Energie 03.02.2006, 18:42 Uhr

Umweltfreundlicher Biogas-Strom aus der Kornbrennerei  

VDI nachrichten, Köstritz, 3. 2. 06, mg – Ein sächsisches Unternehmen hat eine Technologie für die dezentrale, abfallfreie Ethanolproduktion entwickelt. Dazu soll in Köstritz eine herkömmliche Kornbrennerei mit einer Biogasanlage und einem Block-heizkraftwerk gekoppelt werden. Der Bau hat im November begonnen, die Anlagen sollen im Juni in Betrieb gehen.

Wenn in Kornbrennereien Getreide zu Ethanol gebrannt wird, fallen große Mengen von Rückständen an. Diese so genannten Schlempen sind reich an Eiweiß und Rohfasern, weshalb sie als zusätzliches Tierfutter dienen. Allerdings verderben sie in ungetrocknetem Zustand leicht und bringen nur geringe Erlöse ein.

Das könnte man doch anders nutzen, dachte sich der Zwickauer Jochen Auerbach. Der promovierte Bergingenieur interessiert sich vor allem für die Kohlenstoffe, die in Eiweiß und Fasern stecken. Schon seit 1995 arbeitet er in der von ihm geführten LRZ Landhandels- und Recycling-Zentrum GmbH Neukirchen daran, Biogas aus den Ethanolschlempen herzustellen.

Im Jahre 1998 nahm LRZ eine Demonstrationsanlage für die dazu nötige spezielle Methanfermentation in Betrieb. Zur Anwendung dieser Technologie in dezentralen Anlagen wurde inzwischen mit den Stadtwerken Leipzig als Mehrheitsgesellschafterin die Wabio Bioenergietechnik GmbH & Co. Biokraftwerk KG gegründet. Diese Gesellschaft begann im November 2005 im Thüringer Bad Köstritz mit dem Bau des ersten 10 Mio. € teuren Ethanolwerks, in dem die neue Technologie eingesetzt wird.

Ab Juni 2006 soll in dieser Anlage zunächst Getreide in einem herkömmlichen Prozess zu Bioethanol gebrannt werden. Aus den dabei entstehenden Schlempen produziert die nachgeschaltete Fermentationsanlage dann Biomethan und Dünger. Um die Methanproduktion zu steigern, werden den Schlempen weitere pflanzliche Stoffe zugesetzt, besonders lignocellulosische Rückstände – das sind stroh- oder holzartige Stoffe – aus der Getreide-, Raps- oder Körnermaisernte.

Das angeschlossene Block-Heizkraftwerk (BHKW) gewinnt aus dem Biomethan Strom und Wärme. Die Motorabwärme aus den heißgekühlten Caterpillar-Maschinen (Kühlwassertemperatur >100°C) nutzen die Brennerei, die Methanfermentation und die Düngerkonfektionierung in Form von Heißwasser. Die anfallenden Abgase dienen dazu, Heißdampf für ein benachbartes Chemiewerk zu gewinnen.

Der erzeugte Strom soll in das Netz der E.on Thüringer Energie AG eingespeist und nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz sowie mit dem Bonus für Kraftwärme-Kopplung mit 11 Cent/kWh vergütet werden.

Die Einspeisevergütung macht den Strom neben dem Ethanol zum zweiten Hauptprodukt der Anlage. „Beide haben etwa den gleichen Wert“, erklärt Klaus-Joachim Pfeuffer, Leiter des SWL-Geschäftsbereichs Energienahe Dienstleistungen und Wabio-Geschäftsführer. Neuartig ist die Kombination von Brennerei, heißgekühltem BHKW und der Biogasanlage zur Verwertung der lignocellulosischen Inhaltsstoffe der Ethanolschlempen. Die besondere Bauart des Biogasreaktors, die Verfahrensführung und der Einsatz bestimmter Bakterienkulturen ermöglichen es, die Einsatzstoffe nahezu vollständig stofflich und energetisch zu verwerten.

„Abfallstoffe entstehen lediglich im Falle des Einsatzes verpackter Lebensmittel in Form von Verpackungsmittelresten“, erklärt Auerbach. Die Anlagengröße sei außerdem so gewählt, dass die Einsatzstoffe und Produkte nicht über das Territorium einer typischen Großgemeinde hinaus transportiert werden müssten.

Aus all dem leitet Auerbach deutliche Kostenvorteile der Wabio-Technologie gegenüber herkömmlichen Brennereien ab. Diesen Wettbewerbsvorsprung will das Unternehmen auch bei den nächsten 20 Werken nutzen, die es innerhalb von drei Jahren in den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu errichten plant.

Der erzeugte Bio-Ethanol dient zunächst als Einsatzstoff für die Alkoholwirtschaft. Zunehmend wird er jedoch für die Produktion von ethanolbasierten Otto- und Dieselkraftstoffen interessant. Wabio will deshalb einen Teil der in Bad Köstritz produzierten Menge zu Kraftstoff verarbeiten lassen und in eigenen Fahrzeugen sowie in Fahrzeugen von Partnerunternehmen nutzen.

Schon jetzt hat das Unternehmen zwei Ford Focus mit flexiblen Motoren im Fuhrpark, die neben Superbenzin auch den Ethanol-Kraftstoff E 85 schlucken. In Skandinavien bereits länger im Einsatz, sind diese so genannten Flexible Fuel Vehicles (FFV) seit August 2005 auch für den deutschen Markt freigegeben. Nach Auerbachs Ansicht kann die Region um die Köstritzer Nachbarstadt Gera bis 2007 die mit Biokraftstoffen bestversorgte deutsche Stadt werden. Bis dahin würden mit hoher Sicherheit drei bis vier Wabio-Produktionsstätten in der Region betrieben, so dass hier jährlich 30 Mio. l bis 50 Mio. l Kraftstoff verfügbar wären. „Damit könnten durchaus bis zu 40 000 Pkw bei mittlerer Laufleistung mit Kraftstoff versorgt werden.“ STEFAN SCHROETER

Von Stefan Schroeter
Von Stefan Schroeter

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