Biomasse 26.05.2000, 17:25 Uhr

Wärme und Strom vom Bauernhof

Statt in einen neuen Schweinemaststall zu investieren, wählen immer mehr Betriebsleiter eine Alternative. Sie setzen auf die Nutzung von Biogas und bauen sich ihr eigenes Kraftwerk auf dem Hof.

Wenn Landwirte über Fachliches sprechen, geht es meist um die Leistung ihres Traktors oder über die Misere der Schweinepreise. Jetzt gibt es ein neues Thema, das ebenso heiß diskutiert wird: Biogasanlagen. Denn nach dem jüngst beschlossenen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird Strom aus Biogasanlagen, die weniger als 500 kW leisten, jetzt mit 20 Pf/kWh vergütet – ganze 40 % mehr als bisher.
„Biogas – eine Produktionsalternative für die Landwirtschaft?“ lautete denn auch das Thema einer Tagung im Landwirtschaftszentrum Düsse nahe Soest. „Wenn wir es mit den nachwachsenden Rohstoffen und den regenerativen Energien ernst nehmen, müssen wir den Weg konsequent weiter gehen“, so Experte Dr. Karsten Block vom Landwirtschaftszentrum.
Biogasanlagen verheißen gleich mehrfachen Nutzen: Aus Umwelt belastenden Stoffen wie Gülle und Mist wird mit Hilfe von Milliarden Bakterien Energie gewonnen. Der beißende Geruch unentgaster Gülle könnte bald der Vergangenheit angehören, eine Biogasanlage verhilft sogar dazu, dass die Nährstoffe besser ausgenutzt und mineralische Dünger teils entbehrlich werden.
Die Technik ist mittlerweile ausgereift. Herzstück einer Biogasanlage ist der Gärbehälter. Hier werden optimale Lebensbedingungen für die in der Gülle enthaltenen Methanbildner geschaffen. Es kommt vor allem auf Temperatur, Mischintensität, Luft- und Lichtabschluss an. Bei der Auswahl des richtigen Fermentertyps ist zu unterscheiden zwischen stehenden und liegenden Systemen sowie der Art der Befüllung und der Entleerung, z. B. Batch-, Durchfluss- oder Speicherverfahren.
Mit dem Stromeinspeisegesetz von 1990 hat sich die landwirtschaftliche Gasverwertung schlagartig verändert. Zuvor nutzten viele Betriebe ihr Gas thermisch. Mit der neuen rechtlichen Regelung konnte auch eine Vergütung für den Biogasstrom erzielt werden. Während zunächst einfache Ottomotoren eingesetzt wurden, setzen sich heute zunehmend Diesel-Zündstrahlmotoren durch. Neben dem robusteren Aufbau ist der bessere Wirkungsgrad der wichtigste Vorteil. Derzeit wird intensiv an der Steuerungstechnik gearbeitet, dem Einsatz von Biodiesel oder Pflanzenöl als Zündmedien und an der weiteren Emissionsminderung.
Für Biogasanlagen besonders prädestiniert sind landwirtschaftliche Betriebe mit hohem eigenem Strom- und Wärmeverbrauch, aber auch Betriebe mit starkem Viehbestand oder mit freien Flächen für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen. Der Investitionsbedarf setzt bei 250 000 DM für eine Anlage mit 30 kW Leistung und 400 m3 fassendem Fermenter ein, kann aber auch mehrere Mio. DM erreichen.
Die PlanET Energietechnik GmbH im münsterländischen Vreden hat gerade eine Biogasanlage für einen Mischbetrieb mit 300 Großvieheinheiten – Hähnchen, Bullen und Schweine – für rund 500 000 DM gebaut, mehrere Anlagen sind in Planung. Das mit NRW-Landesmitteln gespeiste REN-Programm (Programm zur rationellen Verwendung von Energie und Nutzung regenerativer Energien) schießt 25 % Fördermittel zu, und die alternative Förderung aus Bundesmitteln liegt beim 30 %-Höchstfördersatz.
„Die Anlage läuft weitgehend ohne aufwendige Betreuung“, erklärt Geschäftsführer Jörg Meyer zu Strohe. Biogasfermenter und das Strom und Wärme erzeugende Blockheizkraftwerk beanspruchten in der Regel täglich halbstündige Kontrollgänge. Die Beobachtung muss genau sein, denn die hochsensiblen Bakterien im Reaktor müssen nicht nur gleichmäßig „gefüttert“ werden, auch die Verbindungen zwischen Stall und Biogasanlage sind im Auge zu behalten. Wenn beispielsweise im Stall Desinfektionsmittel oder Antibiotika eingesetzt werden, können die Mikroorganismen gehemmt werden. Bei falscher Dosierung kann die Gasproduktion zurückgehen.
Der Bau einer Biogasanlage muss genau kalkuliert werden. Grundsubstrat ist immer die Gülle. Schweine- und Rindergülle wird auch mit anderer Biomasse angereichert, wobei Puten- und Hühnermist besonders „gasaktiv“ sind. Kofermente vom Feld – Mais, Futterrüben, Energiegetreide und Gras – können ebenso dazukommen wie Herkünfte aus der Entsorgung. Das von den Bakterien erzeugte Biogas besteht zu etwa 60 % aus Methan, der Rest ist CO2 mit geringen Spuren anderer Verunreinigungen. Eine Alternative ist das gereinigte Biogas als reines Methan, das speicherbar ist. Dieses Gas ließe sich sogar ins Erdgasnetz einspeisen oder zum Autofahren nutzen.
Biogasplaner blicken optimistisch in die Zukunft. Die Tendenz geht in Richtung größere Anlagen. Beispielsweise rechnet sich ein biogasbetriebener 50-kW-Motor, wenn er 400 000 kWh Strom im Jahr erzeugt. Vergütet mit 20 Pf/kWh, nimmt der Landwirt dann jährlich zusätzliche 80 000 DM ein. Die Hersteller stellen sich bereits auf einen Boom ein und modifizieren schon heute ihre Blockheizkraftwerke für Biogas. KLAUS NIEHÖRSTER
Energie aus Biomasse: Jörg Meyer zu Strohe, Geschäftsführer der PlanET Energietechnik in Vreden, erklärt einem Kunden die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Betrieb von Biogasanlagen und Fermentern.

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