Energie 21.09.2001, 17:31 Uhr

Strom für eine saubere Karriere

Neue Gesetze und zunehmende Aufgeschlossenheit in Wirtschaft und Öffentlichkeit sorgen für anhaltende Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Die Branche lockt nicht nur Spezialisten, sondern auch Quereinsteiger.

Als reife die Entwicklung im Verborgenen, so wenig Wellen schlägt die Hände ringende Suche der „Erneuerbare-Energien-Branche“ nach Spezialisten. Ralf Jann, Personalleiter des deutschen Branchenführers im Windanlagenbau, jagt von Vorstellungsgespräch zu Vorstellungsgespräch. Aus lauter Zeitnot beantwortet der gestresste „Einstellungsmanager“ der Enercon GmbH aus Aurich keine Anfragen. Bundesweit stehen in der Windkraftindustrie rund 35 000 Beschäftigte in Lohn und Brot. So wie das Stromeinspeisungsgesetz des Jahres 1991 entscheidend den Windkraft-Boom ausgelöst hat, treibt auch das Erneuerbare Energien-Gesetz des Jahres 2000 die Branche an. Nach Auskunft von Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, bietet diese Branche schon jetzt 120 000 Arbeitsplätze, Tendenz steigend.

Windkraftanlagen und Kleinwasserkraftwerke, Photovoltaikmodule und Solarthermie-Panele, Biogasanlagen und Holzhackschnitzel-Heizkraftwerke – all dies sind technische Anlagen der erneuerbaren Energien, die stark an Bedeutung gewinnen. „Ein Eldorado also für Ingenieure, die dort an der Entwicklung neuer Technologien teilnehmen und einen Wachstumsmarkt der Zukunft erschließen“, sagt Dr. Thyge Weller, Energieberater aus Unterföhring bei München. Noch lässt sich keine typische Karriereleiter erkennen, denn das setzt etablierte Strukturen voraus. Einzelne Teilmärkte wie Wind, Solar oder Biomasse befinden sich in sehr unterschiedlichen Marktstadien. Der Windmarkt hat sich am weitesten entwickelt. „Dieser Sektor braucht vor allem Ingenieure des Maschinenbaus und der Elektrotechnik“, meint Dr. Norbert Allnoch, Leiter des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien in Münster. Aber auch versierte Techniker und Facharbeiter, die neugierig und vielfältig einsetzbar sind, haben sehr gute Chancen. „Die Solarunternehmen suchen vor allem Mitarbeiter für Vertrieb, Projektmanagement oder Schulungen“, ergänzt der Institutsleiter. Wer dann noch die Bereitschaft mitbringt, mit den sich entwickelnden neuen Technologien Schritt zu halten, der kann mit einer steilen Karriere rechnen.

Auch Manager aus anderen Branchen bekommen zunehmend bessere Chancen. Denn die Gründer der neuen Technologien sind im Wesentlichen oft von der technischen Idee begeistert, aber nicht immer unternehmerisch erfolgreich. Darum brauchen die Firmengründer kompetente, erfahrene Manager, um die betriebswirtschaftlichen Aspekte besser in den Griff zu bekommen. Allerdings sollten diese Manager aus anderen Branchen auch mutige, manchmal unkonventionelle Wege gehen und mit einem gewissen Mut, nicht Fahrlässigkeit, die neuen Unternehmen führen. „Vor allem IT-Manager finden gute Perspektiven, da die erneuerbaren Energien hohe Anforderungen an IT stellen“, berichtet Hans-Josef Fell, Mitglied des Deutschen Bundestages und Forschungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Auch der Handel, vor allem im Exportbereich, gewinnt zunehmend an Gewicht. International erfahrene Manager mit guten Auslandskontakten finden oft ungeahnte, neue Perspektiven.“

Anders als bei Großanlagen der konventionellen Energie stellen Windkraft-, Photovoltaik- oder Biogasanlagen die Energie jedoch eher dezentral bereit. Das fördert vor allem regionale kleine und mittelständische Unternehmensstrukturen, die Ingenieuren, Technikern und Handwerkern viel versprechende Perspektiven in der Planung, Installation und Wartung dieser Anlagen bieten. So steile Karrieren wie in der Software- oder Telekommunikationsbranche dürften allerdings die Ausnahme bleiben.

Noch bilden die Ausbildungsgänge vor allem Spezialisten aus. Ein Student der Betriebswirtschaft kennt nicht die Praxis in einem Solarunternehmen, ein Elektro-Lehrling muss sich üblicherweise nicht mit Fragen zu Marketing, Recht oder Solarem Projektmanagement auseinander setzen. Dem will die Solar-Akademie in Freiburg Abhilfe schaffen. Sie fasst seit Juli dieses Jahres diese Themenbereiche in einen Ausbildungsgang zusammen und verbindet sie mit der Praxis. Die Ausbildung soll die Basis legen für den Einstieg und den Aufstieg in Solarunternehmen oder in anderen Unternehmen der erneuerbaren Energie. WERNER BRUCKNER

 

Im Netz

Aktuelles und Stellenangebote

Unter www.solarserver.de und www.iwr.de können sich Interessenten nicht nur über Aktuelles aus Wirtschaft, Politik und Forschung informieren, sondern auch auf interessante Stellenangebote aus der Branche erneuerbarer Energien stoßen. Diese Adressen geben einen guten Überblick über die großen Hersteller, die wiederum auf ihren Homepages weitere Jobs anbieten. wb

Ein Beitrag von:

  • Werner Bruckner

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