Wasserkraft 20.09.2002, 18:21 Uhr

Weiter voran mit Wasserkraft

Strom aus Wasserkraft – davon lässt sich mehr gewinnen als heute. Oberstdorf zeigt wie. Vor zehn Jahren begann Deutschlands südlichste Gemeinde mit dem Ausbau von Wasserkraftwerken. Inzwischen zieht sie aus dem tosenden Nass gut viermal mehr Strom als 1992. Genug für den privaten Strombedarf.

Ein Gruß aus den Bergen. Im Sommer 2001 lag ein Brief des damaligen Oberstdorfer Bürgermeisters Eduard Geyer bei Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Der Grünen-Politiker hatte kurz zuvor behauptet, bei der Wasserkraft seien in Deutschland „die Grenzen des Ausbaus erreicht“. Falsch, so die Antwort des südlichsten Rathauschefs in Deutschland. Er lud Trittin nach Oberstdorf ein, damit er selbst sehe, wie heimische Wasserkraft zum Klimaschutz beiträgt.
Wie genau, das weiß man in Oberstdorf seit dem 18. September 1992. Damals war dort gerade das neue Wasserkraftwerk Warmatsgund mit rund 4660 kW Nennleistung ans Netz gegangen. Seitdem liefert es 14 Mio. kWh Strom im Jahr – fast genug für den privaten Strombedarf der 10 000-köpfigen Oberstdorfer Bevölkerung.
Warmatsgund – der Name beginnt so wie ein anderes Energie-Vorhaben in Bayern während der 80er Jahre: Wackersdorf. „Wie von einem anderen Stern“ kam sich Oberstdorfs Bürgermeister Geyer deshalb vor, als er 1985 im Münchner Landtag um Genehmigung seines Wasserkraftwerks bei Franz-Josef Strauß bat. Wackersdorf ging unter. „Warmatsgund jedenfalls hat seine Fertigstellung erreicht“, sagt der damalige Rathauschef stolz.
Was die Oberstdorfer in dreieinhalb Jahren auf den ersten Blick kaum sichtbar in ihr Bergtal gebaut hatten, löste in dem Ski-Mekka selbst eine Welle ähnlicher Aktivitäten aus. Staumauern alter „Geschiebefänge“ gegen Hochwasser-Kiesanschwemmung in Bergbächen wurden umgebaut und boten Platz für neue Wasserturbinen. So entstand eine ganze Reihe neuer Kleinkraftwerke. Inzwischen lässt sich der private Elektrizitätsbedarf der örtlichen Bevölkerung komplett mit heimischem Strom aus Wasserkraft decken. Dies brachte der kommunalen Energieversorgung Oberstdorf in den Jahren 2001 und 2002 das Zertifikat „Öko-Strom regenerativ“ von der Landesgewerbeanstalt Bayern ein. Denn bei der Gewinnung von jährlich rund 22 Mio. kWh Strom in Oberstdorfs 14 Wasserkraftwerken entweicht kein Gramm Kohlendioxid in die Luft.
Doch in Deutschlands südlichster Gemeinde geht es um weit mehr als um CO2-Bilanzen. Unterm Strich spüle die Vergütung der am Ort produzierten elektrischen Energie aus Wasserkraft dank dem Erneuerbare-Energien-Gesetz rund 1,5 Mio. $ im Jahr nach Oberstdorf, verrät Peter Müller, Geschäftsführer der Energieversorgung Oberstdorf.
Weitere Wirtschaftszweige profitierten ebenfalls von der heimischen Wasserkraft, erläutert Müller. So beziehen die Beschneiungsanlagen am örtlichen Fellhorn-Skigebiet ihre Tropfen aus dem Speicherbecken des Wasserkraftwerks Warmatsgund. Andernorts verursachen solche Behälter für das Nass der Beschneiungsmaschinen Millionen an Baukosten.
Kein Wunder also, dass es vier we-tere Anträge für neue Wasserkraftwerke gibt. Sie sollen in Oberstdorf zusätzlich 7 Mio. kWh Strom im Jahr bringen. Heimisch und klimafreundlich.
JULIAN AICHER
Das Wasserkraftwerk Oberstdorf-Warmatsgund ist am 19. Oktober zur Besichtigung geöffnet. Informationen bei der Energieversorgung Oberstdorf unter Telefon 0 83 22 / 91 10.
www.energieversorgung-oberstdorf.de

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