Photovoltaik 31.08.2007, 19:29 Uhr

Sonnenstrom ist beliebt, aber teuer  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 31. 8. 07, mg – Die hohe Vergütung für den durch Solaranlagen in Deutschland erzeugten Strom ist umstritten. Würde sie in dem Maße gesenkt werden, wie sich die Herstellungskosten entwickeln, dann könnte sich die Solarindustrie an die notwendigen Korrekturen anpassen.

Die Markteinführung der Photovoltaik wird, wie bei allen anderen erneuerbaren Energien auch, größtenteils von den Stromkunden finanziert. Bisher ist dies eine Erfolgsgeschichte, Deutschlands Solarstrombranche wächst und wächst. Wurden hierzulande im Jahr 2003 erst Solarmodule mit rund 78 MW Gesamtleistung produziert, waren es 2006 bereits 341 MW. Doch jedes installierte Solarmodul ist nicht nur ein Erfolg, sondern auch eine Verpflichtung: Der produzierte Strom wird laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz 20 Jahre lang vergütet. Die Frage, was da über die Jahre an Kosten zusammenkommt, wird inzwischen hitzig diskutiert.

Die deutsche Photovoltaikindustrie hat ein Wachstumstempo vorgelegt, das vor einigen Jahren wohl niemand erwartet hätte. Im Jahr 1996 wurden weniger als 0,05 % der deutschen Stromerzeugung durch Solarstrom gesichert, zehn Jahre später war es bereits das Achtfache, nämlich 0,4 %.

Bislang ist Deutschland der mit weitem Abstand größte Photovoltaikmarkt der Welt, nahezu die Hälfte aller in den letzten beiden Jahren weltweit installierten Anlagen ist hier ans Netz gegangen. Und die jährlichen Zahlen bei den Neuinstallationen der Solaranlagen wachsen. Der Großteil der dabei verwendeten Solarmodule wird auch heute noch importiert, zum Beispiel aus China und Japan. Doch wenn die jährlich installierte Solarstromleistung im gleichen Tempo wächst wie in den vergangenen Jahren, hätte Deutschland zwar im Jahr 2010 den schönen Erfolg errungen, dass 2 % des hier verbrauchten Stroms von der Sonne kommen.

Doch gleichzeitig hätten alle bis dahin angeschlossenen Photovoltaikanlagen eine enorme Zahlungsverpflichtung verursacht: insgesamt rund 150 Mrd. €. Die enorme Summe ist leicht zu erklären: Wenn wie letztes Jahr in Deutschland Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1150 MW installiert wurden, erhalten die Anlagenbetreiber innerhalb von 20 Jahren eine Einspeisevergütung von etwa 10 Mrd. €.

Nimmt man die anfallenden Einspeisevergütungen aus den Installationen der letzten Jahre hinzu und geht von wie bisher wachsenden Zubauraten aus, kommt man in der Summe bis zum Jahr 2010 auf 150 Mrd. €. Zieht man davon die Produktionskosten ab, die konventionell erzeugter Strom verursacht hätte, außerdem noch die vermiedenen Netznutzungsentgelte und bereinigt das Ganze um die voraussichtliche Inflationsrate, verbleiben nach Berechnungen des Solarstrom-Magazins Photon immer noch etwa 77 Mrd. €.

Andere Autoren kommen zu anderen Resultaten. Aber niemand kann dieses Ergebnis so weit herunterrechnen, dass sich eine für 2 % Solarstromanteil akzeptable Summe ergibt. Jedoch: Muss die Vergütung so hoch sein? Lassen sich Photovoltaikanlagen nicht zu Preisen verkaufen, bei denen die Betreiber auch mit geringeren Einspeisevergütungen ihr Auskommen haben? Bei der letzten Festlegung der Tarife hielt man eine Absenkung der Vergütung um jährlich 5 % für angemessen. Die Industrie erzielte jedoch jährlich Kostensenkungen von mindestens 10 %. Dadurch entstand eine Schere zwischen Entwicklung von Kosten und Einspeisevergütung, welche von der Politik wohl so nicht gewollt war.

Die Einspeisevergütung für den durch Solaranlagen erzeugten Strom müsste somit in dem Maße gesenkt werden, wie sich die Herstellungskosten entwickelt haben. Dies könnte auch schrittweise geschehen. Dann kann sich die Solarindustrie an die notwendigen Korrekturen anpassen und wird in ihrem rasanten Wachstum nicht behindert. Denn die Umsatzrendite der Solarworld AG liegt inzwischen über der von Google, die des Zellenherstellers Q-Cells über der von Ebay. Insgesamt hat die Solarindustrie ihre durchschnittliche Umsatzrendite binnen zwei Jahren von 15 % auf 30 % verdoppelt.

Der die Photovoltaikanlagen installierende Handwerker hat von den hohen Preisen wenig profitiert. Auch er leidet unter den unvermindert hohen Modulpreisen. Und, schlimmer noch, er muss womöglich um die Zukunft seines Berufsstandes fürchten – falls nämlich die Relation zwischen Vergütungsmilliarden und geringem Anteil an der Stromversorgung ins Zentrum der politischen Debatte rücken und die Vergütung für Solarstrom gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz komplett zur Disposition stehen sollte.

Philippe Welter, Herausgeber der Zeitschrift Photon, findet deshalb ein schnelles Gegensteuern unabdingbar: „Wenn die Einspeisevergütung der Kostenentwicklung angepasst würde, hat die Solarindustrie weiterhin die für Investitionen notwendigen Gewinnmargen. Und die vielen Milliarden Euro Förderung wären gut angelegt. Denn bereits im Jahr 2019 könnten fast 15 % des deutschen Stroms aus Solaranlagen stammen.“ B. SCHÜßLER

Ein Beitrag von:

  • Bernd Schüßler

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE-Firmenlogo
Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE Abteilungsleiter*in für die Regelung und Dynamik von Energiesystemen Kassel
halm. elektronik gmbh-Firmenlogo
halm. elektronik gmbh Projektingenieur (m/w/d) Solarenergie-Messtechnik Frankfurt am Main
WOLF GmbH-Firmenlogo
WOLF GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) für Klimatechnik Mainburg
Sprecher Automation Deutschland GmbH-Firmenlogo
Sprecher Automation Deutschland GmbH Projektleiter:in Elektrotechnik (m/w/d) Raum Hamburg (Home-Office)
Huber SE-Firmenlogo
Huber SE Produktmanager (m/w/d) Mechanische Reinigung Berching (zwischen Nürnberg und Ingolstadt)
Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG-Firmenlogo
Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG Ingenieur (m/d/w) der Fachrichtung Versorgungstechnik Mainz
TotalEnergies-Firmenlogo
TotalEnergies Renewable Explorer (m/w/d) Berlin
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.-Firmenlogo
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Versorgungsingenieurin oder Versorgungsingenieur (w/m/d) Fachliche Leitung des Fachgebiets Versorgungstechnik Köln
Ökotec Energiemanagement GmbH-Firmenlogo
Ökotec Energiemanagement GmbH Ingenieur/-in als Software Consultant für Energieeffizienz (w/m/d) Berlin
Kraftanlagen Gruppe-Firmenlogo
Kraftanlagen Gruppe Projektingenieur (m/w/d) Elektro- und Automatisierungstechnik München

Alle Energie & Umwelt Jobs

Top 5 Energie

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.