Wasserwirtschaft 15.08.2008, 19:36 Uhr

Uranaufkommen im Trinkwasser zuverlässig beherrschbar  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 8. 08, swe – Uran im Leitungswasser gefährdet Deutschlands Säuglinge, so die Botschaft einer Untersuchung deutschen Trinkwassers, deren Ergebnisse die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch letzte Woche veröffentlichte. Seitdem geistern drei Höchstwerte für eine gesundheitlich unbedenkliche Urankonzentration in Trinkwässern durch die Öffentlichkeit. Laut Umweltbundesamt stehen Technologien bereit, um Urankonzentrationen zuverlässig zu senken.

Uran kann langfristig giftig für die Nieren sein, und Säuglinge sind besonders sensibel. Anfang des Monats schreckte daher ein Bericht der Sendung „Report München“ Verbraucher, Politiker und Wasserversorger aus der Sommerruhe: Von 8200 Messungen deutscher Trinkwässer würden 950 von ihnen Urankonzentrationen aufweisen, die höher als 2 µg/l liegen.

Der Höchstwert von 2 mg/l ist seit 2006 Teil eines Kriterienkatalogs, den das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für abgepackte Wässer angibt, für die mit dem Aufdruck „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ in besonderer Weise geworben werden soll. Seit Ende 2007 sind die 2 µg/l als Grenzwert Teil der Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser.

Gefahr also für Deutschlands Säugling? „Das BfR sagte schon immer, dass bis zu 10 µg/l Uran auch für die Säuglingsernährung gesundheitlich sicher sind“, weiß Hermann H. Dieter, Professor und Direktor am Umweltbundesamt (UBA), der dort das Fachgebiet „Toxikologie des Trink- und Badebeckenwassers“ leitet.

„Den Wert von 10 µg/l Uran hat das UBA nach allen Regeln der regulatorischen Toxikologie aus Studien mit Versuchstieren und einer epidemiologischen Studie aus Finnland mit 325 Probanden abgeleitet“, so Dieter. Eine Studie, die zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation WHO Mitte der 90er Jahre noch nicht vorlag, als diese ihren Leitwert von 15 µg/l für Uran rein aus Tierversuchsstudien herleitete.

Ausgelöst durch die gesamte Diskussion empfahl das BfR Anfang 2008 die Ableitung eines Uran-Höchstwertes für Trinkwasser auf EU-Ebene. Es sollte Klarheit herrschen, welche Uranbelastung nun Handlungsbedarf bei den Trinkwasserversorgern auslösen müsste, und welche nicht. Hinzu kommt, so Dieter: „Deutschland ist bisher das einzige EU-Land, in dem es einen Richtwert für Uran im Trinkwasser gibt.“

Dennoch zeigte die Sendung des Bayerischen Rundfunks Handlungsbedarf auf. Die zugrunde liegende Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch enthielt nämlich sogar 150 Messwerte über dem Richtwert des Umweltbundesamtes von 10 µg/l. Das repräsentiere laut UBA „kaum 2 %“ der Wasserversorgungsanlagen.

„Diese Quote ist generell nicht ungewöhnlich, sondern bis zu dieser Höhe auch bei einigen Parametern mit Grenzwert ab Wasserversorgungsanlage (Mangan, Eisen, Mangan, Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel) oder in Hausinstallationen (Kupfer, Blei) zu beobachten“, weiß UBA-Experte Dieter.

Rein rechtlich bindet der UBA-Leitwert die Trinkwasserversorger nicht zwingend. „Er steht zwar nicht als Grenzwert explizit in einer Verordnung oder einem Gesetz, bekommt aber durch seine rechtliche Anbindung an die Trinkwasserverordnung einen bis auf Weiteres nach Art und Höhe rechtsverbindlichen Charakter“, erklärt Dieter. Danach dürften in Trinkwasser „chemische Stoffe nicht in Konzentrationen enthalten sein, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen“. Allerdings könnten sich dazu Trinkwasserversorger ebenso auf den WHO-Leitwert von 15 µg/l beziehen.

Abhilfe schüfe nur ein Grenzwert für Uran als Bestandteil der Trinkwasserverordnung. „Wenn dieser dann nicht eingehalten würde, ergäben sich aus § 9 der Trinkwasserverordnung als verbindliche Rechtsbasis Sanierungsauflagen, die binnen drei bis höchstens neun Jahren umgesetzt sein müssen“, so Dieter.

„Die Technologien dafür sind vorhanden“, weiß sein Kollege Hartmut Bartel, Fachgebietsleiter Wasseraufbereitung und Trinkwasserressourcen beim UBA. Zwei Ionentauschermaterialien hätten inzwischen die erweiterte Wirksamkeitsprüfung für Aufbereitungsstoffe von Trinkwässern bestanden. „Die Branche weiß schon seit längerem von dem Problem. Nur hat es etwas länger gedauert, bis man ein Material gefunden hat, das selektiv nur das Uran entfernt und nicht auch andere Trinkwasserbestandteile, die im Wasser verbleiben sollen“, erklärt Bartel.

Eine Anlage mit einem derartigen Verfahren ist im bayerischen Hirschaid im Einsatz. „Weitere Anlagen stehen in Östersund in Schweden, in einer Hotelanlage in Südtirol und in der Getränkeindustrie“, weiß Klaus Hagen vom Wassertechnologielieferanten Krüger Wabag, der die Anlage installierte. Die Kosten des Verfahrens seien überschaubar und variierten je nach Durchflussmenge und Rohwasserzusammensetzung. Als grobes Richtmaß gibt Hagen „5 Cent bis 15 Cent pro m3 Wasser“ an. Technisch ließen sich laut Hagen mit dem Verfahren Werte unter der Nachweisgrenze für die Urankonzentration erreichen.

STEPHAN W. EDER

Es fehlt ein Grenzwert für Uran im Wasser

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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