Energie 13.04.2007, 19:27 Uhr

Vision vom Kraftwerk ohne CO2-Ausstoß  

Einen Tag bevor in Brüssel der zweite Teil des UNO-Klimaberichts vorgestellt wurde, nahm der Energieversorger Vattenfall in Jänschwalde eine Testanlage für die CO2-freie Stromerzeugung aus Braunkohle offiziell in Betrieb. Dort werden Kraftwerksprozesse erprobt, die ohne die umweltschädliche Emission von Kohlendioxid auskommen. Doch eine Studie besagt, das CO2-freie Kraftwerk sei Utopie. Die Effizienz gehe zurück, die Anlage brauche mehr Brennstoff.

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Dies fordert entschlossenes Handeln von Industrie und Wirtschaft“, sagte Klaus Rauscher, Vorstandschef von Vattenfall Europe, am Gründonnerstag in Jänschwalde. Dort, auf dem Kraftwerksgelände, nahm der ostdeutsche Energieversorger offiziell eine Oxyfuel-Technikumsanlage zur Erprobung der CO2-Abtrennung aus Braunkohlekraftwerken in Betrieb.

Dieser Anlage will Vattenfall die nach eigenen Angaben weltweit erste Pilotanlage für ein CO2-freies Kraftwerk folgen lassen, die Mitte 2008 mit 30 MW thermischer Leistung in Betrieb gehen soll. „Bisherige Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Forschung zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit der Clean-Coal-Technologie werden wir hierzulande die Verstromung der Braunkohle auf lange Sicht umweltfreundlich sichern können“, sagte Rauscher weiter.

Der bei der Testanlage verwirklichte Oxyfuel-Prozess zählt zu den Technologien, mit denen erreicht werden soll, dass das bei der Braunkohleverbrennung entstehende Kohlendioxid nicht in die Atmosphäre abgegeben wird. Das CO2 wird hingegen bei dem Prozess bereits im Kraftwerk abgeschieden und verdichtet. So kann es dann z. B. tief unter der Erdoberfläche oder dem Meeresgrund dauerhaft gespeichert werden.

Bereits die ersten Forschungsergebnisse präsentierte die das Projekt begleitende Technische Universität Cottbus. Prof. Dr.-Ing. Hans Joachim Krautz berichtete über Erfolge bei der Verdichtung des Kohlendioxids in der Forschungsanlage. Dabei sei eine CO2-Konzentration von mehr als 85 % erreicht worden. „Dies ist ein erster Schritt. Ziel der folgenden Forschungsarbeit ist eine weitere Erhöhung bis hin zu den Bedingungen eines CO2-freien Kraftwerks.“

Eher ernüchternd sind die Ergebnisse einer Studie unter Federführung des Wuppertal-Instituts, in der die CO2- Abtrennung und -Speicherung untersucht wurde. Danach könnten die Emissionen von Treibhausgasen höchstens um 65 % bis 79 % reduziert werden. Hinzu kämen hohe Kosten, es sei eine großtechnische Verfügbarkeit erst ab 2020 möglich und es gebe Risiken bei der CO2-Einlagerung.

„Die Abtrennung und Speicherung ist eine CO2-arme, aber keine CO2-freie Technologie“, erklärte Dietmar Schüwer, einer der Autoren der Studie des Wuppertal-Instituts. Bei einem Steinkohle-Kraftwerk mit hohem CO2-Abscheidegrad würden die CO2-Emissionen lediglich um 76 % verringert. Ein Grund dafür sei vor allem der hohe Energieaufwand, insbesondere für die technische Abscheidung und Verflüssigung des Kohlendioxids. Dadurch verringere sich auch der Wirkungsgrad des Kraftwerks deutlich. Dazu Schüwer: „Das CO2 wird abgeschieden, doch die Effizienz wird aufgefressen, was zusätzlichen Brennstoffbedarf und CO2-Ausstoß verursacht.“ mg

Ein Beitrag von:

  • Manfred Grotelüschen

    Ressortleiter Elektronik/Energie bei VDI nachrichten. Seine Fachgebiete: Energiepolitik, Erneuerbare Energien, Energiewirtschaft.

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