Wasserkraft 20.06.2003, 18:25 Uhr

Wasserkraft macht Druck

Die Wasserkraft ist nach wie vor der dominierende Energieträger unter den regenerativen Energien. Doch die derzeitigen Wasserkraftreserven sind noch lange nicht ausgeschöpft. Durch Ausbau und Modernisierung vorhandener Wasserkraftwerke könnten die Kapazitäten noch um 30 % bis 40 % steigen.

Rund 8 % des in Deutschland erzeugten Stroms stammten 2002 aus erneuerbaren Energien. Vier Jahre zuvor waren es lediglich 5 %. Zahlreiche neue Windräder, Biomassekraftwerke und Photovoltaikanlagen sorgten für diesen Zuwachs. Den Hauptanteil an der regenerativen Stromerzeugung liefert aber nach wie vor die Wasserkraft: Etwa 24 Mrd. kWh oder 53 % des grünen Stroms kommen aus Wasserkraftwerken, meldet der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW).
Eine tragende Rolle spielt dabei die so genannte Große Wasserkraft. Sie stellt mit 90 Anlagen, die je über mindestens 10 MW Leistung verfügen, rund zwei Drittel des Stroms aus Wasserkraft bereit. Generell zählen Kraftwerksanlagen ab einer installierten Leistung von 5 MW und mehr zur Großen Wasserkraft. In Deutschland gibt es derzeit insgesamt 5709 Wasserkraftwerke, neun von zehn, die überwältigende Mehrheit, liegen mit ihrer Leistungskapazität aber unter 1 MW.
Neue geeignete Standorte für Wasserkraftwerke lassen sich in Deutschland kaum noch finden. Vor allem der Naturschutz verhindert, dass an Bachläufen und kleineren Flüssen weitere Eingriffe in die Gewässerökologie stattfinden. Dennoch ist eine Erhöhung der Kapazitäten möglich: Durch eine Reaktivierung stillgelegter Kleinkraftwerke und vor allem durch den Ausbau von Anlagen der Neuen Großen Wasserkraft an bestehenden Standorten. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) ist eine Modernisierung von bestehenden großen Wasserkraftwerken die effizienteste Art, den Ausstoß von Kohlendioxid in nennenswertem Ausmaß zu reduzieren und gleichzeitig die Umweltverträglichkeit der Anlagen zu verbessern.
Zu den leistungsfähigsten und schönsten Anlagen der Großen Wasserkraft in Deutschland gehören die Kraftwerke am Hochrhein zwischen Schaffhausen und Basel. Sie vereinen oftmals alten Glanz mit neuer Leistung. Die architektonisch beeindruckenden Gebäude mit bruchsteinernen Mauern und ihrer beinahe 100-jährigen Geschichte sollen jedoch nicht über das technische Innenleben hinwegtäuschen. Die Anlagen, aus denen die NaturEnergie Strom bezieht, wurden in den neunziger Jahren größtenteils aufgerüstet und die alten Francis-Turbinen durch moderne Straflo-Turbinen ersetzt.
Welche Leistungssteigerungen tatsächlich noch möglich sind, zeigt der geplante Neubau des NaturEnergie-Kraftwerks Rheinfelden am Hochrhein. Das älteste Flusskraftwerk Europas ist bereits seit 1898 in Betrieb. Durch ein höheres Gefälle und effektivere Turbinen soll jetzt die Gesamtleistung von 26 MW auf 116 MW gesteigert werden, was eine Verdreifachung der Stromproduktion von 200 Mio. kWh auf 600 Mio. kWh im Jahr bedeuten würde. Im Vergleich zu konventionellen Kohlekraftwerken erspart man der Umwelt damit 600 000 t Kohlendioxid im Jahr.
Der Neubau bringt aber noch mehr für die Natur: Wo heute der Einlaufkanal des alten Kraftwerks liegt, soll in Zukunft ein 900 m langes und 50 m bis 60 m breites naturnahes Fließgewässer entstehen, das die bisher eingesetzte Fischtreppe ersetzen wird. Die Strömungsverhältnisse in diesem Umgehungsgewässer werden sogar so günstig sein, dass es selbst Lachsen als Laichgewässer dienen kann, wenn sie eines Tages wieder bis in den Hochrhein wandern. Außerdem werden die Kraftwerksbetreiber eine Reihe von Auen, Brutinseln und Kiesbänke anlegen, die Lebensraum für Vögel, Wassertiere und Pflanzen bieten. Kein Wunder also, dass auch Naturschützer dieses Vorhaben unterstützen, das sauberen Strom für weitere 160 000 Haushalte liefern soll.
Der Neubau des Kraftwerkes Rheinfelden ist mit geschätzten Kosten von rund 400 Mio. $ das größte Bauvorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland. In einer ersten Bauetappe wird das Stauwehr für 76 Mio. $ erneuert, Spatenstich soll im Oktober dieses Jahres sein. Das Gesamtvorhaben, also der Neubau des kompletten Kraftwerks kann aber nur gesichert werden, wenn auch die Neue Große Wasserkraft Aufnahme ins Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) findet, in dem bislang nur Wind-, Solar- und Biomasseanlagen sowie die Kleine Wasserkraft gefördert werden. Bei Aufnahme der Neuen Großen Wasserkraft ins EEG und gleichberechtigter Förderung könnten mittelfristig weitere Ausbau- und Modernisierungspläne in Angriff genommen werden und im Einklang mit der Natur jede Menge sauberer Strom erzeugt werden.
ANDREAS FUßER

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