Biomasse 28.01.2011, 19:51 Uhr

Werbung mit fragwürdigen Wirkungsgraden

Ein schweizerisch-deutsches Unternehmen bietet Blockheizkraftwerke mit einem – nach eigenen Angaben – elektrischen Wirkungsgrad von 75 % auf dem Markt an. Als Untermauerung wird ein Gutachten der tschechischen Tochter des TÜV Süd herangezogen. Doch: Für das Gutachten wurde nur der Pflanzenölverbrauch der Anlage, nicht die Stromerzeugung selbst gemessen. Inzwischen beklagen sich geschädigte Anleger und gekündigte Mitarbeiter über das Unternehmen. Ein Gutachten des TÜV Rheinland soll jetzt Klarheit bringen.

Der Betrugsverdacht gegen die GFE-Group, die „Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energien“, mit Sitzen in der Schweiz und Nürnberg kommt von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Die Firmengruppe verkaufte laut Werbung „hochwirksame Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke“, die sie für 30 % zugesicherte Jahresrendite zurückmietete. Mit diesem Geschäftsmodell soll GFE laut Staatsanwaltschaft etwa 1000 Anleger um einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag betrogen haben.

Seit 30. November 2010 bangen GFE-Anleger um ihre Investitionen. An diesem Tag tauchte morgens um sieben Uhr die Polizei in Halle und Büros der Firma auf, untersagte das Weiterarbeiten und beschlagnahmte Computer und anderes. Acht von 21 Verdächtigen sind seither in Haft.

Die Kunden, so wurde geworben, sollten ihr Geld in ein Blockheizkraftwerk (BHKW) aus dem Hause GFE investieren (Investitionen in BHKW-Anteile waren nicht möglich). Für eine Anlage mit 50 kW elektrischer Leistung mussten interessierte Anleger 59 500 € auf ein Konto der GFE mbH mit der Mutter FI-Holding im schweizerischen Herisau überweisen. Laut Vertrag vermieteten die Käufer „ihr“ BHKW sofort an die GFE mbH mit Sitz in Nürnberg. Der Direktkauf und Eigenbetrieb eines BHKW wurde nicht angeboten.

Versprochene Rendite dieses „Sorglospakets“ der GFE: je 30 %, 20 Jahre lang. „Da sollte alles drin sein, von der Aufstellung des Kraftwerks-
containers über Inbetriebnahme, Wartung bis zum Betrieb. Auch um den Standort bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen: Den sucht die GFE für mich, hat der Vermittler gesagt“, erzählt eine Anlegerin. Nun hofft sie, aus inzwischen vermeintlich sichergestellten Millionen Euro wenigstens einen Teil ihrer Investition zurückzubekommen.

Leidtragende sind auch die rund 30 Angestellten der GFE Production GmbH, der Montagefirma der Gruppe. Ein ehemaliger Mitarbeiter erzählt, er habe am 1. Dezember 2010 das letzte Gehalt bekommen, doch erst am 15. Januar 2011 – dem Tag, an dem seine Kündigung wirksam wurde – konnte er Arbeitslosengeld beantragen. Dazwischen zahlte ihm das Sozialamt den Hartz-IV-Satz.

„Ich dachte, etwas mit aufgebaut zu haben, und jetzt stehe ich mit nichts da“, erinnert sich der Mitarbeiter an einige Monate Tätigkeit bei GFE. Selbst wenn dort die Arbeitsbedingungen nicht die besten waren: „Die Produktionshalle war ungeheizt. Ständig waren einige Kollegen krank.“ Dennoch wurde produziert. So sind von etwa 1000 bei der GFE-Group bestellten BHKW bis heute erst „ungefähr 15 Container mit einem oder mehreren Maschinen darin aufgestellt worden. Weitere 20 bis 30 Stück stehen fertig montiert auf dem Hof“, berichtet er.

Er und viele Kollegen waren sicher, das Kraftwerkskonzept der GFE funktioniere. Deshalb haben Mitarbeiter der GFE Production GmbH ihrem Ärger über GFE-Verantwortliche in einer Strafanzeige „wegen Betrugs und Sabotage“ Luft gemacht.

Der Grund für die Hoffnung der Mitarbeiter, mit solch einer Anzeige Erfolg zu haben, ist ein Gutachten des TÜV Süd Czech vom 25. Oktober 2010, das den VDI nachrichten vorliegt. Daraus sticht auf den ersten Blick ein Ergebnis hervor: „105,1 g Rapsöl pro kWh Stromerzeugung“ sollen mit einer „Emulsion 3 Teile Wasser, 1 Teil Rapsöl“ vom TÜV gemessen worden sein. Bei einem Energieinhalt von 10,5 kWh/kg würde das bedeuten: Das GFE-BHKW wandelt Rapsöl mit einem Wirkungsgrad von 91 % direkt in Strom um.

Ein Bericht von Gutachtern der Dekra Industrial GmbH Stuttgart bestätigte der GFE ebenfalls einen „Wirkungsgrad bei einer Fehlerbetrachtung von 10 % im Bereich von 82,8 % bis 91 %“. Laut Dekra war mit der GFE vereinbart, dieses Papier, bei dem es sich nicht um ein Gutachten handelt, nicht öffentlich zu verwenden, erläutert Thomas Beuke, Produktlinienleiter betrieblicher Umweltschutz bei der Dekra in Stuttgart.

Selbst bei Spitzenstromerzeugern gehen jedoch mindestens 40 % als Wärme verloren, erklärt Michael Wensing, Lehrstuhlinhaber für Technische Thermodynamik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Wensing beschäftigt sich seit Langem mit Verbrennungsvorgängen in Motoren. Er nennt den in dem Gutachten des TÜV Süd genannten Wert eines effektiven spezifischen Verbrauchs von 105 g Rapsöl für 1 kWh Strom „Unsinn“. „Bei einem typischen Heizwert von Rapsöl um 37,5 MJ/kg bedeutet dieser Wert einen effektiven Wirkungsgrad von 91 % für die Umwandlung der Kraftstoffenergie in elektrischen Strom – was unmöglich ist“, so Wensing (siehe auch Kasten).

Lubos Trnka, einer der tschechischen TÜV-Gutachter, stellt denn auch auf Nachfrage per E-Mail klar: Wie viel Strom das Kraftwerk lieferte, habe der TÜV nicht gemessen. Den Wert habe der Auftraggeber zugeliefert, also die GFE. Beim Test anwesend war auch der fränkische Chefentwickler der in den BHKW verwendeten „Nano-Emulsionstechnik“ aus Wasser und Rapsöl.

Nun wird das vom TÜV Süd bereits getestete BHWK in Testlabors des Konkurrenten TÜV Rheinland nochmals geprüft, diesmal im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Die rechnet demnächst mit Ergebnissen, diese lagen jedoch bis Redaktionsschluss nicht vor. HEINZ WRANESCHITZ

Von Heinz Wraneschitz

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