Energiemarkt 10.07.2009, 19:42 Uhr

Verflüssigtes Erdgas soll Versorgung sichern  

Während der Verbrauch von Erdgas in der EU weiter steigt und die Eigenförderung im Gegenzug sinkt, wächst die Importabhängigkeit. 4 m³ von 5 m³ Erdgas müssen im Jahr 2020 bereits in die EU importiert werden. Neben neuen Pipeline-Projekten soll auch der Einsatz von verflüssigtem Erdgas (LNG) helfen, die Versorgung zu sichern. VDI nachrichten, Barcelona, 10. 7.09, swe

Der Gasimport der EU erfolgt bislang vor allem über die bestehenden Pipelines aus Norwegen, Russland und Nordafrika. Fast die Hälfte der Kapazitäten von insgesamt etwa 320 Mrd. m³ pro Jahr entfällt dabei laut Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auf Russland, mehr als ein Drittel auf Norwegen.

Um die Erdgasversorgung langfristig sicherzustellen, sind weitere Pipelines im Bau bzw. geplant. Dazu zählen die Ostsee-Pipeline (Nord Stream), die Südosteuropa-Pipeline (South Stream), die Nabucco-Pipeline oder auch kleinere Projekte wie Galsi (Algerien-Italien) und Medgaz (Algerien-Spanien).

Erdgas kann auch in Form von verflüssigtem Erdgas (LNG: Liquefied Natural Gas) über den Seeweg transportiert werden. Terminals zur Regasifizierung des LNG gibt es in der EU bereits in Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Großbritannien. Neue Anlagen sind im Bau, u. a. in den Niederlanden.

In Deutschland musste die Bauentscheidung für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven mangels bindender Kapazitätsbuchungen zunächst wieder auf Eis gelegt werden, weiß Jochen Weise, Vorstandsmitglied von E.on Ruhrgas. „Hier spielte sicherlich die Konkurrenz des parallel entwickelten Projekts Gate in den Niederlanden eine Rolle. Wilhelmshaven bleibt aber eine wichtige Zukunftsoption für unser Unternehmen.“

E.on Ruhrgas hat am Terminal Gate, das 2011 fertig werden soll, Kapazität gebucht, berichtet Weise bei einem Besuch im spanischen LNG-Terminal Barcelona. Hier ist man seit 2007 aktiv. Regasifizierte Gasmengen werden im neuen Gas- und Dampf-Kombi-Kraftwerk Escatrón (südöstlich von Zaragoza) eingesetzt. Dort hat E.on ein altes Kohlekraftwerk mit 80 MW durch ein neues Gaskraftwerk mit über 800 MW ersetzt. Ab Herbst sind weitere Mengen im spanischen LNG-Terminal Huelva gebucht. Auch hier ist die Nutzung für ein neues GuD-Kraftwerk in Algeciras vorgesehen, das im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll.

Darüber hinaus hat E.on Ruhrgas in Großbritannien Kapazität gebucht und sich an Terminalprojekten in Italien und Kroatien beteiligt, ergänzt Weise. Als konkrete Lieferländer für LNG-Mengen hat man vor allem Länder in Nord- und Westafrika sowie im Mittleren Osten im Blick.

LNG werde derzeit zu einer wichtigen Säule der Gasbeschaffungsstrategie ausgebaut. Interessant sei das Geschäft auch, weil dadurch Wachstum auf einem Markt möglich ist, der „nicht einer strengen Regulierung unterliegt“ – im Gegensatz zum innerdeutschen Pipeline-Transportgeschäft mit Vorgaben durch die Bundesnetzagentur.

Spanien fungiert dabei wie ein „Musterland“, wie Lutz Feldmann, Vorstandsmitglied von E.on, bei der Vorstellung des Gas- und Dampf-Kombi-Kraftwerks Escatrón erläutert. Wird doch Spaniens Gasmarkt zu mehr als 70 % über LNG versorgt. Zum Vergleich: Frankreich wird zu 28 %, Belgien zu 14 %, Italien erst zu 3 %, Großbritannien zu 1 % und Deutschland noch gar nicht per LNG versorgt.

E.on-Vorstand Feldmann sieht langfristig die Nachfrage nach Erdgas steigen. „Europa steht bei der Deckung seines Gasbedarfs im globalen Wettbewerb.“ Vor allem Schwellenländer wie China und Indien werden nach Überwindung der Krise wieder verstärkt auf Erdgas zugreifen. Die Zahl der Gaskraftwerke zur Stromerzeugung wird dann weiter zunehmen, empfehlen sie sich doch durch hohe Wirkungsgrade, wie mit 57 % in Escatrón.

Für Länder wie Deutschland und das Vereinigte Königreich, das immer weniger Bedarf aus eigenen Gasquellen abdecken kann, werde LNG neben dem klassischen Pipelinegas immer wichtiger werden, unterstreicht Feldmann. „Denn eins hat uns der russisch-ukrainische Gaskonflikt vom letzten Winter nochmals deutlich gezeigt: Europa sollte aus Gründen der Versorgungssicherheit auf möglichst viele Gaslieferanten setzen.“

Der weltweite LNG-Markt wird auch nach Überzeugung von Weise im kommenden Jahrzehnt weiter wachsen – um jährlich etwa 7 %. Hingegen wird für Pipelinegas ein Zuwachs von 1,8 % pro Jahr erwartet. „Für die EU ist davon auszugehen, dass der heutige LNG-Anteil von rund 17 % am Erdgasaufkommen bis zum Jahr 2020 auf etwa 24 % steigen wird.“ ROBERT DONNERBAUER

Von Robert Donnerbauer Tags:

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