Solar 31.08.2007, 19:29 Uhr

„Wesentlich sind klar kalkulierbare Einspeiseregelungen“  

VDI nachrichten, Dortmund, 31. 8. 07, mav – Die Hannover Finanz Gruppe investiert zunehmend in Erneuerbare Energien. Das 1979 gegründete Private-Equity-Unternehmen begleitete unter anderem die Aleo Solar AG erfolgreich an die Börse. Über ihre „Evergreen-Fonds“ mit unbegrenzter Laufzeit realisiert die Gesellschaft Finanzierungen bis zu 150 Mio. €. Die VDI nachrichten sprachen mit Jörg Friedrich Bätjer, Prokurist und Fonds-Geschäftsführer der Hannover Finanz, über den Reiz der alternativen Energien für Investoren.

Bätjer: Wir sind dort aktuell mit ca. 10 % unseres Portfolios engagiert und wollen diesen Anteil weiter ausbauen. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Wachstumskapital und Nachfolgeregelungen. Im ersten Fall geht unser Geld in Form von Kapitalerhöhungen und nachrangigen Gesellschafterdarlehen ins Unternehmen und verstärkt die Eigenkapitalbasis. Das wiederum erleichtert dem Unternehmen die Aufnahme von Bankdarlehen. Damit generieren wir finanztechnisch einen Wachstumsmultiplikator. Der andere Einsatzzweck unserer Eigenkapitalinvestitionen sind Nachfolgeregelungen und Neuordnungen im Gesellschafterkreis.

Oftmals ist das zwingend geboten, wenn die Gesellschafter unterschiedliche Ziele und Risikopräferenzen haben. Ohne einen neutralen Dritten wie z. B. die Hannover Finanz kann sonst der Knoten nicht mehr gelöst werden.

Wir suchen neue Beteiligungsmöglichkeiten mit Investitionsvolumina in der Größenordnung von 5 Mio. € bis 150 Mio. €.

VDI nachrichten: Für wie interessant halten Sie Erneuerbare Energien?

Bätjer: Das ist der mit am stärksten wachsende Wirtschaftssektor. Die Unternehmen können regelmäßig ihr Wachstumspotenzial gar nicht ausschöpfen, wenn sie für die Finanzierung alleine auf den eigenen Cashflow und die Hilfe von Banken angewiesen sind. Das ist die klassische Ausgangslage für einen Wachstumsfinanzierer wie Hannover Finanz.

VDI nachrichten: Welche Bereiche halten Sie bei den Erneuerbaren Energien für besonders aussichtsreich?

Bätjer: Die Erneuerbaren Energien werden zunächst noch teurer sein als fossile Energieträger. Während dieser Übergangszeit sind deshalb klar kalkulierbare Einspeiseregelungen wesentlich für unsere Investitionen. Diese Voraussetzungen sind heute am ehesten für die Photovoltaik und die Windenergie gegeben.

Mehr Unsicherheit gibt es bei Bioethanol, und ganz schlecht ist die Situation beim Biodiesel, nachdem die Steuerbefreiung dort weggefallen ist. Volkswirtschaftlich halte ich die Solarthermie für den interessantesten Bereich. Dort lohnen sich Investitionen für den Anwender ohne staatliche Unterstützung bzw. Einspeisereglungen. Allerdings sind die ungeförderten Renditen niedriger als im regulierten Bereich. Volkswirtschaftlich gesehen schade, gerade die Solarthermie müsste gefördert werden, denn die Potenziale für Energie- und CO2-Einsparungen sind hier um ein Vielfaches höher als in den anderen Bereichen.

VDI nachrichten: Mit welchem Zeithorizont investieren Sie?

Bätjer: Die Hannover Finanz investiert über ihre Evergreen-Fonds. Diese Fonds haben kein definitives Laufzeitende. Wir können uns deshalb beim Exit danach richten, wann sich eine gute Situation für alle Beteiligten bietet. In der Regel ergibt sich so eine Zeitspanne von fünf bis sieben Jahren, oft aber auch länger kürzer unter anderem nur dann, wenn wir unsere Aufgabe erledigt haben und die Gesellschaft an der Börse ist.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie die Risiken für Investments im Bereich der Erneuerbaren Energien?

Bätjer: Die Risiken liegen im politischen Bereich. Unsicherheiten bei den Rahmenbedingungen, z. B. Veränderungen der Einspeisevergütungen, sind ein großes Handicap. Daneben gibt es die üblichen Risiken: Neue Technologien, die besser sind als das, was man selbst hat, Wettbewerber, die pfiffiger sind, Verbraucher im Käuferstreik etc.

VDI nachrichten: Was für Unternehmen sind für Sie interessant?

Bätjer: Wichtigste Voraussetzung ist, dass es sich nicht um ein einfaches Start-up handelt. Es müssen schon Umsätze von 10 Mio. € bis 20 Mio. € erzielt werden. Dazu müssen auch noch klare Alleinstellungsmerkmale am Markt zu erkennen und ein Management vorhanden sein, das klare Visionen und Ziele hat und dem wir auch die Umsetzung dieser Ziele zutrauen.

VDI nachrichten: Welche Rendite erwarten Sie für Ihre Beteiligungen?

Bätjer: Das Eigenkapital, das wir zur Verfügung stellen, ist Risikokapital, für das wir eine angemessene Risikoprämie erwarten. Wichtig für unsere Partner ist, dass es sich dabei in aller Regel nicht um Gelder handelt, die aus dem Unternehmen herausgehen, sondern erst erzielt werden, wenn wir unsere Anteile an der Börse realisieren oder an einen Strategen verkaufen.

VDI nachrichten: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen der Hannover Finanz und ihren Beteiligungsfirmen?

Bätjer: Bei all unseren Beteiligungen sitzen wir im Beirat oder im Aufsichtsrat. Aus dem Tagesgeschäft halten wir uns heraus. Allerdings werden wir über monatliche Reports zur operativen Entwicklung auf dem Laufenden gehalten. Wenn es Besonderes gibt, wird telefoniert, ansonsten sehen wir uns etwa vier Mal im Jahr.

JÖRG WEBER

Ein Beitrag von:

  • Jörg Weber

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