Marktforschung: Windkraft 20.01.2012, 12:01 Uhr

Windenergie muss sich konsolidieren

Während sich Strom aus Windenergie im deutschen Markt als wichtige Komponente etabliert, stehen die Zeichen im Markt für die Anlagen auf Sturm. Die Marktforscher von Frost & Sullivan sehen weltweite Überkapazitäten, der weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas fährt ein striktes Sparprogramm.

Der weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas aus Dänemark reagiert mit Jobabbau auf die steigenden Kosten. 2335 Stellen wolle man streichen, teilte der Konzern Ende letzter Woche mit – rund 10 % der gesamten Belegschaft –, um auch so mehr als 150 Mio. € bis Jahresende 2012 einzusparen. Zudem stünden weitere 1600 Stellen in US-Herstellungsstätten auf der Kippe.

Für das abgelaufene Jahr erwartet Vestas nur noch einen Umsatz von rund 6 Mrd. €. Im Oktober 2011 hatte der Konzern seine Prognose von 7 Mrd. € auf 6,4 Mrd. € gesenkt. Zudem rechnet das Unternehmen nicht damit, vor Steuern und Zinsen (Ebit) einen Gewinn zu erzielen. Zuvor waren noch 255 Mio. € in Aussicht gestellt worden.

Windenergie unter Druck: Windturbinenhersteller Vestas fährt Sparprogramm

Vestas leidet unter dem scharfen Wettbewerb, der zu Kampfpreisen führte, sowie den hohen Kapitalanforderungen beim Bau von Offshore-Windparks. Zudem stehen in vielen schuldengeplagten Ländern Subventionskürzungen für erneuerbare Energien an. Die Branche, zu der neben Vestas etwa die deutsche Repower mit seiner indischen Konzernmutter Suzlon sowie Nordex gehören, leidet seit Längerem unter großen Überkapazitäten. Das sorgt für Preis- und Margendruck.

Der deutsche Vestas-Konkurrent Nordex teilte letzte Woche mit, im vierten Quartal 2011 sei der Auftragseingang um 32 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 400 Mio. € gestiegen, was für 2011 eine Neugeschäft von 1,1 Mrd. € ergebe. Von daher erhofft sich Nordex, 2012 wieder „profitabel zu wachsen“. Allerdings schätzt das Unternehmen, 2011 rote Zahlen zu schreiben: Bei einem Jahresumsatz von 920 Mio. € erwarten die Hamburger einen operativen Verlust vor Sonderaufwendungen von 10 Mio. €.

Vom Boom der Windenergie profitieren vor allem chinesische Hersteller

Profiteure des Windkraftbooms der letzten Jahren waren die chinesischen Hersteller, so die Marktforscher von Frost & Sullivan. „Dieser Aufstieg wurde durch die inländische Nachfrage nach Windenergie vorangetrieben“, heißt es. Zusätzlich gebe es die Vorgabe, dass 70 % der Komponenten für Windturbinen im Land produziert werden müssen.

Und der chinesische Boom dürfte weitergehen, denn die Ausbaupläne des Landes sind enorm. Unter Berufung auf den Fünfjahresplan 2011 bis 2015 teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit, dass die Windenergieleistung in China bis 2015 von 40 000 MW auf insgesamt 100 000 MW erhöht werden soll, davon 5000 MW offshore. Nach den letzten Zahlen lieferten sich China und die USA bisher mit jeweils rund 50 000 MW installierter Windkraftleistung ein Kopf-an-Kopf-Rennen, vor Deutschland (28 000 MW), Spanien (21 000 MW) und Indien (16 000 MW).

Frost & Sullivan (F & S) konstatiert jedoch eine „Schattenseite des raschen Erfolges“ der chinesischen Anlagenbauer: „China war Schauplatz der bei Weitem höchsten Anzahl von Unfällen durch Fehler und Störungen bei Windturbinen, bei denen es zu massiven Stromausfällen kam und sogar Menschen ums Leben kamen.“

Europäische Windenergie hat noch einen Vertrauensvorsprung im Markt

Die chinesischen Hersteller müssten „in erster Linie eine Reihe von technologischen Qualitätsfragen klären, bevor sie in der Lage sein werden, Technologielösungen auf dem Niveau der etablierten westeuropäischen Hersteller anzubieten“, erklärt Alina Bakhareva, Renewable Energy Research Managerin bei F & S. Sie rechnet damit, dass die chinesischen Anbieter erst über viele Jahre fehlerfreien Betriebs das nötige Vertrauen im Weltmarkt aufbauen müssen. Trotz Krise bei den Anlagenbauern, im deutschen Strommarkt etabliert sich die Onshore-Windkraft zur festen Größe. Im Dezember wurde laut Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) seit Einführung der Technik in einem Monat noch nie so viel Strom produziert: 8,5 Mrd. kWh.

Fast die Hälfte des Windstroms aus Deutschland wird seit Jahresbeginn direkt am freien Strommarkt abgesetzt, so der BDEW. Vor allem Norwegen kaufe im großen Stil den Strom auf.

Hauptgrund für den Boom ist die seit Anfang des Jahres gewährte „Marktprämie“. Mit ihr kann günstiger Ökostrom direkt am regulären Markt verkauft werden. Dies gilt als Signal für die Wettbewerbsfähigkeit des Windstroms. Der BDEW rechnet damit, dass im Januar so die Windkraftleistung von umgerechnet einem Dutzend KKW abgesetzt werden wird.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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