir planen verschiedene Offshore-Anlagen. Das Projekt, das am weitesten fortgeschritten ist, wird in der schleswig-holsteinischen Nordsee realisiert werden, 17 km nord-östlich von Helgoland.“ Es umfasst zwei Baustufen: Die erste sieht 100 Windräder vor mit einer Nennleistung von jeweils 4 MW bis 5 MW, also 400 MW bis 500 MW insgesamt. Die zweite Stufe würde die Leistung verdoppeln. Ernst: „Wir hoffen, im Frühjahr 2005 mit dem Bau beginnen zu können. Die ersten Anträge sind gestellt.“ Bereits für die erste Ausbaustufe kalkuliert Winkra mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Mrd. DM bis 2 Mrd. DM. Neben Banken und Versicherungen will Winkra auch Privatanleger in die Finanzierung einbinden.
Noch früher als Umweltkontor und Winkra will die Wilhelmshavener Plambeck Neue Energien AG in See stechen: „Die ersten Anlagen der Drei-Megawatt-Klasse sollen bereits 2003 errichtet werden“, sagt Plambeck-Pressesprecher Rainer Heinsohn. Plambeck hat im Juni beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie einen Antrag für das Offshore-Windpark-Projekt „Borkum Riffgrund“ eingereicht. In der Nordsee, rund 35 km vor der ostfriesischen Insel Borkum, will Plambeck bis zu 579 Windkraftanlagen errichten, in einer Wassertiefe von 25 m bis 33 m. Die Gesamtinvestitionen für den Windpark mit gut 1700 MW Nennleistung schätzt das Unternehmen auf rund 1,75 Mrd. DM. „Die Finanzierung werden wir über Beteiligungsgesellschaften organisieren“, erklärt Heinsohn.
Die ersten Offshore-Windparks wurden in Dänemark gebaut: 1991 wurde die „Vindeby Windfarm“ in der dänischen Ostsee nördlich der Insel Lolland errichtet. Der Windpark besteht aus elf 450-kW-Windrädern der Firma Bonus. 1995 baute die dänische Firma Midtkraft den Offshore-Windpark Tunø Knob zwischen der Halbinsel Jütland und der kleinen Insel Tunø. Doch die Dänen haben Größeres vor: Ihr „Dänischer Aktionsplan für Energie 21“ sieht vor, dass bis 2030 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 4000 MW in Betrieb gehen. Mit den restlichen, an Land installierten 1500 MW würde das Land 50 % seines gesamten Stromverbrauchs mit Windenergie decken.
Mit einer Gesamtinvestitionssumme von rund 14 Mrd. DM stellt der dänische Aktionsplan die weltweit größte Investition im Bereich Windenergie dar. Noch in diesem Jahr soll ein kleinerer Offshore-Windpark mit 40 MW direkt vor der Küste Kopenhagens entstehen. Eine dänische Studie geht davon aus, dass der Windstrom aus einer Offshore-Anlage nur ca. 9 Pf/kWh kosten wird. Wenn die von deutschen Unternehmen geplanten Anlagen in etwa zu diesem Preis produzieren werden, dürften sie hochrentabel sein – bei 17,8 Pf/kWh, die das Gesetz als Preis für den eingespeisten Strom vorsieht, ist ein satter Gewinn möglich.
Der größte Vorteil der Meeres-Windfarmen wird der gegenüber dem Land stetigere und stärkere Wind auf See sein. Doch dem stehen eine Reihe von Problemen gegenüber: So wird die Materialbelastung auf See höher sein, etwa durch Spritzwasser und Korrosion. Hier sollen spezielle Oberflächen helfen. Auch die Fundamente müssen wesentlich aufwendiger als an Land sein. Teilweise werden sie wie Brückenpfeiler errichtet werden, mit Beton-Senkkästen andere Anlagen werden voraussichtlich wie Ölplattformen verankert werden. Zudem wird die Anbindung an das elektrische Netz schwierig: Hier müssen Unterseekabel im Meeresgrund vergraben werden, um Schäden durch Fischereigeräte oder Anker zu vermeiden.
Doch die Windbranche ist zuversichtlich: Die Technik entwickelt sich schnell. Zusätzlich hilft die Politik – zuletzt in Deutschland durch die Vereinbarung zum Atom-Ausstieg: Er wird den Bedarf an erneuerbarer Energie noch erhöhen. JÖRG WEBER

Von Jörg Weber
Von Jörg Weber

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