Windkraft 23.09.2005, 18:40 Uhr

Windenergie im Gegenwind  

VDI nachrichten, Husum, 23. 9. 05 – Es gibt viele Planungen und einige Genehmigungen – aber Windparks vor den Küsten Deutschlands sind noch lange nicht in Sicht. „Die Rahmenbedingungen sind nicht ideal“, sagte Andreas Eichler vom Bundesverband WindEnergie auf der weltweit größten Messe für Windenergie in Husum (Schleswig-Holstein). Bis zum 24. September präsentieren sich dort 520 Aussteller den über 20 000 Fachbesuchern.

Während weltweit bereits Windkraftanlagen mit rund 600 MW Gesamtleistung auf den Meeren installiert sind, herrscht in Deutschland Ebbe. Erstes Opfer der schwierigen Realisierung ist der Bürgerwindpark Butendiek, an dem über 8000 Personen beteiligt sind. Geplant war der Baubeginn bereits im Sommer des kommenden Jahres, die Inbetriebnahme für 2007 vorgesehen. Jetzt liegt Schleswig-Holsteins Vorzeigeprojekt auf Eis. Dem 34 km westlich von Sylt geplanten Park mit 80 Windenergieanlagen sind die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Die explodierenden Stahlpreise haben die Investitionskosten von 420 Mio. € auf 500 Mio. € steigen lassen. Hinzu kommen zusätzliche Anforderungen der Banken an Gewährleistungen und Bürgschaften.

Der als Generalunternehmer geplante Windkraft-Anlagenhersteller Vestas in Husum hat vorerst einen Rückzieher gemacht. Die Banken hätten gefordert, das Risiko zu 100 % zu tragen, so Eichler. International üblich seien aber nur 30 % der Investitionssumme. Für ihn ist klar, dass jetzt die Bundesregierung Flagge für den Offshore-Sektor zeigen muss. Denn hohe Kosten für die Infrastruktur der weit draußen vor der Küste und in über 20 m tiefem Wasser liegenden Anlagen verteuern und erschweren die Realisierung. Zudem sei die Offshore-Vergütung nicht so verlockend wie in anderen Ländern, so Eichler.

Auch das Hamburger Unternehmen Repower geht mit seiner weltweit größten Windanlage ins Ausland. Bisher dreht die 5-MW-Anlage mit einer Gesamthöhe von 183 m ihre Flügel lediglich im Industriegebiet an der schleswig-holsteinischen Westküste. Jetzt sollen zwei Windmühlen 25 km vor der schottischen Küste aufgestellt werden. „Das Zusammenspiel der gesamten Komponenten wird getestet“, so Jens Gößwein, Project Manager Offshore. Denn die Bedingungen auf dem Meer sind vollkommen anders als an Land. Der Salzgehalt, die höhere Windgeschwindigkeit und die schlechtere Erreichbarkeit stellen hohe technische und logistische Anforderungen an die Windbranche.

Vielleicht läuft Mecklenburg-Vorpommern bald Schleswig-Holstein den Rang ab. Die Planungen für zwei Windparks in der Ostsee sind weit vorangeschritten. Nur knapp 20 km vor der Küste soll „Baltic I“ entstehen. Sozusagen als erste Ausbaustufe mit Anlagen in einer Größe von 2 MW und 2,5 MW. Erst nach einer Testphase soll „Kriegers Flak“ in 35 km Entfernung mit 80 größeren Windmühlen folgen.

Dass Deutschland und die alte rot-grüne Bundesregierung mit der Förderung der Windenergie und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz richtig liegt, betonte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) bei der Eröffnung der Messe. „Wer das Gesetz schleifen will, würgt einen Motor für Arbeit und Beschäftigung ab und gefährdet somit Tausende von Arbeitsplätzen.“ Gesamtwirtschaftlich machen die Förderung und der Ausbau nach Ansicht von Trittin Sinn, der dies mit einigen Zahlen untermauerte. Im Bereich der erneuerbaren Energien sind 150 000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen worden. Bis zu 30 000 Arbeitsplätze könnten mit dem Ausbau der Offshore-Anlagen gesichert – 15 000 geschaffen werden. Trittin: „Das mit der Offshore-Entwicklung verbundene Investitionspotenzial wird auf rund 50 Mrd. € in den nächsten 25 Jahren geschätzt.“

Auch umweltpolitisch macht der Ausbau der regenerativen Energien nach Ansicht von Trittin Sinn: Beim Gesamtenergieverbrauch hätten sie mit einem Anteil von gut 6,4 % die Atom-Energie mit unter 6 % überholt. Kritik übte er an den „schikanösen“ Genehmigungsverfahren, die das Wachstum der Windkraftbranche auf dem Land gefährden – wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen.

Die Zukunft der erneuerbaren Energien hängt jetzt von der Zusammensetzung der künftigen Bundesregierung ab. Den christdemokratischen Standpunkt machte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Dietrich Austermann auf der Windmesse deutlich. Für ihn ist eine ideologiefreie Energiepolitik wichtig. Und dazu gehört für seine Partei auch der Weiterbetrieb des Kernkraftwerks in Brunsbüttel. „Ich hoffe, dass die Windenergie bei der neuen Regierung die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient“, sagte Andreas Eichler in Richtung Berlin. ANGELA SCHMID

Erneuerbare Energien haben bisher 150 000 neue Arbeitsplätze geschaffen

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