Photovoltaik 06.08.1999, 17:22 Uhr

Sonnenenergie versorgt Büros

Das am Jahresanfang von der Bundesregierung gestartete 100 000-Dächer-Programm hat einen Boom in der Solarbranche ausgelöst. Mit cleveren Ideen rund um die Photovoltaik und „grünem Strom“ will nun ein Bonner Unternehmen richtig Geld verdienen.

Frank H. Asbeck, Vorstand des Bonner Solarstromhändlers und Anlagenbauers SolarWorld, hat die Vision von einer sonnigen Zukunft der Branche stets vor Augen. Von einem paradiesischen Photovoltaik-Zeitalter kündet ein überlebensgroßes Wandgemälde des Beuys-Schülers Joe Brockerhoff in seinem Empfangsbüro. „Regenerative Energien müssen sich betriebswirtschaftlich rechnen“, lautet das Motto des 40jährigen Ingenieurs, der bald als einer der ersten deutschen Händler für „grünen Strom“ an die Börse gehen will.
Optimistisch geht Asbeck von jährlichen Wachstumsraten von 15 % bis 20 % im Photovoltaik-Markt aus. „Bedingt durch die Einführung des 100 000-Dächer-Solarstromprogramms der Bundesregierung kann sich der Markt von 10,5 MW jährlich in 1998 bis zum Jahr 2004 auf 106,5 MW jährlich verzehnfachen“, prognostiziert Asbeck. Immerhin konnte der Betreiber von 15 Windkraftanlagen in der Eifel und sieben industriellen Photovoltaikanlagen in Bonn, Essen, Köln, Neuss und Mönchengladbach mit insgesamt 2 MW Nennleistung im vorigen Jahr einen Umsatz von 6,3 Mio. DM verbuchen. Davon machte der reine Handel mit Solarstrom rund 3 Mio. DM aus. Der Unternehmer, der zwölf Mitarbeiter beschäftigt und hierzulande den größten US-Solarproduzenten vertritt, will nun mit einem 24-Stunden-Lieferservice auch den deutschen Photovoltaik-Markt über den Einstieg in den Großhandel erobern.
Vorzeigeprojekt des 1998 aus einem Ingenieurbüro für Industrieanlagen hervorgegangenen Unternehmens ist ein modernes Dienstleistungszentrum, das zur Zeit am Graurheindorfer Hafen in Bonn entsteht. Das Gelände der alten Auermühle, einer ausrangierten Getreidemühle mit Siloturm und Lagergebäuden, baut Asbeck, dessen Firma gleich nebenan ihren Sitz hat, für die Bank 24 zu einen Bürokomplex um. Die Direktbank, eine Tochter der Deutschen Bank, will auf dem denkmalgeschützten Industriegelände ihre Zentrale und ein Call-Center für 1200 Beschäftigte errichten. Insgesamt werden neue Büros mit 14 000 m2 Gesamtfläche entstehen. Dabei sollen sich die Gebäude mit Strom und Wärme aus regenerativen Energien selbst versorgen können – zumindest rechnerisch.
Das Flachdach des Mühlengebäudes zeigte sich für eine Photovoltaikanlage ideal geeignet. Hier wurden 1000 m2 Solarmodule auf polykristalliner Basis mit einer maximalen Leistung von 80 kW installiert. Pro Jahr liefern sie 64 000 kWh elektrischen Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist und mit knapp 2 DM pro kWh vergütet wird. Dadurch amortisiert sich die Anlage innerhalb von etwa 15 Jahren, während die Lebensdauer mit dem Doppelten kalkuliert ist.
Um die Investitionskosten für die Anlage niedrig zu halten, besorgte sich der umtriebige Energiehändler gebrauchte Module von der spanischen Solarforschungsanlage in Almería und montierte sie liegend auf das Dach der Auermühle. Eine preiswerte Lösung, die allerdings eine etwas geringere Leistung als bei neuwertigen Modulen einkalkuliert und sich daher mit nur 6 % bis 8 % Wirkungsgrad zufrieden gibt.
Weitere Kosten konnten mit einer eigens für die Flachdachinstallation entwickelten Technik eingespart werden. Um das einfallende Licht optimal auszunutzen, wurden Solarmodule bislang auf Satteldächer oder mit Hilfe einer Metallträgerkonstruktion in einem Winkel von 28 Grad nach Süden ausgerichtet aufgestellt. Asbeck legt jedoch die Module flach auf ausgediente Autoreifen, die zur Hälfte mit Beton gefüllt sind. Für eine feste Verbindung der Teile sorgen Metallspangen, ein Spezialkleber garantiert die nötige Haftung der Altreifen auf dem Dach. Die pfiffige Idee hat sich der Unternehmer patentieren lassen. Zu Buche schlägt vor allem die Kostenersparnis bei der Installation der Module. „Die kann durchaus 10 % bis 20 % der Investitionskosten ausmachen“, bestätigt SolarWorld-Experte Thomas Klodt.
Einen weiteren Beitrag zur Energieversorgung der Auermühle wird ein mit Rapsölmethylester betriebenes Blockheizkraftwerk liefern. Die beiden mächtigen Dieselmotoren, von denen jeder 610 kW elektrische und 400 kW thermische Leistung liefert, sind in einem vollisolierten und hochwassergeschützten Nebengebäude montiert. Für den Betrieb des Blockheizkraftwerkes sind 4000 bis 5000 Vollaststunden einkalkuliert. Mit der Abwärme werden die Büroräume geheizt, der erzeugte elektrische Strom von 5 Mio. kWh pro Jahr wird dem öffentlichen Netz zugeführt. „Ein auf 15 Jahre abgeschlossener Vertrag mit den Bonner Stadtwerken sichert uns eine relativ günstige Vergütung von etwa 24 Pf/kWh zu“, sagt Thomas Klodt.
Für das gelungene Umnutzungskonzept der alten Bonner Auermühle, das neue Arbeitsplätze, Denkmalpflege und regenerative Energien unter einen Hut vereinigt, wurde Frank Asbeck im vorigen Jahr mit dem bundesweiten Anerkennungspreis der Wüstenrot-Stiftung ausgezeichnet.
SILVIA VON DER WEIDEN
Neuer Bürokomplex auf denkmalgeschütztem Industriegelände. Die Gebäude mit 14 000 m2 Gesamtfläche (Solarmodule auf den Dächern) werden mit Strom und Wärme aus regenerativen Energien versorgt.
Den Verkauf von Photovoltaik-Modulen und „grünem Strom“ will ein Bonner Energiehändler vorantreiben.

Ein Beitrag von:

  • Silvia von der Weiden

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