Energie 09.06.2006, 19:22 Uhr

Solarkraftwerke helfen Energieversorgung abzusichern  

Nicht nur in den USA, sondern auch in Spanien beginnt der Bau großer solarthermischer Kraftwerke. An beiden Großprojekten maßgeblich beteiligt sind auch deutsche Unternehmen wie der Mainzer Technologiekonzern Schott. Er liefert mit den Receivern eine der Schlüsselkomponenten.

Die Bauarbeiten für das Kraftwerk „Nevada Solar One“, das ab 2007 rund 40 000 amerikanische Haushalte mit Strom versorgen wird, begannen im Februar. Bei dieser Gelegenheit betonte John Myles, Präsident der amerikanischen Projektgesellschaft Solargenix Energy, wie wichtig der deutsche Beitrag sein wird: „Die neuen Receiver von Schott bieten eine gute Basis für den Erfolg von Nevada Solar One.“ In diesen Doppelröhren aus Borosilikatglas und Stahl erhitzt die Sonnenenergie mit Hilfe computergesteuerter Parabolspiegel ein spezielles Thermoöl auf 400 °C. In einem Wärmetauscher produziert das heiße Öl dann Wasserdampf, der Turbinen zur Stromerzeugung antreibt. Grundsätzlich funktioniert ein Solarthermiekraftwerk also ähnlich einem herkömmlichen Dampfkraftwerk. Wesentlicher Unterschied ist die Nutzung der Sonne als Energiequelle.

Auch das spanische Kraftwerk wird mit der Parabolrinnentechnologie betrieben – der Spatenstich ist in Andalusien noch für diese erste Junihälfte geplant. Nach Inbetriebnahme wird es 150 000 Menschen mit Strom versorgen und das erste europäische Kraftwerk dieser Art sein. Allerdings nur kurze Zeit: Weitere solarthermische Kraftwerke sollen in Spanien gebaut werden. Auch hier ist Schott mit seinen Receivern dabei. Spanien sei „wegen seiner jährlichen Sonnenstunden, seiner freien Fläche und seiner Förderregelungen der attraktivste Solarmarkt der Welt“, so Michael Geyer vom deutschen Projektentwickler Solar Millennium AG.

Die öffentliche Förderung ist gerechtfertigt, denn 80 % der Gesamtkosten entstehen zu Beginn und nur 20 % sind anschließend für den Betrieb aufzuwenden (bei Laufzeiten von 20 bis 25 Jahren). In herkömmlichen Kraftwerken ist das genau umgekehrt – hier fallen 80 % der Kosten erst als Betriebskosten an, überwiegend für Brennstoff. Bei konventionellen Kraftwerken bleiben die Kosten mit der Laufzeit also konstant bzw. steigen sogar aufgrund höherer Rohstoffpreise oder wachsender Umwelt- und Sicherheitsanforderungen. Unter anderem deshalb bescheinigen Experten dem Solarstrom mittel- und langfristig hervorragende Wachstumschancen. Optimistischer Kommentar von Dr. Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzender von Schott: „Wir setzen auf den Zukunftsmarkt Solarenergie. Als einer der Technologieführer weltweit wollen wir in diesem Markt mitwachsen und international Maßstäbe setzen.“

Die Weichen dafür hat Schott auch im Bereich Solarstrom gestellt: Im Oktober 2005 übernahm das Unternehmen alle RWE-Anteile (50%) an der früheren RWE Schott Solar GmbH. Der Photovoltaikhersteller firmiert nun zu 100 % als Schott Solar GmbH. Auch am Gründungsstandort Jena setzen die Mainzer auf Sonnenenergie. Demnächst investiert der Konzern dort 60 Mio. € in die industrielle Serienproduktion von siliziumbedampften Dünnschichtmodulen und schafft damit 160 neue Arbeitsplätze. So sichert sich die deutsche Solarbranche auch in der Photovoltaik eine Führungsrolle und fährt damit mehrgleisig: Im Gegensatz zur solarthermischen Kraftwerkstechnologie, die auf Erwärmung basiert, liegt der Einsatzschwerpunkt bei der photovoltaischen Stromproduktion in der dezentralen Stromerzeugung.

Für die Versorgung mit Grundlaststrom im Sonnengürtel der Erde besser geeignet ist jedoch die Solarthermie. Bedenken zur Versorgungszuverlässigkeit sind längst überholt: Einerseits stellt das im Kraftwerk umlaufende Thermoöl selbst einen beträchtlichen Speicher dar, andererseits gewährleisten Salzspeicher, dass auch nachts Strom produziert werden kann. Da der Strom mit Dampfturbinen auf die gleiche Weise erzeugt wird wie bei fossil befeuerten Kraftwerken, ist der Bau von Hybrid-Kraftwerken ebenfalls eine Option. Viele der in den USA errichteten solarthermischen Kraftwerke der ersten Generation sind in Hybrid-Technik konzipiert und von Anfang an darauf ausgerichtet, bei Bedarf Gas zuzufeuern. „Für viele Menschen ist Solarthermie noch neu. Ihnen ist nicht bewusst, dass diese Art der Energieproduktion erprobt ist und sich technisch wie wirtschaftlich bewährt hat. Solarthermische Kraftwerke werden eine wichtige Rolle bei der Lösung der weltweiten Energieprobleme einnehmen“, so John Myles zum Start der Bauarbeiten in Nevada. Deutschen Produzenten wie Schott kann das nur recht sein – gehören sie doch zur Weltspitze der Komponentenhersteller. ANJA BAIER

Ein Beitrag von:

  • Anja Baier

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