Photovoltaik 08.02.2002, 17:32 Uhr

Solarzellenfabrik kommt nach Alzenau

Vom Wafer über die Zelle bis zum Photovoltaik-Modul – das neue Werk von RWE Solar in Alzenau wird die gesamte Wertschöpfungskette abdecken und die vorhandenen Kapazitäten verdreifachen. Noch ist die Fabrik im Baustadium, doch schon im Herbst soll die erste Zellenlinie den Betrieb aufnehmen.

Die langen Reihen der Betonpfeiler stehen bereits – sie bilden das Skelett für die weltweit modernste Fabrik zur Fertigung von Solarzellen, die derzeit im unterfränkischen Alzenau entsteht. Die neue Produktionsstätte, 360 m lang und 80 m breit, wird dazu beitragen, die Kapazitäten der hier ansässigen RWE Solar GmbH deutlich von derzeit 30 MW auf dann rund 100 MW jährlich auszubauen. Das Unternehmen ist eine 100%ige Tochter der RWE Solutions AG in Frankfurt/M.

Rund 150 Mio. € investiert RWE Solar in die stolz „Smart Solar Fab“ genannte künftige Fertigungsstätte. „Wir unterstreichen mit dem Ausbau die Position als größter Produzent von Solarzellen in Deutschland und festigen unsere Stellung als Top-Player auf dem Weltmarkt“, betont Heinz-Werner Binzel, Vorstandsvorsitzender der RWE Solutions AG.

Smart ist das richtige Attribut, denn in Alzenau wird nicht nur die komplette Wertschöpfungskette – vom Wafer über die Zelle zum Modul – verwirklicht, sondern zugleich das Herstellungsverfahren für EFG-Siliziumwafer angewandt, ursprünglich von der Mobil Solar Energy weltweit patentiert. 1994 wurde das Unternehmen in Billerica bei Boston (Massachusetts, USA) übernommen und gehört jetzt zum RWE-Konzern. EFG steht für edge-defined film-fed growth. „Das ist der beste Prozess zur Herstellung von Wafern, dem Ausgangsmaterial für die Zellenproduktion, den wir mit erheblichen Mitteln weiterentwickelt haben“, erklärt Dr. Winfried Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der RWE Solar.

Das Silizium-Granulat wird in einem Graphittiegel aufgeschmolzen, in dem sich eine achteckige Kapillare befindet, und langsam mit 2 cm/min in eine Höhe von 5 m gezogen. Bei einer Materialdicke von 0,3 mm kann das Oktagon per Laser an den Kanten und horizontal geschnitten werden. Im Gegensatz zu anderen Verfahren, die beim Schneidevorgang bis zu 60 % Abfall produzieren, beträgt die Ausbeute bei den EFG-Wafern nahezu 80 %. Zudem hat der Halbleiter genügend Zeit zum Erstarren, was außerordentlich wichtig für die Qualität des Kristalls ist.

Seit 1998, dem Beginn der Produktion der ersten Fabrik in Alzenau, wurde die Erzeugung von 10 MW auf 30 MW Gesamtleistung der Zellen hochgefahren. Der derzeitige Marktführer Sharp liegt bei 50 MW, gefolgt von Kyocera und BP Solar mit je 42 MW. Auch an diesen Zahlen sieht man, welchen Sprung RWE Solar in Alzenau mit dem neuen Werk machen will.

Die Solar Fab erhält 120 Ziehmaschinen, deren Material auf vier Fertigungslinien zu Zellen verarbeitet wird. Auch der dritte Wertschöpfungsschritt, die Modulfertigung, wird integriert. Hierbei werden die Zellen zu einbaufertigen Flächen verschiedener Größe zusammengefasst, die dann an den Einsatzorten wie auf Dächern oder am Boden montiert werden können.

Geplant ist auch die Serienfertigung von 300-W-Modulen, die als leistungsstärkste weltweit gelten. „Wir setzen hier auf Hochqualitätsprodukte, die allerdings ihren Preis haben – dennoch sind 10 unserer Großmodule mit über 2 m2 Fläche inklusive Endmontage billiger als 30 Standardmodule in den Abmessungen 120 cm x 60 cm“, so Hoffmann. Die Alzenauer sind stolz darauf, dass ihre Leistungsdaten von renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg bestätigt worden sind.

„Wir werden etwa die eine Hälfte der Zellen in eigenen Modulen verbauen, die andere weiterhin an bisherige Partner liefern, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten“, kündigt Hoffmann an. Die erste Zellenlinie mit einer jährlichen Kapazität von 15 MW soll schon im Herbst 2002 den Betrieb aufnehmen. Im Endausbau entstehen bis zu 400 zusätzliche Arbeitsplätze. „Ich bin überzeugt, dass wir dann unser Ziel erreicht haben, unter die Top 5 der Solarzellenanbieter vorzustoßen“, versichert Binzel. KLAUS JOPP

Solares Potential

Die Photovoltaik-Branche hat sich zu einer Industrie mit jährlichen Zuwachsraten von über 20 % entwickelt. Experten erwarten für das Jahr 2030 einen weltweiten Umsatz von mehr als 100 Mrd. €. Die hohen Zuwachsraten sollten gleichzeitig Kostenrückgänge um 5 % pro Jahr möglich machen. Dennoch dürfte die Photovoltaik in etwa 30 Jahren lediglich 1 % zur Weltstromerzeugung beisteuern. kj

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