Photovoltaik 14.11.2008, 19:38 Uhr

Solarstrom ersetzt Dieselgenerator  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 11. 08, mg – Die ländliche Elektrifizierung in Afrika steht seit einiger Zeit im Fokus aller Nachhaltigkeitsaktivitäten bei dem Unternehmen Solarworld. Mit dem Programm solar2world soll die Photovoltaik als Energiequelle ausgebaut werden, da sich die Installation eines Stromnetzes in vielen Regionen Afrikas nicht lohnt. Nach Schätzungen sind rund 2 Mrd. Menschen ohne Stromanschluss.

Noch zwei Jahre nach ihrer Reise ins westafrikanische Mali zeigt sich Claudia Hanisch beeindruckt von den Erlebnissen: „Ich habe alte Männer in Erinnerung, die weinten, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben elektrisches Licht gesehen haben.“ Möglich gemacht hatten das einige Solarmodule aus Deutschland.

Die studierte Französischlehrerin gehörte damals zu einer achtköpfigen Delegation der Initiative für Regenerative Energien in Sachsen (IRES), die sechs Module mit jeweils 215 W Leistung im Gepäck hatten. Gespendet hatten die Sonnenenergiefänger das Freiberger Werk der Solarworld AG.

Ihren 14 Tage langen Aufenthalt nutzten die Sachsen, um die Module auf den Dächern dreier Krankenstationen in den Dörfern Kola, Wola und Bougoula sowie Energiesparlampen und Kühlschränke zu installieren. Wobei Krankenstation eher verniedlichend klingt. Allein das Zentrum in Bougoula nahe der Hauptstadt Bamako versorgt medizinisch mehr als 10 000 Menschen.

„Dank des Solarstroms können seit gut zwei Jahren beispielsweise die Impfstoffe und Medikamente vernünftig gekühlt werden. Zuvor hatte ein Dieselgenerator die Energie für den Kühlschrank geliefert, der allerdings häufig ausfiel, weil der zu kaufende Diesel eine schlechte Qualität besaß. Zudem waren die Treibstoffpreise sprunghaft gestiegen, denn Mali muss den Diesel über lange Strecken aus den Nachbarstaaten importieren“, erzählt Hanisch, die mittlerweile für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Solar, eines Tochterunternehmens von Solarworld, zuständig ist.

Mit dem Solarlicht verbesserten sich zudem auch die Arbeitsbedingungen für die Hebammen in den Centres de Santé Communautaires. Zuvor hatten sie in den Nachtstunden nur beim matten Licht von Taschen- oder Petroleumlampen arbeiten können. Und wenn die ausfielen, wurden Kerzen angezündet.

„Solarstrom für Mali“ war eines der ersten Projekte, die Solarworld im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie unterstützt hat. Bei vielen anderen Unternehmen laufen solche Aktivitäten unter dem neudeutschen Begriff Corporate Social Responsibilty.

Dass Corporate Social Responsibilty bei Solarworld ein „permanenter Prozess“ sei, begründet Firmengründer und Vorstandschef Frank Asbeck mit den Erwartungen von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären. Deshalb gibt es in seinem Konzern neben dem wichtigen Strategieausschuss mittlerweile auch einen Ethic Council, den Milan Nitzschke leitet. Der frühere Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie war im Frühjahr zu dem Solarkonzern gewechselt, bei dem er unter anderem für das Ressort „Nachhaltige Unternehmensentwicklung“ zuständig ist. Dieses Gremium stehe, so Nitzschke, jedem Mitarbeiter offen, der sich engagieren wolle.

Im Fokus aller Nachhaltigkeitsaktivitäten bei Solarworld steht seit geraumer Zeit die ländliche Elektrifizierung in Afrika – solar2world heißt das Programm. „Ein Stromnetz zu bauen, lohnt sich in vielen Ländern Afrikas nicht, da drängt sich die Photovoltaik als Energiequelle auf“, so Asbeck. Ansonsten können sich viele Landstriche gar nicht erst entwickeln: „Die Solarenergie ist ein unverzichtbarer Baustein für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas.“ Weltweit sind nach vorliegenden Schätzungen rund 2 Mrd. Menschen ohne Stromanschluss – vor allem in den Entwicklungsländern.

Die Liste mit den Solarworld-Modulen in Afrika wird so langsam umfangreicher: Sie reicht von der Unterstützung eines Aidswaisenhauses in Malawi über ein Computer-Ausbildungszentrum in Uganda bis hin zu solar betriebenen Wasserpumpen in Kenia.

Fest eingeplant für die nächste Zeit ist beispielsweise auch die Lieferung netzunabhängiger, solarer Home-Systems nach Südafrika, dem Gastgeber der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2010. „Dank der Solarenergie wird auf vielen Dorfplätzen ein Public Viewing möglich werden“, sagt Ressortleiter Nitzschke.

Anfragen für die solare Unterstützung von Projekten, so Nitzschke, lägen in der Bonner Zentrale genügend vor: „Für uns ist dabei die Verlässlichkeit der Projektpartner wichtig, die wir auch im Umgang mit den Modulen und den Batteriestationen schulen.“

Module gibt das Solarworld-Management auch an eigene Mitarbeiter weiter, die in Eigenregie karitative Projekte auf dem Schwarzen Kontinent unterstützen wollen. All das sollen keine Eintagsfliegen sein. „Für Charity-Projekte streben wir an, 0,73 % unseres Umsatzes zu investieren, also genau den Prozentsatz des Bruttosozialproduktes, den die OECD-Länder seit Jahren versprechen, für die Entwicklungshilfe auszugeben“, betont Firmenchef Asbeck. Bei gut 700 Mio. € Umsatz im vergangenen Jahr kommt da einiges zusammen

Dass Solarworld im vergangenen Jahr die Übertragung des Live-Earth-Konzertes in Hamburg unterstützt hat oder die geplante internationale Regenwald-Ausstellung im Bonner Museum Koenig, ist für den Solarmanager kein bloßer Marketinggag: „Der Einsatz für einen effektiven Schutz des Klimas ist aus unserer Sicht immanenter Bestandteil unternehmerischer Verantwortung.“

In Freiberg bereitet Claudia Hanisch derzeit zwei weitere Solarprojekte in Mali vor. Vorgesehen ist zum einen in einem kleinen Dorf der Einsatz einer solar betriebenen Wasserpumpe, in acht weiteren Dörfern sollen 63 Module zu je 135 W Leistung in Bildungszentren für Strom sorgen: „Da in Mali die Analphabetenquote bei über 50 % liegt, ist Bildung ein ganz wichtiger Faktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes“, so Hanisch.

Sie selbst hat die Hoffnung, ein zweites Mal nach Westafrika fliegen zu können. „Wir stellen unsere Leute bei laufender Bezahlung für solche Projekte frei, weil wir als Konzern solches Engagement unterstützenswert halten und es deshalb fördern“, betont Nitzschke. RALF KÖPKE

Strom aus Solaranlagen kühlt Impfstoffe und Medikamente in Krankenstationen

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