Steinkohletag 11.11.2011, 12:04 Uhr

Steinkohle braucht Perspektiven

Die deutsche Steinkohle braucht dringend neue Wege, wird der subventionierte Bergbau doch im Jahr 2018 enden. Welche Perspektiven sich durch die Energiewende ergeben, diskutierte die Branche am Montag in Essen auf dem Steinkohletag.

Nach den Vorstellungen von Bernd Tönjes, dem Vorsitzenden des Vorstands des Gesamtverbands Steinkohle, soll „mit der Energiewende nicht nur die Energiewirtschaft, sondern unsere gesamte Volkswirtschaft ,neue Wege‘ gehen. Die konventionelle Stromerzeugung wird demnach noch für Jahrzehnte als Brücke in eine Zeit unverzichtbar bleiben, die schließlich nur noch auf erneuerbare Energieträger gestützt sein soll.“

Dies sah Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Montag auf dem Steinkohletag 2011 in Essen genauso: „Wenn wir bezahlbare Energie wollen, müssen fossile Energieträger noch länger eine tragende Rolle spielen.“ Die Bundesregierung kritisiert sie für die „hastig“ beschlossene Energiewende.

Steinkohle muss sauberer werden

Alle technischen Möglichkeiten müssten genutzt werden, um die Kohle sauberer zu machen, so Kraft. Ein Weg zu diesem Ziel ist, den Wirkungsgrad bei der Steinkohleverstromung zu erhöhen. Nordrhein-Westfalen als „Energieland Nummer eins“ könne dabei eine führende Rolle spielen. Der zweite Weg liegt in der Abtrennung des bei der Verbrennung anfallenden Kohlendioxids mithilfe der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage).

EU-Energiekommissar Günther Oettinger forderte in Essen, dass Deutschland auf der Grundlage der entsprechenden EU-Richtlinie zügig eine Rechtsgrundlage zur Erprobung der CCS-Technologie schaffe. Nach Plänen der EU soll die CCS-Technologie in sechs europäischen Modellprojekten erforscht werden – eines davon in Brandenburg.

Das von der Bundesregierung dazu vorgelegte Gesetz war Ende September im Bundesrat gestoppt worden. Streitpunkt ist eine Vetoklausel, mit der die Länder die CO2-Speicherung auf ihrem Gebiet verhindern können. CCS-Befürworter Brandenburg hatte das Gesetz wegen dieser Klausel abgelehnt. Oettinger konnte die deutschen Befindlichkeiten nicht nachvollziehen: „Was hier läuft, ist nicht wirklich konstruktiv.“

Kohlendioxid-Speicherung: Chance und Herausforderung für die Steinkohle

Der EU-Kommissar erinnert an die Widerstände, die seinerzeit Anlagen zur Entstickung und Entschwefelung entgegengebracht wurden. Heute seien diese Verfahren nicht nur Standard, sondern auch Exportschlager. Daher sieht er die CCS-Technologie als Herausforderung und Chance zugleich.

Im Saarland wird die Kohlegewinnung aus geologischen Gründen bereits im Mai 2012 und so einen Monat früher als ursprünglich geplant auslaufen. Damit endet der Bergbau im kleinsten Flächen-Bundesland, der im Lauf seiner 250-jährigen Geschichte nicht selten Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich war, wie die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer erinnert. Rund 800 Bergleute werden vom Bergwerk Saar ins münsterländische Ibbenbüren ziehen.

Nachdem der letzte Kohlenwagen gehoben sein wird, will die RAG erneuerbare Energie liefern. So betont Bernd Tönjes, der auch Vorsitzender des Vorstands der RAG Aktiengesellschaft ist, die Aufgabe des deutschen Steinkohlenbergbaus, die ehemaligen Bergbauflächen im Einklang mit den Menschen in der Region zu entwickeln.

Ehemalige Flächen des Steinkohle-Bergbaus nachhaltig im Sinne der Menschen entwickeln

„Neue Wege eröffnen sich insofern, als nicht nur diese Flächen durch RAG Montan Immobilien gezielt zur Nutzung erneuerbarer Energieträger eingesetzt werden können, sondern auch das bergmännische Know-how genutzt werden kann“, betonte Tönjes. Auf diese Weise leiste der deutsche Steinkohlenbergbau einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Tönjes erklärte, welche Möglichkeiten sich aus dem Steinkohlenbergbau heraus auch für die zukünftige Energieversorgung bieten. Die RAG unterscheidet zwischen der Nutzung untertägiger und übertägiger Ressourcen. So können die Grubenbaue für Pumpspeicherkraftwerke, als Wärmespeicher oder als Wärmequelle für Gebäude genutzt werden. Die übertägigen Ressourcen wie Haldenkörper und Flächen werden Standorte für Windräder, Photovoltaikanlagen oder Biomasse.

Ein Beitrag von:

  • Eckart Pasche

    Freier Fachjournalist. Themenschwerpunkte: Energie, Kerntechnik, Rohstoffe, Bergbau, Tunnelbau, Technikgeschichte

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