Energieeffizienz 10.05.2002, 17:34 Uhr

Viel Druckluft verpufft unnütz

Eine Informationskampagne will den Druckluftanwendern helfen, ihre Stromkosten zu senken. Denn mangelhafte Kompressoren und Rohre vergeuden viel Energie.

Die rund 60 000 in Deutschland installierten Druckluftanlagen verbrauchen jährlich etwa 14 Mrd. kWh Strom. Das entspricht der Energie von 1,3 großen Kernkraftwerken. Davon könnten leicht 15 % bis 20 % eingespart werden, meinte Peter Radgen vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI),Karlsruhe, Ende April auf einer Druckluft-Tagung in Würzburg/Veitshöchheim. Das ISI sowie die Deutsche Energie-Agentur (Dena), Berlin, und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt/M., sind Organisatoren der Kampagne „Druckluft effizient“. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert und von 19 Industriepartnern aus der Druckluftbranche unterstützt.
Mit der Energiesparkampagne sollen die Betreiber von Druckluftanlagen zur Optimierung ihrer Systeme motiviert werden. Die Ansätze hierzu sind zahlreich und Verbesserungen relativ einfach zu realisieren. Peter Radgen: „Wir haben Unternehmen gesehen, bei denen 25 % der Druckluftenergie durch Leckagen verloren gehen. Da werden jährlich bis 140 000 $ sinnlos in die Luft geblasen.“ Hinzu kommen schlecht aufeinander abgestimmte Systemkomponenten, falscher Leitungsdruck und das Fehlen einer Wärmerückgewinnung bei den Kompressoren.
Viele Einsparpotenziale sind ohne nennenswerte Investitionen zu erschließen, zum Beispiel durch verbesserte Wartung. Andere Maßnahmen sind mit Ausgaben verbunden, die sich nach Einschätzung von Radgen allerdings innerhalb von ein bis zwei Jahren amortisieren. Außerdem gibt es im Bereich Energieeinsparung und rationelle Energienutzung viele Förderprogramme, getragen von der EU, von Bund und Ländern, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Ausgleichsbank.
Dass die Chancen zum Energie- und damit Kostensparen in den Betrieben allzu oft nur unzureichend genutzt werden, liegt laut Radgen zum Teil an den Herstellern der Druckluftanlagen: In der Druckluftbranche herrsche das Denken in einzelnen Komponenten vor. Kompressorenhersteller fühlen sich nur für Kompressoren verantwortlich. Gleiches gelte für die Produzenten von Anlagen zur Druckluftaufbereitung. Um die Einsparpotenziale jedoch ausschöpfen zu können, müsse man die Druckluftanlagen jedoch als Gesamtsystem betrachten – von der Erzeugung über die Aufbereitung und Verteilung bis hin zur Nutzung.
Aber auch bei den Druckluftanwendern müsse ein Umdenken stattfinden. Sie seien häufig nicht bereit, mehr Geld für effizientere Anlagen zu investieren. Radgen: „Es wird leicht übersehen, dass die Investitionskosten für neue Anlagen über den gesamten Lebenszyklus gerechnet nur ein Drittel ausmachen, die Energiekosten für den laufenden Betrieb dagegen zwei Drittel.“ Gekauft werde in vielen Fällen die in der Anschaffung preiswerteste Anlage, nicht die energieeffizienteste.
Um Abhilfe zu schaffen, haben die Projektteilnehmer von „Druckluft effizient“ ein internetbasiertes Hilfsmittel entwickelt, mit dem der Anwender für seine Anlage die Lebenszykluskosten ermitteln kann. Zusätzlich startete in diesem Frühjahr eine Vorort-Messkampagne bei den Druckluftanwendern: Fachleute checken in den Betrieben kostenlos das gesamte Druckluftsystem und zeigen individuelle Einsparmöglichkeiten auf. Die Ergebnisse werden vom Fraunhofer ISI wissenschaftlich ausgewertet.
Die Gratis-Kampagne ist auf rund 150 Teilnehmer begrenzt. Radgen: „Derzeit stehen etwa 50 Unternehmen fest. Es macht also durchaus noch Sinn, sich zu bewerben.“ Bislang haben sich überwiegend Unternehmen mit Druckluftanlagen über 300 kW Leistung aus der Chemischen Industrie, der Kunststoffverarbeitung und Metallbearbeitung für die Messkampagne interessiert. Laut Radgen gehören aber speziell auch die kleinen und mittleren Betriebe zur Zielgruppe der Kampagne. Die Bewerbungsunterlagen können von der Homepage herunter geladen werden. HELMUTH ZIEGLER

Von Helmuth Ziegler
Von Helmuth Ziegler

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