Wasserwirtschaft 11.06.1999, 17:21 Uhr

Stausee bewahrte München vor Flutkatastrophe

Hochwasser in den Alpenflüssen und der Donau haben zu Pfingsten in Bayern Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Doch an der Isar blieb man dank der Sylvensteintalsperre davon verschont. Gerade rechtzeitig war eine Dammerhöhung von 3 m fertiggestellt worden.

Von 1997 an wurde der Damm der Sylvensteintalsperre am Ausgang des Karwendelgebirges erhöht. Vor wenigen Monaten gingen die Bauarbeiten zu Ende. Pfingsten 1999 kam der Ernstfall und die Bewährungsprobe: Eine Flutkatastrophe wie im Jahre 1940 wurde durch die Baumaßnahme verhindert. Staatssekretärin Christa Stewens vom Bayerischen Umweltministerium sparte jetzt nicht mit Lob für die Wasserbauer. „Selten hat sich eine Vorsorgemaßnahme gegen Naturkatastrophen so schnell bezahlt gemacht.“ Die Gesamtkosten der Dammerhöhung beliefen sich auf 20 Mio. DM. Die Schäden, die dadurch vermieden wurden, hätten – so Stewens – ein vielfaches dieser Summe ausgemacht.
Für viele Münchner war es ein spannendes Spektakel. Zu Tausenden pilgerten sie zu Pfingsten an die Isar, um einen Blick auf den reißenden Fluß zu werfen. Den wenigsten war bewußt, daß sie das Naturschauspiel nur deshalb so unbeschwert genießen konnten, weil im Oberlauf ein Großteil der Wassermassen zurückgehalten wurde. Fachleute vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt Weilheim berichteten vergangene Woche bei einem Lokaltermin am Sylvensteinspeicher, wie das Isartal durch vorausschauendes Hochwassermanagement vor einer Flutkatastrophe bewahrt wurde.
Seit 1959 wird die Isar am Ausgang des Karwendelgebirges durch eine Talsperre gestaut. Durch den 41 m hohen Erddamm, hinter dem sich bei maximaler Füllung ein 6 km2 großer See mit einem Volumen von 104 Mio. m3 ausbreitet, war eine Rückhaltekapazität von 59 Mio. m3 gewährleistet. Damit waren bisher alle Hochwasser bewältigt worden, aber die Fachleute wußten, daß dies nur eine trügerische Sicherheit war. Es hatte sich jeweils lediglich um mittlere Ereignisse gehandelt. Ein Jahrhunderthochwasser, das zeigten moderne hydrologische Rechenmodelle, würde außer Kontrolle geraten. Amtsleiter Hans-Joachim Kilian forderte deshalb seit Jahren eine Dammerhöhung um 6 m. Vertreter des Fremdenverkehrs und des Naturschutzes liefen dagegen jedoch Sturm. Die Kontroverse wurde schließlich mit einem Kompromiß von 3 m beigelegt, gleichbedeutend mit einer Vergrößerung des Hochwasserstauraums um 20 Mio. m3.
Mit den Bauarbeiten wurde 1997 begonnen, funktionsbereit waren die neuen Anlagen Ende 1998. Am 21. Mai gingen dann in den bayerischen Alpen extreme Regenfälle nieder. An der Wetterstation Sylvenstein wurden in 24 Stunden 180 l/ m2 (180 mm) gemessen, das sind gut 10% des durchschnittlichen Jahresniederschlags von 1750 mm. In Kombination mit der Schneeschmelze und einem bereits wassergesättigten Boden von vorhergehenden Regenfällen führte das dazu, daß aus dem 1100 km2 großen Einzugsgebiet in der Spitze pro Sekunde 920 m3 Wasser in den Sylvensteinspeicher strömten. „Das ist fast das sechzigfache des durchschnittlichen Zuflusses von 16,3 m3/s“, verdeutlichte Betriebsleiter Peter Hohenreiter. Nach vorläufigen Abschätzungen war es ein Ereignis, das im Mittel nur alle 200 Jahre eintritt. Ein ungebremster Abfluß dieser Fluten hätte zunächst die Kreisstadt Bad Tölz verwüstet. Steigt dort die Wasserführung der Isar über 450 m3/s, werden große Teile des alten Ortskerns überflutet.
Glücklicherweise hatte der Wetterdienst die Stärke der Regenfälle mit 150 mm annähernd richtig vorausgesagt. Vorsorglich war deshalb der Wasserstand um einige Meter abgesenkt worden. „Dadurch stand uns genügend Stauraum zur Verfügung, um den Abfluß so stark zu drosseln, daß der kritische Wert für Bad Tölz nicht überschritten wurde“, berichtete Erich Winner, Bereichsleiter Talsperren. In München stieg der Pegel der Isar nur auf ein 15jähriges Ereignis. Ohne den Sylvensteinspeicher wäre es weit schlimmer gekommen. „Wir hätten eine Flutkatastrophe wie 1940 erlebt“, betonte Thomas Henschel vom Münchner Wasserwirtschaftsamt.
HANS DIETER SAUER
Pfingsthochwasser in Bayern: Neustadt wurde überflutet, nachdem am 24. Mai der dortige Donaudamm brach. Anrainer der Isar hatten Glück: Der um 3 m erhöhte Staudamm der Sylvensteintalsperre zähmte den Fluß. Der helle Streifen markiert in etwa die Dammerhöhung.

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